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Lost Place Silberbrunnen ist komplett abgebrannt

Ein Stück Kulturgut und viele Kindheits- und Jugenderinnerungen sind durch Flammenmeer in der Nacht zu Silvester vernichtet worden

Bahlingen. „Schade drum, wieder ein Stück Erinnerung an meine Kindheit verloren.“ „Mir ist der „Silberbrunnensprudel“ noch präsent.“ „Oh, da habe ich meine Jugendzeit verbracht.“ „Der Silberbrunnen, wer kennt den nicht.“ „Wieder ein Stück Kultur verloren.“ „Da werden so viele Erinnerungen wach, es ist so schade drum.“ „Ich kann es gar nicht glauben.“

Viele Kaiserstühler „trauern“ um ihren „Silberbrunnen“

Foto: HSB

Viele Kaiserstühler „trauern“ um ihren „Silberbrunnen“, an dem so viele Erinnerungen aus einstigen Tagen und Zeiten hängen. Trotzdem nur noch eine Ruine oben an der Straße zu Schelingen stand, war der „Silberbrunnen“ noch präsent und greifbar. Dieses Gefühl ist nun für immer vorbei – der „Silberbunnen“ ist nach dem Vollbrand nur noch ein Fetzen Lebenserinnerung.

Und manch‘ einer sah den „Silberbunnen“ als Schandfleck, ein so genannter Lost Place, eine Ruine, ein Platz aus dem schon so vieles hätte werden sollen.

Jetzt ist diese Chance wieder da, denn der „Silberbrunnen“, dieses Stück Bahlinger Kultur, das weit über Bahlingens Grenzen eine Begrifflichkeit war, ist in der Nacht zu Silvester abgebrannt.

Lost Place Silberbrunnen ist komplett abgebrannt

Freiwilligen Feuerwehr Bahlingen a.K.

Brandgeruch liegt in der Luft

Einen Tag später, am Neujahrsmorgen liegt der Brandgeruch noch schwer in der Luft, hier und da qualmt es aus dem Trümmerhaufen. Einige Schaulustige sind vor Ort, sie fotografieren mit dem Handy, suchen untereinander das Gespräch – ein jeder weiß irgendwelche Einzelheiten, erinnert sich an längst vergessene Zeiten, als hier noch die Musik zum Tanzen einlud. Es wird gemunkelt, Wörter wie „Brandstiftung“ oder „warmer Abriss“ fallen dabei, aber auch das Lob an die Einsatzkräfte, die hier weitaus schlimmeres verhindert haben. Steht doch unweit entfernt ein Wohnhaus, das es zu retten galt. Die traurige Bilanz der Brandnacht: Fünf verletzte Personen, Zivilisten.

Im Einsatz waren insgesamt 85 Feuerwehrleute der Feuerwehren aus Bahlingen, Teningen, Endingen und Königschaffhausen,; das DRK war mit 16 Einsatzkräften aus Bahlingen, Endingen und Jechtingen vor Ort, ebenso der Rettungsdienst samt Notarzt und Polizei, sowie Kreisbrandmeister Christian Leiberich und sein Stellvertreter Lucas Kimmi.

Das ist noch übriggeblieben vom Silberbrunnen nach dem verheerenden Brand in der Nacht zu Silvester.

Foto: HSB

Am 31.12.2022, gegen 03:00 Uhr, geriet die seit vielen Jahren leerstehende Gaststätte in Brand. Das Feuer vernichtet laut Polizeipräsidium Freiburg das Gebäude größtenteils. So stürzten der komplette Dachstuhl und das erste Obergeschoss ein. Die Ursache ist bislang unklar; die Ermittlungen wurden durch die Kriminalpolizei Freiburg aufgenommen. Fünf Personen wurden durch Rauchgasintoxikation/ Löscharbeiten leicht verletzt. Der derzeit geschätzte Schaden ist im mittleren sechsstelligen Bereich. Auch Tage nach dem Vollbrand finden immer wieder Nachlöscharbeiten statt.

Gabriel Boos, Kommandant der Bahlinger Wehr

Gabriel Boos, Feuerwehrkommandant der Bahlinger Wehr erklärt auf Nachfrage, dass dieser Brand eine „Herausforderung“ war. „Zur Löschwasserversorgung dort oben haben wir die alten Kammern der Quelle genutzt, um dort Wasser zu holen.“ Das habe allerdings nicht ausgereichet, man wich zusätzlich auf die Aussiedlerhöfe Kaufmann und Braun zurück, dann legte die Abteilungswehr Königschaffhausen eine Leitung ins Dorf. Der nächste Hydrant zum Silberbrunnen steht etwa 1,5 Kilometer entfernt. Die Wasserversorgung aus der Zisterne habe bei weitem nicht ausgereicht, so Boos. Wichtig war bei dem Vollbrand, das angrenzende Wohnhaus und die „Reblaus“ – das ist ein schlauchförmiges Gebäude, vor den Flammen durch eine Riegelstellung zu schützen. Durch das stark einsturzgefährdete Gebäude, sowie viele Glutester entschied man noch vor Ort, die noch stehenden Mauern mit einem Bagger einzureißen. Bisher, so Boss, musste jeden Tag nachgearbeitet werden, um alle Glutnester in den Griff zu bekommen – auch unter Mithilfe des Baggers.

