Zum Hauptinhalt springen
Nachrichten aus Kunst & Kultur

Gesichter der Schwarzwälder Uhren

Sonderausstellung „Der Schildmaler“ im Kloster-Museum St. Märgen würdigt Künstler im Schatten ihrer Zeit

Die Macher der jetzt in St. Märgen eröffneten Sonderausstellung „Der Schildmaler“ (von rechts): Matthias Hüttlin, Kurator und Restaurator im Deutschen Uhrenmuseum Furtwangen, sowie Josef Saier, Uhrenexperte und Mitglied im Förderverein Kloster-Museum St. Märgen.

Gerd Lache

Eine neue, fesselnde Sonderausstellung im Kloster-Museum St. Märgen wirft ein Licht auf jene stillen Meister, deren kunstvolle Hand den Schwarzwälder Uhren ihr unverwechselbares Gesicht gab: die Schildmaler. Vom 18. Mai 2025 bis zum 11. Januar 2026 lädt das Museum zu einer Zeitreise ein, die nicht nur die Geschichte der Uhren, sondern auch ein Stück Seele des Schwarzwaldes offenbart.

Zur Vernissage am 18. Mai 2025 begrüßte Bürgermeister Manfred Kreutz im repräsentativen Kapitelsaal rund 100 Gäste, darunter Kunst- und Uhrenfreunde. Die Sonderausstellung „Der Schildmaler“ würdigt die Schildmalerei als kulturelles Erbe des uhrenmachenden Schwarzwaldes. Zünftig in historischer Tracht ließen Melissa Schwär und der Uhren-Gedichte rezitierende Eduard Ebner die Tradition aufleben. Stefanie Saier begleitete die Eröffnung musikalisch auf dem Akkordeon.

Das Konzept der Ausstellung wurde maßgeblich von Matthias Hüttlin entwickelt. Der Diplomrestaurator (FH) am Deutschen Uhrenmuseum in Furtwangen hat privat eine so umfangreiche Sammlung von Schildmaleruhren, dass damit locker eine Ausstellung bestückt werden kann. Von den besonderen Exponaten begeistert war Josef Saier, Uhrenexperte und Mitglied im Förderverein des Kloster-Museums St. Märgen. Vor knapp einem Jahr brachten die beiden „Zeit-Liebhaber“ das Projekt mit Nachdruck ins Laufen.

Erläutert bei der Vernissage das Konzept der Sonderausstellung „Der Schildmaler“ im Kloster-Museum Sankt Märgen: Matthias Hüttlin, Kurator und Restaurator des Deutschen Uhrenmuseums Furtwangen.

Gerd Lache

Hüttlin schrieb das Buch zur Ausstellung und stellte die Exponate zusammen. Saier klärte die Räumlichkeiten im Kloster-Museum. Die Zusammenarbeit zwischen Hüttlin und Saier sowie dem ehrenamtlichen Museumsteam, der Gemeindeverwaltung, Leihgebern, Restauratoren, Archiven sowie Unterstützern für Flyer, Plakate und Druck machte die Ausstellung erst möglich. Die Wände der Ausstellung tragen zur Nachhaltigkeit bei, da sie zu zwei Dritteln aus Abbruchmaterial des derzeit in der Sanierung befindlichen Deutschen Uhrenmuseums Furtwangen bestehen.

Die Ausstellung „Der Schildmaler“ beleuchtet die Entwicklungsgeschichte und Technik der Schwarzwälder Uhrenschilde. Hüttlin zitierte in seiner Eröffnungsrede den Lehrer der Technologie und Mathematik in Frankfurt am Main, Adolph Poppe. Dieser führte bereits 1840 über die Aufgabe des Schildmalers aus: Er bezieht vom Brettmacher das Uhrenschild, überzieht es mit einer blendend weißen Grundfarbe, fügt Ziffern hinzu und bemalt den Rest mit Blumen und Zierrat. Das bemalte Holzschild verzierte die Schwarzwälder Uhr, die im 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts eine hölzerne Wanduhr war.

In den Führungen durch die Ausstellung gaben sowohl Matthias Hüttlin als auch Josef Saier tiefe Einblicke in die Welt der Schildmalerei. Die Ausstellung gliedert sich in vier Bereiche: Raum 1 behandelt die Anfänge. Ursprünglich bemalten die Uhrmacher die Schilde selbst, bis ab etwa 1740 die Arbeitsteilung begann. Die Entwicklung der Schildmalerei ist in Raum 2 zu sehen. Um 1810 wurde das Zifferblatt oft gewölbt (Bombierung), um edle Materialien oder französische Schilder zu imitieren.

Bis auf den letzten Platz belegt war der Kapitelsaal bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Der Schildmaler“ im Kloster-Museum Sankt Märgen.

Gerd Lache

Später, um 1840, wurden die Schilde wieder flach, und neue Techniken wie Abziehbilder und Litografien kamen auf. Raum 3 thematisiert die Einflussfaktoren. Besonders wichtig waren die Handelsländer, da sich die Motive und Größen dem Geschmack der Kundschaft anpassten. Raum 4 schließlich widmet sich bedeutenden Schildmalern.

Die Ausstellung zeigt 114 Uhren und Uhrenschilde, davon 51 signierte Exemplare. Die Motive reichen von Blumen und Ornamenten bis hin zu Personen, Tieren, Jagdszenen, Landschaften oder Stadtansichten.

Wenngleich in der Literatur oft unterrepräsentiert, gab es auch Schildmalerinnen. Namen wie Maria Faller werden genannt. Frauen führten häufig das Geschäft nach dem Tod ihres Mannes weiter, wie das Beispiel von Anton Rombach Witwe zeigt.

Mit dem Aufkommen der Lithografie und anderer Drucktechniken um 1850 wurde die Produktion schneller und günstiger, was ironischer weise dazu führte, dass sich die Hand-Schildmaler in gewisser Weise selbst „abschafften“. Doch die Tradition lebt fort.

Die Sonderausstellung „Der Schildmaler“ im Kloster-Museum St. Märgen kann zu folgenden Öffnungszeiten besucht werden: Ganzjährig an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 16 Uhr; zusätzlich zwischen 1. April und 15. November mittwochs und donnerstags von 10 bis 13 Uhr und freitags von 14 bis 17 Uhr. Jeden ersten Sonntag im Monat ab 14 Uhr wird Matthias Hüttlin oder Josef Saier durch die Sonderausstellung führen.

Ein 6-minütiger Video-Podcast von der Eröffnung der Sonderausstellung

Text/Bild: Gerd Lache

Auch interessant:

Anzeige

Anzeige