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Nachrichten aus Vereine im Blick

Die Bahnhofsmission in Freiburg

Wir sind Anlaufstelle und Schutzraum

Die Bahnhofsmission ist oft die erste Anlaufstelle und manchmal auch die letzte Hoffnung für Menschen, die Hilfe brauchen. Die Gründe dafür sind so vielfältig wie die Menschen, die sich an uns wenden: Reisende, die bestohlen wurden. Menschen mit Suchtproblemen. 

Frauen, die mit ihren Kindern vor häuslicher Gewalt  fliehen. Menschen ohne festen Wohnsitz oder auf der Flucht…
Unsere Räume bieten diesen Hilfesuchenden einen ersten Schutzraum. Die Anwesenheit eines Menschen, der ihnen beisteht, gibt unseren Gästen Ruhe, Trost und Zuversicht. In vertraulichen Gesprächen erfassen wir die konkrete Situation.

Je nach Bedarf unterstützen wir anschließend mit konkreten Hilfestellungen vor Ort oder mit einer Weitervermittlung an passende Fachstellen.

Die Bahnhofsmission heißt jeden Menschen willkommen.

Wir sind gerne Gastgeber*innen und Gesprächspartner*innen. Unsere Räume sind offen – wir verlangen keine Erklärung und stellen keine Bedingungen. Wer möchte, kann sich bei uns ausruhen, aufwärmen oder einfach Wartezeit überbrücken. Manche wollen sich austauschen und suchen das Gespräch, andere freuen sich über ein stilles Plätzchen. Eine heiße Tasse Tee wärmt, ein Glas Wasser erfrischt. Beides gibt es jederzeit kostenfrei. Für einen kleinen Kostenbeitrag bekommen Gäste eine Tasse Kaffee. Marmeladen- und Schmalzbrote dienen als Notversorgung.

Viele unserer Gäste besuchen uns häufiger. Meist sind es Menschen, die mit dem Nötigsten auskommen müssen, die unter Armut, Einsamkeit oder Wohnungsnot leiden. Viele von ihnen leben mit einer dauerhaften Erkrankung, sind psychisch, körperlich oder von Sucht gezeichnet. Sie kommen in die Bahnhofsmission, um ihre Sorgen zu teilen. Sie schöpfen Kraft aus Gesprächen und Gemeinschaft. Oft leisten wir Beratung und praktische Hilfe, damit
Menschen ihre Lebenssituation ordnen können und Lösungen finden.

Auch für viele kleinen Fragen und Nöte des Alltags sind wir da:
Wo finde ich das Fundbüro? Wo versteckt sich der Eingang zum Parkhaus? Dürfte ich Ihr Telefon nutzen? Oder kann ich bei Ihnen mein Handy laden? Oft ist schnelle Hilfe gefragt – zum Beispiel ein Pflaster oder eine warme Jacke aus unserem „Notschrank“. Und gerade in der kalten Jahreszeit ist die Frage brisant: Wo finde ich kurzfristig einen Schlafplatz für heute Nacht?

Menschen am Bahnhof

Am Freiburger Hauptbahnhof begegnen sich Menschen: Reisende kommen an oder nehmen Abschied, Pendler*innen beginnen den Arbeitstag, Kund*innen bummeln durch die Geschäfte. Urlaube und Ausflüge beginnen hier, aber auch neue Lebensabschnitte.

Gleichzeitig ist der Bahnhof immer auch ein sozialer Brennpunkt. Hier werden gesellschaftliche Entwicklungen frühzeitig und unmittelbar erlebbar. Menschen jeden Alters, aus allen Kulturkreisen und gesellschaftlichen Milieus suchen Zuflucht, Orientierung oder einfach „nur“ ein freundliches Gesicht und eine helfende Hand.

Für all diese Menschen engagiert sich die Bahnhofsmission mit ihren ehrenamtlichen Helfer*innen. Seit 1903 stehen wir hier Bedürftigen, Ortsfremden oder am Bahnhof gestrandeten Menschen zur Seite. Wir reagieren auf den dringenden Bedarf und die Notlagen der Menschen. Dabei sind wir nicht auf eine bestimmte Zielgruppe festgelegt. Wir sind für alle da, die uns brauchen. Wir packen dort an, wo es nötig ist – schnell, unbürokratisch und unentgeltlich. Damit dies gelingt, sind wir kommunal gut vernetzt und arbeiten mit anderen Akteur*innen zusammen.

