Brustkrebs-Vorsorge ins Zentrum gerückt
Mobiles Mammographie-Screening auf dem Rathausplatz: Mehr Teilnehmerinnen haben mitgemacht
Weil am Rhein. Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Je früher er erkannt wird, desto höher sind die Heilungschancen. Dazu wurde das Mammographie Screening-Programm schrittweise zwischen 2005 und 2009 in Deutschland eingeführt.

Mobiles Mammographie-Screening auf dem Weiler Rathausplatz: Das Thema Brustkrebsvorsorge wird mitten ins Zentrum gerückt
Um möglichst vielen Frauen eine regelmäßige Untersuchung zu ermöglichen, tourt das so genannte Mammobil durch Südbaden. In den vergangenen Wochen machte die mobile Röntgenstation Halt auf dem Rathausplatz in Weil am Rhein.
Die Praxis des Mammographie-Screenings Südbaden befindet sich in Freiburg. Dort – oder eben wohnortnah im Mammobil – kann die wichtige Röntgenuntersuchung der weiblichen Brust durchgeführt werden. Das Mammographie-Screening ist das einzige, nachgewiesen wirksame und qualitätsgesicherte Brustkrebsfrüherkennungsprogramm für alle Frauen zwischen 50 und 75 Jahren. Die Kosten dafür übernehmen die Krankenkassen.
Das Mammographie Screening Programm unterliegt einer strengen Qualitätskontrolle mit speziell ausgebildetem Personal sowie Ärztinnen und Ärzten. Die Untersuchung eignet sich - vor allem bei regelmäßiger Teilnahme - besonders zur Früherkennung, weil sie sehr kleine, nicht tastbare Tumore in einem frühen Stadium sichtbar machen kann.
Ziel des Programms ist es, Brustkrebs so früh zu entdecken, dass der Tumor noch klein ist und die Lymphknoten nicht befallen sind. In diesem Stadium bestehen gute Chancen auf eine günstige Prognose, schonendere Behandlung und darauf, vor einem Brustkrebstod bewahrt zu werden.
„Mit dem riesigen Truck auf dem Rathausplatz haben wir dieses Thema ins Zentrum gerückt. Man kam einfach nicht daran vorbei“, betont Oberbürgermeisterin Diana Stöcker. Neben der erhöhten Aufmerksamkeit spielten auch die gute Erreichbarkeit und die belebte Umgebung eine Rolle bei der Standortwahl.
„Der Standort ist sehr gut angekommen. Wir haben seitens der Teilnehmerinnen keinerlei Beschwerden erhalten und dürfen uns sogar über einen deutlichen Zuwachs an Teilnehmerinnen freuen“, erklärt Susanne Büttner, Programmverantwortliche Ärztin des Mammographie Screening Südbaden und Fachärztin für Radiologie, im Gespräch mit Stöcker.
Lediglich die Parksituation sei am früheren Standort teilweise günstiger empfunden worden. Geäußerte Befürchtungen, Frauen könnten sich schämen oder unwohl fühlen, weil sie sichtbar die Treppen zur mobilen Praxis hinaufsteigen, hätten sich nicht bestätigt.
Die Zahlen sprechen für sich: Mehr als 2.200 Frauen besuchten das Mammobil zwischen dem 12. Februar und dem 26. März. Das entspricht 46 Prozent der zuvor angeschriebenen Personen – ein deutlicher Anstieg gegenüber 41 Prozent im Jahr 2024. Auch der Anteil der Erstteilnehmerinnen stieg von 26 auf 31 Prozent. „Unter Berücksichtigung der erweiterten Teilnehmerinnenzahl sind unterm Strich 300 Frauen mehr gekommen als beim letzten Mal. Die Steigerung beträgt knapp fünf Prozent“, erläutert Peter Tontsch, Verwaltungsleiter des Mammographie-Screenings Südbaden und Diplom-Physiker.
„Die Werbewirkung ist doch großartig“, findet er. Je mehr Frauen teilnehmen, desto besser. Studien zeigen, dass unter den Frauen, die am Screening teilnahmen, die Brustkrebstodesfälle zwischen 20 und 30 Prozent zurückgingen. Damit kann jeder 4. Brustkrebstod in der anspruchsberechtigten Gruppe verhindert werden. Auf 1.000 Frauen werden sechs bis acht Karzinome entdeckt.
Pro Tag kümmern sich vier bis sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Mammobil um rund 70 bis 80 Teilnehmerinnen. Die Frauen erhalten mit der Einladung eine Informationsbroschüre, in der die Untersuchung und alle wichtigen Fragen erläutert werden. Bestünde darüber hinaus noch Bedarf für ein ärztliches Vorgespräch, könne dieses in der Praxis in Freiburg wahrgenommen werden. „Von 25.000 wünschen dies etwa zehn“, so Tontsch.
Bei einem auffälligen Befund finden die weiteren qualitätsgesicherten Untersuchungen und gegebenenfalls Probenentnahmen dann in den Räumen der Screening-Praxis in Freiburg statt.
Für das Screening im mit hochwertigen Röntgensystemen ausgestatteten Mobil seien die Teilnehmerinnen sehr dankbar, berichtet Büttner. „Frauen sparen sich so die einstündige Fahrt nach Freiburg für die kurze mammographische Untersuchung.“ Auch wegen der guten ÖPNV-Anbindung steht für sie fest: „Wir würden gerne an diesem Standort festhalten.“
Bei Oberbürgermeisterin Stöcker stößt sie damit auf offene Ohren: „Sie sind auf unserem Rathausplatz willkommen.“ In zwei Jahren wird Weil am Rhein erneut Standort des mobilen Mammographie-Screenings sein. Dann möglicherweise auch für Frauen zwischen 45 und 49 Jahren? Der Gemeinsame Bundesausschuss prüft derzeit, ob das Programm auf diese Altersgruppe ausgeweitet werden kann. Derzeit ist die Untersuchung für sie noch keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.
Seit dem 27. März steht das Mammobil übrigens noch bis zum 6. Mai in Efringen-Kirchen (beim Sportplatz), danach bis zum 23. Mai in Grenzach-Wyhlen, ehe es vom 8. bis 24. Juni in Neuenburg und vom 25. Juni bis 14. Juli in Bad Bellingen aufgestellt wird.


