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Nachrichten aus Kunst & Kultur

Schnapsideen würdigen 300 Jahre Brennrecht

Im Rahmen der Heimattage Baden-Württemberg findet in Oberkirch auch das künstlerische Experiment „Schnapsideen. Kunst trifft Brennkunst“ statt. Es ehrt 300 Jahre Brennrecht in Oberkirch. Die erste Ausstellung „Früchtchen“ von Rainer Braxmaier wurde am Sonntag in der Brennerei Benz in Bottenau eröffnet.

Früchtchen von Rainer Braxmaier sind derzeit in der Brennerei Benz‘ Edle Früchtchen zu sehen, v.l. Pit Klein, Rainer Braxmaier und Franz Benz.

Susanne Wagner-Köppel

Oberkirch als „Hauptstadt der Kleinbrenner“ hat heute noch 700 Brennereibetriebe im Stadtgebiet, schilderte Franz Benz in seiner Begrüßung. Der Fürstbischof von Straßburg erlaubte einst den Bauern, die Kirsche zu destillieren. Auch damals ging es schon ums Geld, nämlich um die Steuern, mit welchen die Destillate belegt waren. „Wir fangen die Aromen der Region ein“, so Benz. Und diese Aromen werden letztlich durch den Brennvorgang extrahiert und in Flaschen abgefüllt. Franz Benz wird auch der „Parfumeur von Bottenau“ genannt, weil er bei Verkostungen die Edelbrände aus Flacons in Gläser sprüht und diese mit der Nase aufgespürt werden. So lassen sich leicht 20 Destillate probieren, erklärt der Experte.

„Wer mit Händen, Kopf und Herz arbeitet, ist ein Künstler“, leitete der Hausherr über zur Oberkircher Künstlerkolonie, der auch Rainer Braxmaier angehört. Eigens für diese Ausstellung, die noch bis zum 10. Mai bei Benz‘ Edle Früchtchen zu sehen ist, schuf der Künstler verschiedene kleinformatige Malereien, die sich gut in den Verkostungsraum der Brennerei integrieren. Kirschen, Erdbeeren, Birnen, Pflaumen, Äpfel, aber auch Kelche nebst Fruchtgestalten oder Stillleben zieren die Wände des heimeligen Raums. Den Betrachter überrascht dabei, dass sich eine Banane in die „Schnapsideen“ geschmuggelt hat. Das ist wohl der künstlerischen Freiheit geschuldet. So sieht Rainer Braxmaier den ganzen Raum als ein Kunstwerk.

Wie dies entstanden ist, schilderte mit launigen Worten der Rundfunk-Journalist Pit Klein. So stellte er sich zunächst die Frage: Wie malt man Schnaps, wenn er Geist heißt, zum Beispiel Himbeergeist. Wie wenn es Wasser heißt, Zwetschgenwasser. Der Künstler könne die Flasche mit Etikett malen und die Frucht dazu, damit dem Betrachter die Schnapsidee vermittelt werden kann. Und dann noch die zauberhaften Gläser des Brenners Franz Benz, „dann sieht das Auge und riecht die Nase.“

Über die Brennkunst informierte Franz Benz die interessierten Gäste nebenan in der Brennerei.

Zur Finissage am 10. Mai wird Rainer Braxmaier von 15 bis 18 Uhr Schnapsideen malen. Franz Benz haucht Branntwein-Geist ein bei einer Verkostung mit Duftflacons. Am Sonntag, 19. April ist Franz Benz zwischen 11.30 und 14.30 Uhr bei einem Treffen des Porscheclubs Baden-Baden in der Rebberghalle Bottenau vertreten, auch mit Arbeiten des Künstlers. Im weiteren Verlauf der Heimattage Baden-Württemberg stellen weitere Repräsentanten der Künstlerkolonie Oberkirch aus, so Manfred Grommelt in der Schwarzwaldbrennerei Koebelesberghof, Rainer Nepita in der Brennerei Halter, Edelbrände und Liköre in Ödsbach, Svenja Bohnert in der Brennerei Grüner Baum in Ödsbach sowie Gabi Streile und Werner Schmidt im Stammhaus der Feingeistbrennerei Fies in Ringelbach. Die Ausstellungen sind zum Teil begleitet durch Aktionen wie Malworkshop oder Obstmalkurs für kleine Künstler.

Text/Bild: Susanne Wagner-Köppel

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