Gezielte Maßnahmen im Untergrund
Rattenbekämpfung: Stadtwerke mit gezieltem Monitoring in der Kanalisation
Weil am Rhein. Wer kennt sie nicht? Die deutsche Sage "Der Rattenfänger von Hameln", in der ein geheimnisvoller Mann mit seinem Flötenspiel Ratten aus der Stadt lockt.

Die Stadtwerke um Ralf Schulte (l.) und Lukas Gillner überwachen das Weiler Kanalnetz und sorgen dabei auch für die Rattenbekämpfung. Das Exemplar auf dem Foto ist aus Plastik. Lebendige Nagetiere werden immer wieder auch überirdisch gesichtet
Dieser Methode bedienen sich die Stadtwerke nicht, um die Krankheitsüberträger zu bekämpfen. Vielmehr werden in der Kanalisation Giftköder ausgelegt. Dank eines speziellen Monitoring-Systems werden diese seit 2021 aber nur dort eingesetzt, wo sie auch einen Effekt erzielen.
Auch die Stadtwerke Weil am Rhein erhalten aus der Bevölkerung vermehrt Rückmeldung, die das Sichten einer oder mehrerer Ratten zum Thema haben. „Wir reagieren auf solche Hinweise schnell“, sagt Michael Kammerer, Technischer Werksleiter der Stadtwerke. Er macht dabei aber auch klar, dass sich der Verantwortungsbereich der Stadtwerke auf die Kanalisation begrenzt – unterirdisch also.
So sind alle Städte, Kommunen und Betreiber von abwassertechnischen Anlagen gesetzlich zur Rattenbekämpfung verpflichtet. Schließlich können Ratten gefährliche Krankheiten übertragen. Außerdem verursachen Ratten große Schäden an Gebäuden und Infrastruktur. In Deutschland leben laut Schätzungen zwischen 300 und 350 Millionen Ratten, was etwa drei bis vier Ratten pro Einwohner entspricht.
Warum ist das so? Es gibt ein Überangebot an Nahrung, das dazu beiträgt, dass sich Ratten sehr schnell vermehren. So werden beispielsweise Küchen- und Futterabfälle im Kanal entsorgt, Lebensmittel im Stadtgebiet weggeworfen oder Vögel in Parks oder Fische im Rhein gefüttert. Ratten freuen sich zudem über offene Kompostanlagen, drei zugängliches Haustierfutter oder auch Vogelhäuser, die auf Füßen stehen.
„Wir nutzen das Monitoring System, durch das wir ungefähr feststellen können, wo die Problemzonen sind. Wir verfügen über mehr als 100 solcher Boxen, die bei uns im Stadtgebiet zum Einsatz kommen. Diese Boxen und die entsprechende Überwachung des Kanalnetzes sorgen für einen schonenderen Umgang mit Giftködern. „Wir reduzieren den Gifteinsatz, was sich im Hinblick auf den Gewässer- und Umweltschutz natürlich positiv auswirkt.“ In der Vergangenheit waren Giftköder beispielsweise im Kanalnetz ausgelegt wurden, immer wieder wurden diese aber abgeschwemmt. Die Boxen verhindern dies.
Das belegen auch die Zahlen: Vor 2021 wurde etwa in jeden zweiten Schacht Gift (ein Riegel entsprach zirka 100 Gramm) eingesetzt. Bei 4000 Schächten insgesamt kam man auf rund 200 Kilogramm. Seit der Umstellung auf Rattenboxen und dem entsprechenden Monitoring wurden rund 18 Kilogramm Rattengift in die Boxen eingesetzt und rund zehn Kilogramm wieder ausgebaut.
Die Gesamtkosten für die Rattenbekämpfung im Weiler Kanalnetz beträgt rund 175.000 Euro. Darin enthalten sind die Beschaffung der Boxen und der Giftköder, deren Betrieb und Unterhalt.


