Das Baumhaus in Bad Herrenalb wird versteigert
Das aktuelle Höchstgebot liegt bei 1.161 Euro
Neun Jahre lang hat das rund 850 Kilogramm schwere Baumhaus im Kurpark Groß und Klein begeistert, nun sucht es einen neuen Standort. „Das Baumhaus können wir an dieser Stelle im Kurpark leider nicht seinem eigentlichen Zweck als Übernachtungsmöglichkeit zuführen.“ erklärt Bürgermeister Klaus Hoffmann.
Bisherige Gespräche, das Baumhaus an einer anderen Stelle in Bad Herrenalb aufzustellen, verliefen ergebnislos. Daher haben wir uns entschieden, die hölzerne Konstruktion öffentlich auszuschreiben, damit sie künftig ihrer eigentlichen Nutzung dienen kann.“ Dass Baumhäuser in Bad Herrenalb grundsätzlich funktionieren können, zeigt das Exemplar auf der Talwiese, das ebenfalls der Stadt gehört und von der Firma Baumhaustechnik erfolgreich für Übernachtungen vermietet wird. Für das Baumhaus im Kurpark haben sich inzwischen 27687 Interessierte auf dem Zoll-Auktionsportal durch Bilder und Bedingungen geklickt. Doch bislang wurden erst sechs Gebote abgegeben. Das aktuelle Höchstgebot liegt bei 1.161 Euro, und am 20. Januar 2026 um 11 Uhr fällt der Hammer.
Ursprünglich war geplant das pyramidenförmige Baumhaus im Kurpark ähnlich wie das Talwiesen-Baumhaus touristisch zu nutzen und zu vermieten. „Leider ließ sich dieses Vorhaben am Standort im Kurpark nicht realisieren“, erläutert Julia Riegger von der Touristik Bad Herrenalb. Ausschlaggebend waren mehrere Faktoren: Das Baumhaus ist von allen Seiten einsehbar, sanitäre Anlagen fehlen, und die Toiletten im Kurhaus stehen nachts nicht zur Verfügung, da das Gebäude verschlossen ist. Auch eine Umsetzung an einen anderen Standort scheiterte an fehlenden Genehmigungen. „Da die Stadt an dieser Stelle keinen sinnvollen Verwendungszweck mehr sieht, haben wir uns für eine Versteigerung entschieden“, erklärt Riegger.
Trotz der fehlenden regulären Nutzung sorgte das Baumhaus in den vergangenen Jahren für positive Resonanz: Seit 2020 wurde es zur liebevoll gestalteten „Bärenhöhle“. Gritt Müller, vielen aus der Touristikinformation Bad Herrenalb bekannt, schrieb dazu ihre erste Weihnachtsgeschichte rund um Bruno Bär und dekorierte das Baumhaus gemeinsam mit Christa Sagawe. Drei Meter über dem Boden im Kurpark baumelnd, wurde das Baumhaus zum Schauplatz für Bruno Bär, Mama Luna und Papa Leo. Besucher konnten die Szenerie bestaunen und die Geschichte gleich aus dem Briefkasten unter dem Baumhaus mit nach Hause nehmen. Aus dieser spontanen Idee entwickelte sich eine Fangemeinde rund um Bruno Bär. Bereits zu Ostern folgten neue Geschichten, zahlreiche Kinder aus den Herrenalber Kindergärten bastelten an der Frühlingsdekoration. Ergänzt wurde die Aktion durch ein eigens kreiertes Bruno-Bärchen-Eis am Sägwasenplatz und liebevoll gestaltete Schaufenster in der Innenstadt.
Entgegen manchen Vermutungen war das Baumhaus, das bei der Anschaffung rund 7.000 Euro kostete, kein Bestandteil eines LEADER- oder sonstigen Förderprojekts. Auch steht die Veräußerung nicht im Zusammenhang mit Förderfristen oder Abschreibungen. Vielmehr wurden über Jahre hinweg verschiedene Alternativen geprüft, von einer späteren Vermietung im Kurpark über einen Standortwechsel bis hin zu einem direkten Verkauf. Keine dieser Optionen ließ sich umsetzen. „Es war uns wichtig, alle denkbaren Möglichkeiten sorgfältig zu betrachten, bevor wir diesen Schritt gehen“, erklärt Julia Riegger.
Wie Denise Woßmann von der Touristik ergänzt, hängt die Entscheidung zudem mit erheblichen Unterhaltsaufwendungen zusammen. Trotz fehlender Nutzung sind regelmäßig kostenintensive Baumprüfungen erforderlich, die alle zwei Jahre durchgeführt werden müssen. „Diese Kosten können wir aktuell nicht mehr tragen“, heißt es aus der Verwaltung.
Um eine möglichst große Reichweite zu erzielen, wurde bewusst auf eine klassische Anzeige verzichtet. Stattdessen wird das Baumhaus über das bundesweit genutzte Zoll-Auktionsportal versteigert. Die Auktion startete am 20. Dezember 2025 um 11 Uhr mit 1.000 Euro als Mindestgebot. Es erklärt sich daraus, dass das Baumhaus aus seiner bestehenden Situation heraus veräußert wird und für einen neuen Standort erneut angepasst sowie genehmigt werden müsste.
Konstruktiv überzeugt das Baumhaus durch seine nachhaltige Bauweise: Einschließlich der Dachabdeckung besteht es nahezu vollständig aus recyclingfähigen, witterungsbeständigen Materialien. Die rund 16 Quadratmeter große Grundfläche ist frei schwingend aufgehängt und baumschonend befestigt. Mit einem Durchmesser von fünf Metern beträgt die Innenhöhe vier Meter, das Raumvolumen rund 19 Kubikmeter. Das Leergewicht liegt bei 850 Kilogramm, die Nutzlast ist für bis zu acht Personen inklusive Gepäck ausgelegt. Wer in diesem Fall mitbieten möchte, muss allerdings einige Voraussetzungen erfüllen. Denn ein Weiterbetrieb an einem anderen Standort gestaltet sich in Deutschland schwierig, da hierfür zahlreiche Genehmigungen erforderlich sind. Insbesondere forstrechtliche Vorgaben setzen solchen Projekten enge Grenzen. Da die Grundfläche des Baumhauses drei Meter über dem Boden schwebt ist die Seilbefestigung in zehn Metern Höhe vorgesehen. Der tragende Baum muss einen Mindestumfang von 120 Zentimetern aufweisen, zudem ist ein Mindestabstand von fünf Metern zu weiteren Bäumen erforderlich.
Weiterhin ist der Erwerb an klare Rahmenbedingungen gebunden: Der Käufer ist für Abbau und Abtransport selbst verantwortlich. Mit einer leichten Umfunktionierung, so der Text der Ausschreibung ließe sich das Baumhaus auch ebenerdig aufstellen. Eine Ladeeinrichtung für Handy, Tablet oder andere elektronische Geräte kann zudem über Solarenergie realisiert werden; diese ist jedoch nicht Bestandteil des Auktionsumfangs.
Die Versteigerung markiert damit das Ende eines Projekts, das während der Gartenschau große Aufmerksamkeit erregte und später durch Gritt Müllers Bärenweihnacht viele Herzen gewann. Langfristig ließ es sich jedoch nicht in ein tragfähiges Nutzungskonzept überführen. Für die Zukunft touristischer Projekte rücken Nachhaltigkeit und realistische Nutzbarkeit immer stärker in den Mittelpunkt.
https://www.badherrenalb.de/mitteilung/Zollauktion-Baumhaus-im-Kurpark-wird-versteigert-article2835