Die Wasserversorgung aus der Zisterne habe bei weitem nicht ausgereicht, so Boos. Wichtig war bei dem Vollbrand, das angrenzende Wohnhaus und die „Reblaus“ – das ist ein schlauchförmiges Gebäude, vor den Flammen durch eine Riegelstellung zu schützen

Freiwilligen Feuerwehr Bahlingen a.K.

Am Mittwochmorgen erklärt Eric Kunz vom Polizeipräsidium Freiburg auf Nachfrage, dass nach derzeitigem Ermittlungsstand keine konkrete Brandursache vorliege, diese Untersuchungen seien langwierig und dauerten oft Wochen. Eine technische Ursache schließe man weitgehendst aus, weil das Gebäude nicht mehr an das Stromnetz abgeschlossen war. Ob die Kriminaltechnik zur Untersuchung eingeschaltet wird, müsse indes noch mit der Staatsanwaltschaft abgeklärt werden. Laut Kunz gebe es bei den fünf leicht verletzten Personen keine längerfristigen Beeinträchtigungen, dies auch nach aktuellem Kenntnisstand.

Der Silberbrunnen

In einem Interview vor zwei Jahren erklärte Bürgermeister Harald Lotis, dass das Anwesen eigentlich schon immer in Privatbesitz sei. Er wurde allerdings vor ein paar Jahren von einer Eigentümergesellschaft an einen anderen Eigentümer verkauft. „Die Gemeinde hatten mit dem neuen Eigentümer mal ein kurzes Gespräch, aber etwas Genaues gab es da noch nicht.“

Leonhardt-Immobilien Riegel hat die Grundstücke an Christian Schnürle (Stölting Südholding GmbH) verkauft. Damals erklärte Schnürle auf Nachfrage, „zum Silberbrunnen gibt es leider nichts zu sprechen aktuell; es ist aktuell weder kurzfristig noch mittelfristig etwas geplant.“

Idyllisch gelegen inmitten von Weinbergen das einstige imposante „Bad Silberbrunnen“.

Foto: HSB

Viele Ideen gab es für den Silberbrunnen

2014 sollten hier 41 Chalets im Naturressort Kaiserstuhl Bad Silberbrunnen entstehen. Damals wurde das Vorhaben einer Feriensiedlung mit geplanten 41 Chalets auf einer Rebfläche von 2,1 Hektar gegenüber dem „Silberbrunnen“, von Bahlingen in Richtung Schelingen fahrend auf der linken Seite, vorgestellt.

Nach seiner Zwangsversteigerung übernahmen einst 25 Eigentümer den „Silberbrunnen“, der 1901 erbaut worden war und bis dato auch noch über eine Quelle verfügt. Nutzungsideen der Vergangenheit, wie der Golfplatz oder die im Jahr 2007 vorgestellten Pläne für ein Hotel, das auf dem bisherigen Parkplatz gegenüber dem Bestand erstellt werden sollte mit Wellness-Bereich und Hallenbad, sowie drei Stockwerken mit Apartments, Restaurant, einer Bar und einer großen Terrasse, scheiterten. Diese Nutzung entsprach damals laut Gemeinderat nicht den Festsetzungen des Flächennutzungsplanes, der für den Silberbrunnen eine Sonderfläche für Tourismus, Sport und Naherholung ausweist.

Mit dem Naturresort Kaiserstuhl sahen die Beteiligten vor Jahren dann eine reelle Chance, das brachliegende Gelände und das nicht sehr ansprechende Gebäude „Bad Silberbrunnen“ wiederzubeleben. In Holzbauweise als Holzblockhaus oder Holz-Riegelbau sollen die Ferienhäuser entstehen, die als Renditeobjekte bundesweit verkauft werden sollen. Eine Idee, die es am Kaiserstuhl so noch nicht gab. Der Eigentümer, der solch ein Chalet für 240.000 oder rund 271.000 Euro zuzüglich Grundstücks je nach Größe ab rund 43.000 Euro kaufen konnte, hätte sein Chalet für 21 Tage im Jahr zum Urlaub machen nutzen dürfen. Gerechnet wurde mit einer Belegung von 42 Prozent im ersten Jahr, das sind 153 Tage mit berechneten 3,5 Personen je Chalet.

