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Nachrichten aus Region meets Business

Zwischen Paletten und Point of Sale: Wie die Hochrhein-Wirtschaft gemeinsam die Zukunft schmiedet

Bei „Blickpunkt Starkes Netzwerk“ diskutierten führende Köpfe aus Handel und Industrie über Fachkräftemangel, Nachhaltigkeit und die unschlagbare Kraft regionaler Verbundenheit

Gerd Lache

BAD SÄCKINGEN. Der eine denkt in Paletten, der andere in Point of Sale. Der eine liebt „just in time“, der andere eher „just in case“. So skizzierte Moderator Felix Danberg provokant die Welten von Industrie und Handel, um sie gleich darauf wieder zu vereinen

Auf Einladung von Daniela Hiebel und Dirk Böhme, den Machern der Veranstaltungsreihe trafen sich Unternehmer, Führungskräfte und „Netzwerkaktivisten mit Ergebnisorientierung“ im glänzenden Ambiente des Mercedes-Autohauses Kestenholz in Bad Säckingen. Das Thema des Abends, „Gemeinsam wachsen – Handel und Industrie am Hochrhein im Dialog“. Es versprach Zündstoff und Visionen in einer Zeit großer Herausforderungen wie Fachkräftemangel, Digitalisierung und Nachhaltigkeitsdruck.

Auf der Bühne saßen fünf Persönlichkeiten, die wissen, wie Wachstum funktioniert und wie entscheidend Vertrauen, Austausch und Mut zum Umdenken sind.

Dr. Uta Simmler, geschäftsführende Gesellschafterin der Franz Simmler GmbH + Co. KG, betonte die unzertrennliche Symbiose von Hersteller und Handel. Für ein Lebensmittelunternehmen wie ihres sei der Handel „die wichtigste Türe zum Kunden“, da der Online-Anteil mit 2,8% verschwindend gering ist. Die enge Verflechtung sei unübersehbar: „Wenn es dem Handel gut geht, geht’s uns Herstellern gut und andersrum genauso“. Simmler lobte den hochwertigen Handel am Hochrhein, der auch von der kaufkräftigen Schweizer Kundschaft profitiere. Gleichzeitig hob sie die Bedeutung von Daten hervor: Der Austausch von Abverkaufsdaten zwischen Handel und Industrie schaffe Transparenz und ermögliche gemeinsames Lernen.

Dr. Uta Simmler, geschäftsführende Gesellschafterin der Franz Simmler GmbH + Co. KG

Gerd Lache

Dieter Schmid, Geschäftsführer der Privatbrauerei Waldhaus, unterstrich die immense Bedeutung der regionalen Identität. „Wir sind praktisch ein Stück Schwarzwald, ein Stück Hochrhein“, erklärte er. Diese Authentizität sei nicht nur ein entscheidender Wettbewerbsvorteil gegenüber großen Konzernen, sondern auch ein internationales Verkaufsargument.

Für ihn ist eine Kooperation auf Augenhöhe zwischen Industrie und Handel essenziell. Als konkretes Potenzial nannte er gemeinsame Logistik – quasi eine „Fahrgemeinschaft für Waren“, um CO2 zu sparen und Kosten zu senken. Schmid appellierte leidenschaftlich: „Wir müssen unsere Stärke bündeln gegen die Konzerne.“

Dieter Schmid, Geschäftsführer der Privatbrauerei Waldhaus

Gerd Lache

Jenniefer Schmucker, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Lörrach, positionierte ihre Behörde als Brückenbauerin und Partnerin für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Sie präsentierte beeindruckende Zahlen: 37.000 der bundesweit 280.000 Grenzpendler kommen aus den Landkreisen Lörrach und Waldshut.

Trotz eines „Missmatchs“ am Arbeitsmarkt – es gibt gleichzeitig viele offene Stellen und Arbeitsuchende – sei die Region mit Platz fünf in Deutschland unheimlich ausbildungsstark. Ihr klarer Appell: „Nutzen Sie uns, bezahlt haben Sie uns schon.“ Weiterbildung sei der „Schlüssel zum Erfolg“, um den rasanten Veränderungen der Arbeitswelt zu begegnen.

Jenniefer Schmucker, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Lörrach,

Niels Bosley, 2. Vorsitzender von Pro Bad Säckingen e.V. und umtriebiger Unternehmer, brach eine Lanze für die Stärkung der Innenstädte und die Zusammenarbeit in der „Metropolregion Hochrhein“. Er betonte die enorme Abhängigkeit vom Schweizer Markt: „Unser ganzer Einzelhandel würde komplett zusammenbrechen, wenn wir die Schweizer nicht hätten“. Bosley berichtete eindrucksvoll von seinen positiven Erfahrungen mit inklusiven Arbeitsmodellen.

In seinen Betrieben hat er über 17 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung geschaffen. Er hob deren außergewöhnliche Loyalität und Engagement hervor und warb dafür, dieses Potenzial stärker zu nutzen – auch mit Unterstützung der Agentur für Arbeit.

Niels Bosley

Gerd Lache

Michael Larisch, Centerleiter der Kestenholz GmbH, sah sein Unternehmen als klares Bekenntnis zum Standort. Für ihn sind Vertrauen, Dialog und gemeinsame Verantwortung die Grundpfeiler einer erfolgreichen Zusammenarbeit, sowohl mit Kunden als auch mit lokalen Partnern.

Er betonte die Wichtigkeit der lokalen Vernetzung, die sich besonders in Krisensituationen wie dem Hagelschaden vom Sommer bewährt habe, als man auf ein jahrelang aufgebautes Netzwerk von lokalen Reparaturbetrieben zurückgreifen konnte. Auch im Kampf gegen den Fachkräftemangel setzt Kestenholz auf eine hohe Ausbildungsquote und attraktive Arbeitsbedingungen, um junge Talente in der Region zu halten.

Michael Larisch, Centerleiter der Kestenholz GmbH

Gerd Lache

Intensive Debatten und Networking

Nach der Podiumsdiskussion zeigte sich, wie sehr die Themen den Nerv des Publikums getroffen hatten. In einer lebhaften Fragerunde wurden auch kritische Punkte wie der Mangel an bezahlbarem Wohnraum, Defizite im Gesundheitssystem oder die nachlassende Kaufkraft angesprochen. Eine Unternehmerin beklagte, dass der Hotzenwald als Marke vergessen werde, und ein anderer Gast wies auf die immense Bedeutung des Handwerks hin, das in der Diskussion etwas kurz gekommen sei.

Der Abend endete, wie er begonnen hatte: im Dialog. Bei Fingerfood und Getränken nutzten die Gäste ausgiebig die Gelegenheit zum Netzwerken. Michael Larisch hatte dazu eine besondere Einladung ausgesprochen: ein „Speed-Dating“ in den ausgestellten Fahrzeugen mit dem Stern, um den Austausch in kleineren Gruppen zu fördern.

Moderator Felix Danberg

Fazit des Abends: „Gemeinsam wachsen“ ist für die Wirtschaft am Hochrhein kein leerer Slogan, sondern ein Weg, der mit solchen Veranstaltungen aktiv beschritten wird. Die Herausforderungen mögen groß sein, doch der Wille zur Kooperation und der Glaube an die Stärke der vielfältigen Region sind es auch.

Autor: Gerd Lache

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