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Nachrichten aus Emmendingen

„Geh-danken! – Wohin wir kommen, wenn wir die Dankbarkeit neu überdenken“ – Gelungener Neujahrsempfang in Herbolzheim

Der ehemalige Pfarrer Wigbert Steinger erhält die Ehrenbürgerwürde

Herbolzheim ist bekannt für besondere, spezielle Veranstaltungen – auch beim Neujahrsempfang am Freitagabend im Bürgerhaus von Tutschfelden mit über 300 Gästen wurde viel geboten. Und dieser Empfang, zu dem Bürgermeister Thomas Gedemer begrüßte, war eine bunte Abfolge verschiedener Programmpunkte, kurzweilig und voll gespickt mit Auftritten, Ehrungen, Musik, Aus- und Rückblicken, neuen Ideen und Grußworten.

Die besondere Verleihung des Ehrenbürgerrechts ging beim Neujahrsempfang an Wigbert Steinger.

Das Motto: „Geh-danken! – Wohin wir kommen, wenn wir die Dankbarkeit neu überdenken“. Musikalisch eröffnete der Musikverein Bleichheim mit „Mountain wind“ und dem Premiere-Auftritt vom neuen Dirigenten Rainer Sachs.

Bürgermeister Thomas Gedemer ging auf die zurückliegenden Jahre mit Krisen, Krieg, Pandemie ein. „Die Krisenzeit ist meines Erachtens auch eine Zeit, tiefer über unser Leben und Zusammenleben nachzudenken. Dabei nicht nur den Blick auf das zu richten, wo es klemmt, was schwierig ist, was nicht läuft.“ Man lebe hier auf der Sonnenseite und dabei lohne der dankbare Blick in das Umfeld. Dankbarkeit sei Denkarbeit. Gedemer dankte Gemeinderat und Ortsvorstehern und Ortschaftsräten, weil man im zurückliegenden Jahr viel miteinander bewegt habe: Für rund 10 Millionen Euro die beginnende Sanierung der Kläranlage; Medienentwicklungsplan und Digitalisierung an der Emil-Dörle-Schule für rund zwei Millionen Euro; die Planung für den Neubau des Rettungszentrums und mehr. Es sei oft die Wahrnehmung, dass viele Gespräche und Begegnungen häufig vom Negativen geprägt seien, obwohl es doch so viel Positives gibt – das allerdings oft als selbstverständlich hingenommen werde.

Am Neujahrsempfang rief Bürgermeister Gedemer die „Initiative zur Förderung bürgerschaftlichen Engagements“ ins Leben, vertreten durch dieses Symbol.

Ehrungen
Die gebürtige Ukrainerin Iryna Dieterle aus Broggingen fungiert als Netzwerkerin zwischen verschiedenen Kooperationspartnern und Geflüchteten. Sie agiert als Übersetzerin und Sprachrohr für die Geflüchteten, vermittelt Sprach-, Wohnungs- und Betreuungsangebot. Über 20 Privatwohnungen seinen in Herbolzheim an 120 Geflüchtete vermittelt worden, Frauencafé, Benefizkonzert, Kinderbetreuung und ein Spendenkonto gibt es. „Iryna Dieterle ist ein Gewinn für uns“, so der Bürgermeister. Sie wurde seitens der Stadt beim Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz 2022 – gegen Extremismus und Gewalt“ vorgeschlagen und nominiert und begeisterte die Jury durch ihre Praxisnähe, Einfallsreichtum und Engagement. Mit der Auszeichnung ist ein Preisgeld von 2.000 Euro verbunden.

Bürgermedaille

Zwei Männer wurden im Rahmen des Neujahrsempfangs mit der Bürgermedaille geehrt. Willi Thomann aus Wagenstadt, Seniorchef vom „Rebstock“. Willi Thomann hat mehr als die Hälfte der 112-jährigen Geschichte des Musikvereins Wagenstadt miterlebt und mitgeprägt. Neben 60 Jahren aktive Musiktätigkeit, war Thomann zwei Jahre Schriftführer und 20 Jahre zweiter Vorsitzender, danach vier Jahre Beisitzer. Des Weiteren Gründungsmitglied der Tanzmusikabteilung und mehr als drei Jahrzehnte deren musikalischer Leiter. Ebenso war Thomann langjähriger Vize-Dirigent, weitere vier Jahre Narrenrat bei den Wagenstadter Pflüme.