5.000 Quadratmeter gehören zur Bad Silberbrunnen GmbH, die weitere benötigte Fläche von acht Grundstückseigentümern wurde bereits per Optionsverträgen mit Gültigkeit von drei Jahren, damals zugestimmt.

Gasthaus Silberbrunnen /Kultstätte: An markanter Stelle in der Kurve liegt das abbruchreife Haus.

Foto: HSB

Am 24. Februar 2014 hatte der Gemeinderat in nicht-öffentlicher Sitzung der Idee zugestimmt und wollte den Erlass des Bebauungsplanes unterstützen. Neben der Ferienanlage sollte das Gebäude des „Bad Silberbrunnens“ abgerissen werden und ein neuer Gastronomie-Bereich entstehen. Um die Ferienanlage für Fußgänger mit der Gastronomie zu verbinden, wurde eine Holzbrücke über die Kreisstraße geplant. Zum einen, weil die Straße schlecht einsehbar in der Kurve ist, zum anderen liegt die Feriensiedlung rund drei Meter höher als die Straße.

Die Zustimmung seitens des Landratsamtes Emmendingen für diese „Ferienregion“ liege vor, hieß es damals. Laut der Verkaufs-Hochglanzprospekte sollen die 41 Chalets mit dem Wasser der geprüften Mineralquelle (Silberbrunnen) versorgt werden.

Eine Abrissgenehmigung als solche, liegt übrigens schon ein paar Jahre zurück, bereits 2015 ging man von einem Abriss des Gebäudes aus.

Im Flächennutzungsplan ist mindestens seit 1995 eine Sonderfläche für touristische, gastronomische Nutzung vorgesehen. Darunter fallen Restaurants, Hotels, Veranstaltungshallen, und ähnliches. 

Und jetzt darf man gespannt sein, was passieren wird oder auch nicht passiert.

Fakt ist: ein Erinnerungsort an schöne, vielleicht auch wilde Zeiten ist für unzählige Menschen aus der gesamten Region verschwunden – durch einen verheerenden Brand und das für immer.

Berg Brandmaterial

Foto: HSB

Der Silberbrunnen – die Sage (Quelle: Du mein Kaiserstuhl /1926)

Graf Hesse der einstige Burgherr von Nimburg, soll wie die Sage berichtet, der Begründer des Bad Silberbrunnen sein und wäre der Anlass dazu folgender gewesen:

In Endingen am Nördlichen Kaiserstuhl gelegen, wohnte die arme Witwe, „Kräuterlies“ genannt, mit ihrer Tochter Veronika. Die alte Lies suchte täglich am Kaiserstuhl würzige Kräuter und verkaufte dieselben an die Apotheker in Freiburg und Breisach. Von dem Erlös bestritt sie den Lebensunterhalt für sich und ihr Kind. An einem heißen Julimorgen sammelte sie wieder Kräuter. Die Hitze wurde immer drückender und die Kräuterlies war bald so schwach, so dass sie ohnmächtig wurde. Als Sie wieder zu sich kam, sah Sie nicht weit von ihr ein kleines, zierliches Männchen, dass ihr zu winkte. Ihre ganze Kraft zusammennehmend, folgte sie dem Kind, bis beide zwischen zwei großen Bäumen standen, zwischen denen ein Stein auf dem Boden lag. Der Zwerg wälzte nun den Stein von der Stelle und sogleich quellte klares Wasser aus dem Boden. Im gleichen Augenblick war auch das Männchen verschwunden. Die Kräuterlies trank von dem Wasser und fühlte sich rasch wieder wohl. Sie deckte die Quelle wieder zu, damit sie niemand anderer findet als sie und ihre Tochter. Von diesem Wasser fasste sie in Krüge, erzählte von der Wirkung des heilsamen Wassers und hatte bald viele Abnehmer. Nun wurde die Tochter des Grafen Hesse von Nimburg krank und auch sie machte das Wasser der Kräuterlies gesund. Aus Dankbarkeit ließ der Graf die Quelle fassen und daneben ein kleines Wirtshaus bauen. Als der Bau fertig war, schenkte der Graf das Anwesen der Tochter der Kräuterlies, die dann des Grafen Oberjäger heiratete und somit die erste Besitzerin des Bades „Silberbrunnen“ war.

Wir danken, an dieser Stelle, der Feuerwehr Bahlingen und der Feuerwehr Teningen für die Bereitstellung der Brandbilder.

Text /Bilder:HSB

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