Fakten
Not- und Krisensituationen entstehen auch dann, wenn Einrichtungen und Behörden geschlossen sind. Wir sind deshalb an 7 Tagen in der Woche über 70 Stunden vor Ort.

Nur an wenigen Orten in Gesellschaft oder Kirche treffen so unterschiedliche Menschen aufeinander wie bei der Bahnhofsmission. Oft finden diese Begegnungen in Extrem- oder Ausnahmesituationen statt. Gerade in existenziellen Notlagen haben unsere Gäste Fragen – etwa in der Angst, bei Frost die Nacht im Freien verbringen zu müssen, oder beim Verlust eines drogensüchtigen Freundes. Fragen, auf die Menschen keine einfache Antwort geben können – auch wir nicht. In seelsorglichen Gesprächen erfahren unsere Gäste aber Anteilnahme und Hoffnung. Und auch wir gewinnen dabei häufig einen neuen Blick auf das Leben.

In unserem ökumenischen Gebetsangebot am Mittwoch begegnen sich Mitarbeiter*innen und Gäste auf Augenhöhe. Biblische Texte sprechen Fragen nach der eigenen Würde, nach Gerechtigkeit, Schuld und Vergebung an. Themen, die jeden Menschen betreffen, egal welcher Herkunft und mit welcher Geschichte. Im Gedankenaustausch erleben unsere Gäste ein gelingendes Miteinander. Sie schöpfen Mut und fühlen sich gestärkt.
Im Lauf des Kirchenjahres gestalten wir weitere Angebote, wie etwa die Abendlesungen im Advent. Hier tragen Mitarbeitende, Gäste und Unterstützer*innen der Bahnhofsmission weihnachtliche Geschichten vor. Bei Kerzenlicht, Weihnachtsgebäck und heißem Tee entsteht so jeden Abend eine andächtige, gemütliche Atmosphäre.

Die Treppe zum Bahnsteig, der Einstieg in den Zug oder fehlende Ortskenntnis – all das ist für Menschen mit Orientierungsproblemen, Geh- oder Sehbehinderung nicht ohne Hilfe zu bewältigen. Besonders im Alter wird das Reisen zunehmend zu einer Herausforderung. Hier unterstützen wir gerne, damit auch ältere Menschen weiter mobil bleiben können.

Die Bahnhofsmission bietet deshalb Begleitung beim Ein-, Aus- und Umsteigen an, gerade wenn z. B. Rollstuhl oder Kinderwagen im Spiel sind. Auch ohne konkreten Auftrag sind wir am Bahnsteig unterwegs. Wir leisten spontan Hilfe, geben ortsfremden Reisenden Auskunft oder kommen ins Gespräch. Wenn wir einen umfangreicheren Hilfebedarf vermuten, weisen wir auf unseren Gastraum und unsere Angebote hin. Und sollte der Zug einmal Verspätung haben oder die Reise aus anderen Gründen unterbrochen werden, freuen wir uns jederzeit über einen Besuch in der Bahnhofsmission - ganz ohne Konsumzwang.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Rückgrat und Herz der Bahnhofsmission Freiburg. Ohne sie geht bei uns so gut wie nichts – mit ihnen so gut wie alles!

Wir sind ein buntes Team – Studierende, Berufstätige und Rentner* innen sind dabei. Vielseitige Begabungen und Erfahrungen bereichern unsere gemeinsame Arbeit. Unsere unterschiedlichen kulturellen und religiösen Hintergründe, Berufserfahrungen und Lebenswirklichkeiten erleichtern den Zugang zu unseren Gästen, die eine ebenso bunte Mischung bilden. Denn deren Hilfebedarf ist oft komplex. Er verlangt hohe fachlich und soziale Kompetenzen von unserem Team.

Uns ist es wichtig, Ehrenamtliche zu qualifizieren und zu stärken. Deswegen bieten wir kollegiale und fachliche Beratung, Grundkurse und vertiefende themenbezogene Schulungen sowie eine intensive Begleitung im Einsatz-Alltag an. Das Engagement bei uns beginnt mit einer gründlichen Einarbeitung, die sich an bundesweiten Standards orientiert.

Die Bahnhofsmission ist einmalig und unverzichtbar. Wir sind da, wo Menschen Hilfe brauchen. Unsere Räume sind offen, 3.770 Stunden im Jahr. Menschen kommen mit den verschiedensten Nöten zu uns. Wir helfen direkt, unbürokratisch und persönlich. Wir tun, was wir können. Aber auch Helfer und Helferinnen brauchen manchmal Hilfe!

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