Zwischen Idee und Wirkung: Warum kleine Details alles verändern
LESS 2026: Der Kongress, der Impulse setzt

Dr. Fabian Burggraf, Geschäftsführer von Klimapartner Südbaden e. V.,
Herr Dr. Burggraf, was ist Ihr Auftrag als Geschäftsführer bei Klimapartner Südbaden in einem Satz?
Unser Auftrag ist, regionale Klimaschutzprojekte aus der Theorie herauszuholen und in die Umsetzung zu bringen – meine Rolle ist dabei, so viele Steine wie möglich aus dem Weg zu räumen bzw. Hürden, die einer Umsetzung im Weg stehen, abzureißen oder gar nicht erst entstehen zu lassen.
In der Region hört man oft: „Klimaschutz ist wichtig, aber gerade fehlt das Geld.“ Was entgegnen Sie?
Ich verstehe diesen Gedanken. Klimaschutz ist immer das zweitwichtigste Thema à Es gibt immer ein Thema, was gerade aktuell wichtiger, dringender erscheint. Letztendlich ist aber jede Investition in Klimaschutz eine Investition in die Zukunftsfähigkeit und Resilienz. Wer heute Effizienzpotenziale nutzt, spart Kosten, wird unabhängiger von Energiepreisen und ist besser auf regulatorische Anforderungen vorbereitet.
Sie sprechen bewusst vom Zusammenhang zwischen Klima und Standort. Warum ist das mehr als ein politisches Schlagwort?
Fossile Energien schaffen keine regionale Wertschöpfung. Von der Nutzung fossiler Energieträger profitieren ausnahmslos deren Inverkehrbringer. Der Ausbau und die Nutzung regenerativer Energieträger hält Wertschöpfung in Europa, in Deutschland, in der Region. Sie macht unseren Wirtschaftsstandort nicht nur klimafreundlicher, sondern auch resilienter. Gleichzeitig kämpfen viele die Region prägende Branchen heute schon mit den Auswirkungen des Klimawandels – fragen Sie mal bei Betreibern größerer Kühlhäuser, bei landwirtschaftlichen Produzenten oder auch im Tourismus.
Was machen die Klimapartner Südbaden konkret – nennen Sie ein Beispiel, das Unternehmer sofort einordnen können.
Ein zentrales Angebot ist der Ressourceneffizienz‑Check. Dabei werden bei Unternehmen vor Ort Energie‑ und Materialeinsparpotenziale identifiziert und Maßnahmen abgeleitet und priorisiert, um diese Potenziale zu heben. Viele Unternehmen sind überrascht, wie schnell sich erste Maßnahmen rechnen und wie niedrig die Einstiegshürden sind.
Ein anderes Beispiel: Wir stellen Kommunen aus der Region Know-how, die Erfahrungen und die Arbeitskraft unserer Mitarbeiterinnen für die Umsetzung von Klimaschutzprojekten zur Verfügung. Das ist im Gegensatz zum Ressourceneffizienz-Check keine Beratungsleistung, sondern eher eine Art Personalgestellung für ein fest umrissenes, zeitlich befristetes Projekt, für dessen Umsetzung sonst das Know-how bzw. die Ressourcen in den Kommunalverwaltungen fehlen.
LESS 2026 steht für „Mehr mit Weniger“. Warum engagiert sich Klimapartner Südbaden als Mitorganisator?
LESS ist ein Format, das nicht belehrt, sondern fokussiert: Auf klare Prioritäten, praktikable Lösungen und Austausch auf Augenhöhe. Viele sehr groß scheinende Hürden bei der Projektanbahnung und -umsetzung lassen sich oft im persönlichen Austausch abbauen. Das ist zumindest unsere Erfahrung im Klimaschutzbereich. Gerade dort braucht es emotionslosen, faktenbasierten und respektvollen Austausch auf Augenhöhe – und zwar unter allen Beteiligten.
Welche Rolle nehmen Sie persönlich bei der LESS 2026 ein?
Ich sehe mich als Brückenbauer zwischen Wirtschaft, Kommunen, Energie‑ und Finanzakteuren. Zudem unterstütze ich organisatorisch und strategisch – etwa bei der Anbindung von Partnern und bei der inhaltlichen Schärfung der Themen.
Viele Menschen verbinden Klimathemen mit Moral. LESS wirkt dagegen eher wie ein Effizienz‑ und Fokusformat. Passt das zusammen?
Ich kenne niemanden, der gerne belehrt wird. Mit dem moralischen Zeigefinger zu winken ist selten ein gutes Rezept, um jemanden zum Mitwirken zu bewegen. Im Gegenteil. Effizienz, Vereinfachung und Entlastung schaffen Akzeptanz. Weil Mehrwerte sofort und für jeden spürbar sind. Unser Handeln bewirkt sofort etwas – nicht erst für die späteren Generationen. Wer heute Prozesse verschlankt, spart unmittelbar Energie, Material und Kosten – und reduziert Emissionen oft ganz automatisch.
Was ist aus Ihrer Sicht die größte Blockade bei der Transformation?
Die unterschiedlichen Zeitskalen. Transformationsprozesse umfassen mehrere Dekaden. Wenn die Rahmenbedingen sich in politischen Legislaturperioden oder Amtszeiten von Vorständen oder Geschäftsführern ändern, schafft das keine Planungssicherheit. Die resultierende Unsicherheit bremst Investitionen und verlangsamt Transformation.
Was sollen die Leserinnen und Leser von Region im Blick über Klimapartner Südbaden mitnehmen?
Dass wir kein ideologischer Verband sind, sondern ein partnerschaftliches Netzwerk - getragen von Akteuren aus Energieversorgung, Regionalentwicklung und regionaler Wirtschaft, das Transformation als Gemeinschaftsaufgabe versteht, umsetzt und ihre Mehrwerte mit konkreten Projekten heute schon spürbar macht.
Was wünschen Sie sich ganz konkret – sagen wir: ab morgen?
Eine ehrliche Bestandsaufnahme, eine klare Priorisierung und einen festen Umsetzungsrhythmus. Wer anfängt, merkt oft schnell: Der Aufwand ist geringer als gedacht – der Nutzen dafür umso größer.
Woran würden Sie messen, ob die LESS 2026 erfolgreich war?
Wenn ich es in ein paar Wochen nicht bereue, dieses Interview gemacht zu haben Spaß beiseite… Ich messe den Erfolg nicht an Reichweite oder Applaus, sondern an Anschlussfähigkeit. Nur wenn neue Kooperationen entstehen und konkrete Projekte nicht nur angestoßen, sondern auch umgesetzt werden, dann war LESS 2026 ein Erfolg.



