Deutschland befindet sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage
Konjunktur-Pressekonferenz der wvib Schwarzwald AG
Die wvib Schwarzwald AG präsentierte bei CorTec in Freiburg die Ergebnisse ihrer aktuellen Konjunkturumfrage für das Jahr 2025.
Dr. Frank Desiere, CEO CorTex GmbH, Bert Sutter, wvib-Präsident, Geschäftsführer Sutter Medizintechnik GmbH, Emmendingen, Hanna Böhme, Hauptgeschäftsführerin wvib Schwarzwald AG und Hans-Peter Laubscher, Geschäftsführer KOHLER Maschinenbau GmbH
wvib-Hauptgeschäftsführerin Hanna Böhme betonte, dass 2025 das dritte Jahr in Folge ohne nennenswertes Wachstum war. „Die Schwächephase der Industrie in Baden-Württemberg hält an. Der Aufschwung könnte 2026 kommen, doch es bleibt ein fragiles Versprechen“, so Hanna Böhme. Sie kritisierte zudem die Wirkung schuldenfinanzierter Sondervermögen, die keinen nachhaltigen Aufschwung bringen würden. Mit der Jahreskampagne „Deutschland kann mehr“ setzt sich die wvib Schwarzwald AG für einen marktwirtschaftlichen Aufbruch und mehr Wettbewerbsfähigkeit ein.
Die aktuellen Zahlen zum Auftragseingang der Schwarzwald AG zeigen eine vorsichtige Erholung im Vergleich zum Vorjahr. Im vergangenen Jahr stieg der Auftragseingang um 2,4 Prozent, während vor einem Jahr ein Rückgang von einem Prozent verzeichnet wurde. Besonders auffällig ist, dass der Zuwachs zu Jahresbeginn mit 3,8 Prozent deutlich höher war als in den späteren Monaten.
Insgesamt berichten 48 Prozent der Unternehmen von einer Verbesserung des Auftragseingangs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, während 34 Prozent eine Verschlechterung angeben. Der Ausblick bleibt gemischt: 38 Prozent erwarten in den kommenden sechs Monaten steigende Auftragseingänge, 51 Prozent gehen von einer Stagnation aus, und 11 Prozent rechnen mit einem Rückgang.
Arbeitsmarkt und Investitionen
Die Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibt angespannt. Etwas mehr als die Hälfte (51 Prozent) der Unternehmen reduzierte im vergangenen Jahr ihre Mitarbeiterzahl – ein leichter Rückgang im Vergleich zu den 53 Prozent aus dem Jahr 2024. Gleichzeitig meldeten 40 Prozent der Unternehmen einen Anstieg der Beschäftigtenzahlen, was eine leichte Verbesserung darstellt.
Die Investitionsquote der Unternehmen ging jedoch weiter zurück und liegt aktuell bei 4,8 Prozent (Vorjahr: 6,1 Prozent).
Hanna Böhme, Hauptgeschäftsführerin wvib Schwarzwald AG
Forderungen und Ausblick
Hanna Böhme zog ein gemischtes Fazit: „Der ‚Herbst der Reformen‘ ist ausgeblieben. Dennoch gibt es Grund zu vorsichtigem Optimismus.“ Sie forderte die Politik auf, Bürokratie abzubauen, die Sozialsysteme generationengerecht zu reformieren und das Steuersystem wettbewerbsfähig zu gestalten. Auch die Energiekosten müssten nachhaltig gesenkt werden, um strukturelle Probleme zu lösen.
Bert Sutter, Vorstand der wvib Schwarzwald AG, ergänzte: Deutschland befindet sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Die Industrie zeigt sich besonders anfällig für Schwankungen, sowohl in Zeiten des Aufschwungs als auch des Abschwungs. Trotz einer wachsenden Weltwirtschaft bleibt die deutsche Wirtschaft im Vergleich zurück, was zu einer dringenden Notwendigkeit für Veränderungen führt.
Bert Sutter hob drei zentrale Bereiche hervor, die für eine Verbesserung entscheidend sind: Politik, Gesellschaft und Unternehmen. Die Kampagne "Deutschland kann mehr" zielt darauf ab, Missstände und Herausforderungen zu adressieren und gleichzeitig Mut zu machen, das vorhandene Potenzial zu nutzen. Dabei wird betont, dass der Erhalt und die Weiterentwicklung einer kreativen und starken Volkswirtschaft keinesfalls selbstverständlich sind. Beispiele wie England und Argentinien zeigen, wie schnell eine erfolgreiche Industrie verloren gehen kann.
In Bezug auf die Politik fordert Sutter weniger Bürokratie, niedrigere Steuern und eine Verbesserung der Infrastruktur sowie der Bildung. Er kritisiert die hohen Steuerbelastungen in Deutschland, die Investitionen hemmen und den Standort unattraktiver machen. Zudem thematisiert er die Herausforderungen durch das chinesische Wirtschaftsmodell, das durch Preisaggressivität und technologische Fortschritte Druck auf deutsche Unternehmen ausübt.
Bert Sutter, wvib-Präsident, Geschäftsführer Sutter Medizintechnik GmbH, Emmendingen
Auch die gesellschaftliche Haltung wurde angesprochen: Der Wunsch nach mehr Teilzeit und individueller Freiheit ist nachvollziehbar, jedoch könnte dies langfristig das Arbeitskräftepotenzial und somit die wirtschaftliche Stärke Deutschlands beeinträchtigen. Sutter appelliert an ein gemeinsames Bewusstsein dafür, dass der Erfolg Deutschlands keine Selbstverständlichkeit ist und Engagement von allen Seiten erfordert.
Schließlich betonte er die Verantwortung der Unternehmen, zukunftsfähige Entscheidungen zu treffen und wettbewerbsfähig zu bleiben. Fehlentscheidungen können schwerwiegende Folgen haben, doch es liegt in der Verantwortung der Unternehmerinnen und Unternehmer, sich den Herausforderungen zu stellen.
Die Kampagne "Deutschland kann mehr" soll als Leitmotiv für zahlreiche Veranstaltungen dienen, um Aufmerksamkeit auf diese Themen zu lenken und Veränderungen anzustoßen. Sutter ruft dazu auf, dass alle gesellschaftlichen Akteure ihren Beitrag leisten müssen, um Deutschland als erfolgreiches und lebenswertes Land zu erhalten.