Eine weitere Bürgermedaille ging an Alfred Glöckle aus Bleichheim, der seit 74 Jahren aktiver Musiker des Musikvereins Bleichheim ist. 1950 wurde Glöckle zum Vereinsdiener bestellt, zehn Jahre später zum aktiven Beisitzer bis 1990. Bürgermeister Gedemer bezeichnete Glöckle als zentrale Person beim Auf- und Abbau des Bleichheimer Dorffestes, er sei Mitglied in den Festausschüssen der Jubiläumsfeste gewesen und von 1958 bis 1987 Theaterspieler und Regisseur. Von 1974 bis 1989 war Glöckle Mitglied des Ortschaftsrates, ab 1984 stellvertretender Ortsvorsteher. „Sie haben es sich mehr als verdient, heute geehrt zu werden.“

Ehrenbürgerwürde

„Wenn ein Mann ganz genau die Hälfte seines Lebens – er ist heute 86 Jahre alt – sich mit Leib und Seele, mit Hingabe und Leidenschaft für die Bürger von Herbolzheim engagiert, dann ist das eine besondere Würdigung wert“, betonte Gedemer. Wigbert Steinger, ehemaliger Pfarrer erhielt diese besondere Ehrung. Am 1. April 1964 wurde Steinger als Vikar von Bötzingen nach Herbolzheim versetzt. Dann wirkte Steinger von April 1970 bis September 2008 als Pfarrer in Herbolzheim. Generationen von Kindern habe er getauft, Paare getraut und unzählige Menschen zum Sterben begleitet und beerdigt. Legendär seine bis heute die Zeltlager und Wanderungen mit Pfarrer Steinger. Am 3. Juni 1962 erfolgte im Freiburger Münster die Priesterweihe. Steinger, so führte der Bürgermeister weiter aus, wurde zum Initiator der heutigen Sozialstation. Er habe nie auf Probleme gestarrt, sondern Lösungen gesucht. Hinzu kam der Religionsunterricht in Herbolzheim, am Gymnasium in Kenzingen und als Schuldekan. „Dieser kurze Blick in das Leben und Wirken von Wigbert Steingert macht mehr als deutlich, dass hier ein Name aufs Engste mit unserer Stadt verbunden ist“, so Gedemer. Dennoch habe er versprechen müssen, keine Straße nach dem Geehrten zu benennen. Steinger selbst dankte und hinterfragte, was denn ein Pfarrer ohne seine Gemeinde sei. Zu guten Zeiten habe er in Herbolzheim 99 Ministranten gehabt. Er spendete eine Tischtennisplatte für den Außenbereich der Emil-Dörle-Schule als Dank für die Ehrung.

Brassomania spielte dann für die Geehrten, Grund dafür, dass Volker Glöckle, Sohn des geehrten Alfred Glöckle seinen Vater überraschen wollte.

Bürgermeister Thomas Gedemer durfte ganz besondere Ehrungen im Rahmen des Neujahrsempfangs vornehmen, neben ihm v.l. Willi Thomann, Wigbert Steinger und Alfred Glöckle.

Gala der Herbolzheimer Talente

Durch die Coronapause gab es keine Sportlerehrungen, diese Tradition soll im Herbst wieder aufleben und zwar in erweitertem Stil mit im Oktober der „Gala der Herbolzheimer Talente“. Zwei Vereinsjubiläen stehen in diesem Jahr ebenso an: 75 Jahre VdK am 24. Juni und 100 Jahre Radsportverein mit einem Radrennen in der Innenstadt. Hier gab es einen Appetitanreger mit Jan Welte und seiner Fahrrad Akrobatik, der auf der Weltrangliste auf Platz 31 steht.

