Emmendinger Saatgut - Bibliothek – Eine Initiative für den Erhalt alter Gemüsesorten
Stadtpflänzchen - Vielfalt erhalten – Nachhaltigkeit leben
Gemüse und Obst selbst anzubauen, liegt im Trend. Wer auf der Suche nach alten Sorten ist, wird im Handel oft nicht fündig. Neue Chancen bietet hier die Saatgutbibliothek in der Stadtbücherei beim neuen Rathaus in Emmendingen. Ab sofort können sich Hobby-Gärtner*innen Saatgut in der Bibliothek in Emmendingen ausleihen. Das Prinzip dieser Saatgutbibliothek ist einfach: Saatgut mitnehmen, anbauen, ernten und dann das neue, getrocknete Saatgut zurückbringen.

Initiative Stadt-Pflänzchen zum Erhalt alter Gemüsesorten in Emmendingen. Von links: Vordere Reihe Stadträtin Mona Speth (Die Fraktion), Stadträtin Ute Haarer-Jenne (Fraktion Grüne), Maria Steinmetz-Hesselbach (SPD-Ortsverein), Christiane Grund (Leiterin Stadtbibliothek). Hintere Reihe Wolfgang Lütker (Gärtnerei Witt), Stadtrat Hanspeter Hauke (SPD-Fraktion), Oberbürgermeister Stefan Schlatterer.
Oberbürgermeister Stefan Schlatterer eröffnete mit den Worten: Es ist ein wunderbares Thema, zu dem wir uns heute treffen.DieWurzeln dieses Projektes liegen eigentlich schon länger zurück. Beim Projekt „essbare Stadt". Nun gibt es hier in der Stadtbibliothek die Möglichkeit Saatgut auszuleihen. Neben den Saatgutpäckchen stehen Bücher, passend zum Thema Garten. Ein passender Ort ,denn wer mit Büchern umgehen kann, der kann auch mit Saatgut umgehen. Es geht nicht nur darum das kostbare alte Saatgut auszuleihen und auszusähen, sondern ein wichtiger Aspekt ist nach einem gelungenen Anbau das dadurch gewonnene Saatgut wieder zurück zu bringen. Nur so gelingt es alte Pflanzensorten zu erhalten. Ich finde es immer wieder erstaunlich, was durch Überzeugung für eine Sache und ehrenamtliches Engagement entstehen kann“.

Aber was sind Saatgutbibliotheken? Und kann man Saatgut wirklich verleihen? Immer mehr Bibliotheken bauen sogenannte Saatgutbibliotheken auf und unterstützen so die Produktion von samenfestem, gentechnikfreiem Saatgut, fördern die Pflanzenvielfalt und helfen dabei, das Saatgut ansonsten alter und nicht mehr verfügbarer Sorten zu sichern. Alte Sorten sind meistens nicht nur robuster als kommerzielle Pflanzen, sondern schmecken oft auch besser. Kommerzielle Sorten werden so gezüchtet, dass sie einen hohen Ertrag haben oder dass sie einheitlich aussehen. Die Idee stammt ursprünglich aus den USA, wo es bekanntlich viel gentechnisch verändertes Saatgut gibt. Umweltinitiativen haben sich mit der Einrichtung von Saatgut – Bibliotheken darum bemüht, die traditionelle Sortenvielfalt zu bewahren. Einmal erstellt, bietet eine Saatgutbibliothek einen Grundstock an Pflanzensamen, an dem sich die Büchereibesucher*innen kostenfrei bedienen dürfen. „Alte Sorten sind kulinarische Schätze die unbedingt erhalten werden müssen. Ein Großteil der heute angebauten Sorten stammen aus Hybridzüchtungen die durch Kreuzungen im Labor entstehen", so Ute - Haarer – Jenne Stadträtin vom Bündnis 90/Die Grünen.

Durch den stark kontrollierten Saatguthandel und dessen Industrialisierung sind sehr viele samenfeste Sorten vom Aussterben bedroht. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und Vielfalt zu fördern wird historisches Saatgut kostenlos verliehen. Nachhaltigere Sorten sind gegenüber hybridem Industrie-Saatgut weniger anfällig für Krankheiten und können sich selbstständig vermehren. Die Pflanzen schützen sich selbst und auf einen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kann weitgehend verzichtet werden. So trägt die pflanzliche Vielfalt auch dazu bei, dass auch die Artenvielfalt von Insekten erhalten wird.
Mona Speth, Die Fraktion/Stadträtin und Mitinitiatorin des Gemeinschaftsgarten am Brettenbach erklärt: "Alles fing mit einer Vision an, die Gärten in den öffentlichen Raum zu bringen. Weg vom Konsum, hin zum Selbstversorger. Unser Ziel ist es, dass mehr Menschen ihr eigenes Gemüse anbauen, alte Sortenschätze erhalten und das Wissen darüber zurückzuholen“.
Hanspeter Hauke,vom SPD Ortsverein Emmendingen und Stadtrat ist positiv gestimmt, dass es in Zukunft auch eine enge Kooperation mit den Schulen und Kindergärten geben könnte. Indem zum Beispiel von den Kindern selbst angepflanztes Gemüse beim Schulessen verwendet werden könnte oder einfach nur um den Kindern die Wichtigkeit dieses Projektes näher zu bringen. Er bedankte sich auch bei der großen Unterstützung des Bauhofes, in deren Initiative das Saatgutregal entstanden ist und bei Horst Lapschansky der die Pläne dazu erstellt hatte. Ebenso lobte er die Arbeit von Louis Helmle,der das passende Logo zum Projekt entwickelt hat.
„So manch ein Hobbygärtner hat ein spezifisches Wissen, dass er auch weitergeben kann. Hierzu können sich Interessierte ab dem 8.April 2022 jeden dritten Freitag im Monat von 17-18 Uhr zum „Stadtpflänzchen-Treff“im Schlosserzimmer zum Austausch treffen", so Maria Steinmetz-Hesselbach vom SPD Ortsverein Emmendingen.
„Ich bin begeistert von so viel Bürgerschaftlichem Engagement. Ergänzend zur Saatgut-Bibliothek gibt es hier bei uns in der Stadtbibliothek in Emmendingen die passenden Bücher, Ratgeber und Broschüren rund um das Thema :Aussaat, Pflege und Ernte. Ergänzt Christiane Grund, Leiterin der Stadtbibliothek.

Die verschiedenen Samensorten stehen abgepackt in kleinen Tütchen und sortiert im Regal zur Verfügung. Das Angebot können alle Emmendinger Bürger*innen nutzen. Ein Bibliotheksausweis ist nicht notwendig.
Also Stadtgärtner*innen aufgepasst: tauscht Saatgut miteinander und sorgt für mehr Biodiversität, rettet alte Sorten und fördert die Pflanzenvielfalt in unserer Stadt. Das Saatgutregal steht in den Räumen der Stadtbibliothek. Pro Person dürfen maximal 5.Tütchen ausgeliehen werden. So sind circa 21 Chillisorten,6 Tomatensorten und vieles mehr an alten Sorten erhältlich.
Aktuelle Infos sind unter „SaatgutBibliothek“ ab sofort auch auf der Homepage der Stadtbibliothek zu finden unter :https://www.emmendingen.de/bildung-betreuung/stadtbibliothek/aktuelles
Stadtpflänzchen - Eine Initiative des SPD-Ortsvereins Emmendingen und der Stadtbibliothek Emmendingen mit Unterstützung vom Bauhof Emmendingen, Gärtnerei Witt, „Die Fraktion“ und Bündnis 90/Die Grünen“


