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Nachrichten aus Region meets Business

Wenn der Wille das Talent schlägt: Wie Top-Entscheider die Gen Z begeistern

Beim Netzwerkabend von „Region im Blick“ diskutierten Führungskräfte über Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel und die Macht von Sinnhaftigkeit und Teamgeist

Illustres Podium mit (von links): Moderator Felix Danberg, Birte Hackenjos (Haufe), Klemens Hartenbach (SC Freiburg), Daniel Zeiler (Sparkasse), Franciska Bährle (Artemed SE) und Michael Berger (Schmolck).

Gerd Lache

EMMENDINGEN. Der Fachkräftemangel – er ist ein „ungeladener Gast“, den niemand ignorieren kann. Während Unternehmen, Bildungseinrichtungen und die gesamte Gesellschaft vor dieser gewaltigen Herausforderung stehen, bewies der Netzwerkabend „Blickpunkt starkes Netzwerk“ im Autohaus Schmolck in Emmendingen, dass die Suche nach den „Talenten von morgen“ eine inspirierende Chance sein kann.

„Wo Begeisterung auf Perspektive trifft – Talente von morgen – heute entwickeln“, zu diesem Thema versammelten sich hochkarätige Gäste auf dem Podium, um unter der Moderation von Felix Danberg über gezielte Nachwuchsförderung und innovative Konzepte zu sprechen.

Daniela Hiebel und Dirk Böhme vom Magazin „Region im Blick“ organisierten für die Event-Reihe „Blickpunkt starkes Netzwerk“ bereits die siebte Veranstaltung. Schnell wurde deutlich: Es geht nicht nur um offene Stellenanzeigen, sondern darum, „wie wir Potenzial nicht nur auf dem Papier, sondern im Menschen“ erkennen.

Gastgeber und Podiumsteilnehmer: Michael Berger, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Schmolck.

Gerd Lache

Die Diskussionsrunde, bestehend aus Michael Berger, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Schmolck, Birte Hackenjos, CEO der Haufe Group, Klemens Hartenbach, Sportdirektor des SC Freiburg, Daniel Zeiler, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau, sowie Franciska Bährle, Projektleiterin der Geschäftsführung der Artemed SE, lieferte Einblicke aus Sport, Gesundheitswesen, Finanzwirtschaft, IT und Automobilhandel.

Leistungswille zählt
Ein zentrales Learning zog sich durch die gesamte Diskussion: Der Faktor Mensch und sein unbedingter Leistungswille sind demnach wichtiger als das Zeugnis. Für Klemens Hartenbach ist dies beim SC Freiburg – bekannt für seine fundierte Nachwuchsförderung – ein gelebtes Credo. Er bevorzugt die Philosophie: „Wille schlägt Talent", denn „an allem anderen können wir arbeiten".
Auch Birte Hackenjos unterschrieb diese Aussage: Sie erlebe bei Azubis oft, dass sie von sich aus den Dialog suchen und über das Normale hinausgehen wollen. Die formelle Eintrittskarte sei zwar das Zeugnis, aber der Erfolg liege in der Eigeninitiative und Motivation des Menschen.

Michael Berger vom gastgebenden Autohaus Schmolck betonte, dass der Einzerkandidat nicht unbedingt auch derjenige sei, der die besten Leistungen bringe. Bei der Emmendinger Unternehmensgruppe – wo beinahe die Hälfte der 280 Mitarbeitenden ihre Ausbildung absolviert hätten – sei das Engagement, der Leistungswille und die Bereitschaft, etwas zu bewegen, viel wichtiger.

Für Daniel Zeiler, Vorstandschef der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau, spielt auch das ehrenamtliche Engagement der Bewerber eine Rolle.

Gerd Lache

Auch Daniel Zeiler von der Sparkasse stimmt zu, dass man das Fachliche beibringen könne, aber das Wollen müsse vom Mitarbeitenden kommen. Bei der Sparkasse spiele im Auswahlverfahren neben der schulischen Leistung auch ehrenamtliches Engagement eine Rolle.