Unter dem Motto „Herbolzheim sagt danke“ wird in diesem Jahr eine Initiative gestartet, die den Fokus verstärkt auf das Gute, das Gelingende wirft. Auf alle, die sich einbringen, ehrenamtlich engagieren, auf die „verborgenen Helden des Alltags“. Mit einem Überraschungsbesuch und einem kleinen Präsent wolle man deutlich machen, „wovon unser gesellschaftliches Zusammenleben tagtäglich lebt, wir wollen in Herbolzheim zeigen, dass wir dankbar sind und dies nicht selbstverständlich ansehen“, so Gedemer weiter. Bei dieser Initiative zur Förderung bürgerschaftlichen Engagements können Menschen vorgeschlagen werden, die nach eigener Einschätzung als „ehrenamtliche Helden im Alltag“ wirken. Einreichen kann man seine Vorschläge bei der Stabstele für Fördermittel, Fundraising und Bürgerschaftliches Engagement im Rathaus bei Kai Bölstler.

Die Projektleiterin „Starke Kinder durch starke Eltern“, Christina Nielsen konnte im Rahmen des Neujahrsempfangs auch Zertifikate der einjährigen Ausbildung als Elternberater, ausgeben.

Zertifikate für Elternberater
Ausgezeichnet mit Zertifikaten wurden durch die Projektleiterin „Starke Kinder durch starke Eltern“, Christina Nielsen, nach einjähriger Ausbildung als Elternberater, einige der Anwesenden. Mit dem mit 600.000 Euro geförderten Projekt soll die Familienzusammenarbeit gestärkt werden. Der Brückenschlag von den Erziehern zu den Eltern soll dem Wohle der Kinder dienen. Hierzu wird ein Skulpturenweg angelegt, gefertigt von den Eltern und Kindern aus allen frühkindlichen Bildungseinrichtungen der Stadt Herbolzheim. Als Elternberater wurden ausgezeichnet: Katja Merettig (ev. Kindergarten Herbolzheim), Manuela Jedele (Leitung kath. Kindergarten Herbolzheim), Silke Schmid (Kita am Fliederweg), Lisa Renkenberger (Kita am Fliederweg), Sarah Langer (Leitung Glühwürmchen), Michaela Hohwieler (Leitung Fliederweg), Angela Napoleone (stellv. Leitung Kindergarten Wagenstadt), Philip Studer (Projektteam Starke Kinder durch starke Eltern), Lisa Biegert (Leitung Waldkindergarten Wagenstadt).

Iryna Dieterle überzeugte die Jury beim Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz 2022 – gegen Extremismus und Gewalt“ und bekam neben der Auszeichnung auch ein Preisgeld mit 2.000 Euro.

Aufgaben für das Amt des Bürgermeisters
Symbolisch stehe die Bauphase in der Kita am Fliederweg für die Aufgaben für das Amt des Bürgermeisters. Viele, sehr viele Stränge, so Gedemer, laufen hier zusammen. Es gebe kaum einen anderen Beruf, in dem die Themenvielfalt so groß ist, „ich lerne täglich Neues dazu.“ Für ihn sein der Beruf des Bürgermeisters ein Traumberuf. Für das anstehende Jahr soll das Thema Trinkwasser weiter vorangebracht werden; das Mobilitätskonzept; Sanierung und Erweiterung der Grundschule Wagenstadt und der Neubau der Halle in Bleichheim. Zwei Spielplätze werden erneuert, in der Maria-Sand-Straße und im Entennest. Rund 86.600 Euro konnten durch Spenden zusätzlich in der Maria-sand-Straße investiert werden. „Wir versuchen im kommenden Jahr über 100.000 Euro zu kommen, vor allem durch die neugeschaffene Stabstelle „Fundraising, Fördermittel und bürgerschaftliches Engagement“.

Auftritte von Joshua Spang vom Cirkus Paletti und Enna Ernst mit Alexander Pedell, den beiden Rollkunstläufern zu „Grease auf Rollen“ waren ebenso bunter Bestandteil des mehrstündigen Abends. Videogrüße aus Brilon und Morawica fehlten ebenso wenig, wie die des Bürgermeisterstellvertreters Clemens Schätzle und von Bürgermeisterkollegin und „Chefin“ des Sprengels Hannelore Reinbold-Mench. Und dann ging es zu gemütlichen Gesprächen zum Sektempfang.

MV Bleichheim: Musikalischer Auftakt des Neujahrsempfangs mit dem Musikverein Bleicheim und der Premiere des neuen Dirigenten Rainer Sachs.

Musikalischer Auftakt des Neujahrsempfangs mit dem Musikverein Bleicheim und der Premiere des neuen Dirigenten Rainer Sachs.

Text/Fotos: HSB

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