Farben, Worte, Aufbruch- Hermann Hesse neu entdeckt
Hermann Hesse – Bereit zum Aufbruch - Eine Ausstellung über den Dichter als Maler in der Kunsthalle Messmer

v.l.n.r.: Lea Qin Messmer, Nathalie Reisert, Yvonne Alvarez, Jürgen A. Messmer und Dr. Friedhelm Häring
Wenn sich Literatur und Malerei begegnen, entsteht ein neuer Blick auf einen der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Mit der Ausstellung „Bereit zum Aufbruch“ zeigt die Kunsthalle Messmer vom 21. März bis 11. Oktober 2026 eine moderne, vielschichtige Annäherung an Hermann Hesse und rückt dabei eine Seite in den Fokus, die oft im Schatten seines literarischen Ruhms steht: Hesse als Maler.
In Zusammenarbeit mit der Kunststiftung der Sparkasse Pforzheim Calw ist eine Ausstellung entstanden, die Hesses künstlerische Identität neu denkt, nicht als Ergänzung, sondern als gleichwertige Ausdrucksform neben seinem Schreiben. Denn Hesse war mehr als der Autor weltbekannter Werke wie Siddhartha, Der Steppenwolf, Narziß und Goldmund oder Das Glasperlenspiel.

Hermann Hesse, Dichter, Maler und Nobelpreisträger in der Ausstellung „Bereit zum Aufbruch“
Suche. Rund 130 Werke und Dokumente eröffnen einen intensiven Zugang zu diesem weniger bekannten Kosmos: leuchtende Aquarelle, feine Federzeichnungen, persönliche Briefe, Gedichtmanuskripte und Fotografien. Es ist kein klassischer Ausstellungsrundgang, sondern vielmehr eine Reise durch Hesses Innenwelt. Worte und Bilder greifen ineinander, spiegeln sich, widersprechen sich und erzählen gemeinsam von Aufbruch, Krise, Neubeginn.
Besonders eindrücklich wird diese Verbindung in den farbintensiven Landschaften, die stark von Hesses Wahlheimat im Tessin geprägt sind. Nach seinem Umzug nach Montagnola im Jahr 1919 beginnt eine Phase künstlerischer Verdichtung: Licht, Natur und Weite werden zu zentralen Motiven. Seine Bilder wirken dabei fast wie visuelle Gedichte, reduziert, klar und zugleich voller Sehnsucht nach Harmonie und innerer Balance. Doch der Weg dorthin war kein geradliniger. In seinen Jahren in Bern, geprägt von persönlichen Krisen, fand Hesse über die Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse, unter anderem im Umfeld von Carl Gustav Jung zur Malerei. Was als Therapie begann, entwickelte sich zu einer eigenständigen künstlerischen Sprache. Seine frühen Arbeiten zeigen Selbstporträts und Traumbilder – Ausdruck einer intensiven inneren Auseinandersetzung.

Auch Begegnungen mit Künstlern wie Louis Moilliet, Cuno Amiet und August Macke hinterließen Spuren in seinem Werk. Ihre Einflüsse sind sichtbar, doch Hesse entwickelt schnell eine eigene Handschrift: intuitiv, farbkräftig und getragen von einer fast meditativen Ruhe. Ein besonderer Resonanzraum für sein Denken war der Monte Verità – ein Ort, der wie kaum ein anderer für alternative Lebensentwürfe und geistige Freiheit steht. Hier trafen sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts Künstler, Visionäre und Aussteiger auf der Suche nach einem anderen, bewussteren Leben. Diese Ideen finden sich auch in Hesses Werk wieder: die Sehnsucht nach Authentizität, nach einem Leben jenseits gesellschaftlicher Konventionen.
Die Ausstellung übersetzt diese Themen in eine zeitgemäße Inszenierung. Zitate aus Hesses Texten durchziehen die Räume, verbinden sich mit seinen Bildern und schaffen so eine dichte, atmosphärische Erfahrung. Es geht nicht nur darum, Hesse zu sehen oder zu lesen, sondern ihn zu spüren.














