Kehl testet Filtertechnik gegen PFAS
Wie lassen sich PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) zuverlässig aus dem Trinkwasser entfernen? Dieser Frage gehen die Technischen Dienste Kehl (TDK) gemeinsam mit einem auf Wasseraufbereitung spezialisierten Unternehmen nach. In einem Pilotprojekt im Wasserwerk wird getestet, wie zuverlässig eine Membranfilteranlage PFAS aus dem Kehler Trinkwasser herausfiltern kann.

Die Technischen Dienste Kehl testen, wie zuverlässig eine Membranfilteranlage PFAS aus dem Kehler Trinkwasser herausfiltern kann.
Wir nehmen das Thema sehr ernst und wollen vorausschauend die richtigen Weichen stellen“, versichert Heinrich von Spee von den Technischen Diensten Kehl.
PFAS sind synthetisch hergestellte Chemikalien, die sich in der Umwelt kaum abbauen. Daher werden sie häufig auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet. Seit Januar 2026 gelten verbindliche Grenzwerte für 20 relevante PFAS-Verbindungen, die unter dem Begriff PFAS-20 zusammengefasst werden. Von Januar 2028 an treten zusätzlich deutlich strengere Vorgaben für vier besonders kritische Stoffe, die sogenannten PFAS-4, in Kraft. Die gute Nachricht: Kehlerinnen und Kehler müssen sich keine Sorgen um die Qualität ihres Trinkwassers machen. Der Grenzwert für PFAS-20 wird eingehalten. Auch die Werte für PFAS-4 liegen bereits heute unterhalb der ab 2028 geltenden Vorgaben – wenn auch nur knapp. Die TDK prüfen deshalb verschiedene Möglichkeiten, um die hohe Qualität des Kehler Trinkwassers auch langfristig sicherzustellen.
Von 2028 an soll zunächst eine mobile Aktivkohlefilteranlage eingesetzt werden. Parallel dazu prüfen die TDK weitere Verfahren. „Es ist wichtig, verschiedene Verfahrenstechniken kennenzulernen“, sagt Heinrich von Spee. Die TDK gehen dabei technologieoffen vor: Neben der bewährten Filterung mit Aktivkohle könnte sich auch die derzeit getestete Membranfiltertechnik als geeignet erweisen. Das Pilotprojekt soll zeigen, wie zuverlässig das Verfahren unter den spezifischen Bedingungen des Kehler Wassers arbeitet.
Die Anlage verfügt über zwei Filterstufen. Zunächst werden durch die sogenannte Ultrafiltration ungelöste Feststoffe aus dem Wasser entfernt. Dafür wird es durch eine poröse Membran mit einer Porengröße im unteren zweistelligen Nanobereich geleitet. Selbst für Viren und Bakterien ist hier kein Durchkommen. Anschließend folgt die Nanofiltration, bei der wasserlösliche Stoffe abgetrennt werden. Die Oberfläche der dabei eingesetzten Membran ist negativ geladen. Weil dies auch auf die meisten PFAS-Verbindungen zutrifft, werden diese abgestoßen und zurückgehalten. Gerade bei den künftig besonders streng regulierten PFAS-4 verspricht das Verfahren eine hohe Filterleistung.
Etwa 90 Prozent des behandelten Wassers verlassen die Pilotanlage als Reinwasser. PFAS sind mit aktueller Messtechnik nicht mehr nachweisbar. Ein weiterer Vorteil der Membranfiltration besteht darin, dass das Wasser gleichzeitig enthärtet werden kann. Die übrigen zehn Prozent bilden ein Konzentrat, in dem sich die zurückgehaltenen Stoffe befinden. Die Ewigkeitschemikalien können anschließend zum Beispiel mit Hilfe von Pulveraktivkohle entfernt werden, indem sie sich an ihrer Oberfläche binden. Die belastete Aktivkohle wird dann bei rund 1400 Grad Celsius verbrannt.
Ob das Verfahren auch mit dem Kehler Wasser die erhofften Ergebnisse erzielt, wird sich nach Abschluss des Pilotprojekts zeigen. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten auch in die Planungen für ein neues Kehler Wasserwerk einfließen. Dieses wird notwendig, weil die Kapazitäten der bestehenden Anlage langfristig nicht mehr ausreichen werden. Die Kehler Bevölkerung wächst schneller, als beim Bau des heutigen Werks erwartet wurde. „Wir prüfen deshalb bereits jetzt verschiedene Aufbereitungsverfahren, um die Kehler Trinkwasserversorgung und -qualität auch in Zukunft zuverlässig sicherzustellen“, erklärt Heinrich von Spee.