Sinnhaftigkeit als Anker
Der Wunsch nach Sinnhaftigkeit und Wertschätzung wurde als universeller Motivator identifiziert, den gerade die jüngere Generation einfordere. Dazu zählt für Birte Hackenjos auch das interne Kommunizieren von Entscheidungen. Im Gesundheitswesen, das von hohem Druck und Fachkräftemangel geprägt sei, betonte Franciska Bährle die „unglaublich sinnhafte" Arbeit in Kliniken. Hier müssten Arbeitgeber trotz gesetzlicher Vorgaben ein modernes Arbeitsumfeld schaffen und individuell auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden eingehen. „Ich möchte ernst genommen werden, ich möchte mich selbst einbringen, ich möchte selbst bestimmt arbeiten" – diesen Wunsch spüre sie bei den jungen Kolleginnen und Kollegen.

Daniel Zeiler sieht die Sinnhaftigkeit nicht als etwas, das „krampfhaft" gesucht werden müsse. Bei der Sparkasse sei dies im gesetzlichen Auftrag verankert, nämlich für alle Bevölkerungsschichten Finanzdienstleistungen in der Region anzubieten. Auch im Autohaus könne der Sinn vermittelt werden, so Michael Berger: Der Kunde komme mit einem Problem, „wir helfen ihm und er fährt mit einem guten Gefühl und einem reparierten Auto vom Hof".

Franciska Bährle, Projektleiterin der Geschäftsführung bei Artemed SE, sprach von der hohen Sinnhaftigkeit des Arbeitens in Kliniken

Gerd Lache

Führungskraft als Impulsgeber
Um Talente langfristig zu binden, sei Führung auf Augenhöhe notwendig. Birte Hackenjos machte deutlich, dass die Ehrfurcht vor der Chefetage abgebaut werden müsse. Im medizinischen Umfeld setzt Artemed SE auf die Selbstwirksamkeit der Mitarbeitenden. Franciska Bährle berichtete von einem Assistenzarzt, der ein Arztzimmer zur Verbesserung der interdisziplinären Zusammenarbeit gestalten durfte. Es wäre falsch gewesen, von oben zu sagen, so wird's gemacht. Die Sparkasse setzt auf „offenes Haus" und interne Weiterentwicklungsmöglichkeiten, die vom Azubi-Dasein bis hin zur Führungsposition reichen. Daniel Zeiler merkte an, dass man junge, ehrgeizige Mitarbeitende gelegentlich auch bremsen müsse.

Birte Hackenjos, CEO der Haufe Group, setzt auf Eigeninitiative und Motivation der Mitarbeitenden

Gerd Lache

Der Mensch im Mittelpunkt

Klemens Hartenbach betonte die essenzielle Rolle der Bildung, insbesondere da nur ein kleiner Prozentsatz der Nachwuchsspieler Profi werden könne. Das SCF-Trainingsgelände übernehme zusammen mit Pädagogen und Psychologen einen Teil der Erziehung, doch die Grundwerte müssten „schon von zu Hause aus kommen".
Michael Berger hob hervor, dass Kooperationen mit Schulen extrem wichtig seien, um bei jungen Menschen die Hürde für eine Bewerbung zu senken. Auch Franciska Bährle berichtete von Kooperationen mit Hochschulen.

Leistungswille und Engagement rangieren bei SC-Freiburg-Sportdirektor Klemens Hartenbach vor Talent.

Gerd Lache

Zum Ende der intensiven Diskussionsrunde fasste Felix Danberg die Erkenntnisse zusammen: „Fachkräftesicherung [...] beginnt nicht im Bewerbungsgespräch, sondern viel früher." Es gehe um Haltung, Mut, Vertrauen und die Fähigkeit, Talente im Menschen zu sehen.

Autor: Gerd Lache

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