„Ich bin mit dem Ultra Bike groß geworden“
Interview mit Renndirektor Sebastian Eckmann zwei Wochen vor Deutschlands größter Mountainbike-Veranstaltung am 13./14. Juli in Kirchzarten

ULTRA-Bike-Geschäftsführerin Britta Schreiber zusammen mit Sebastian Eckmann, seit 2023 Renndirektor des Black Forest ULTRA Bike Marathons
Er führt das Werk seines Vaters fort: Erhard Eckmann hatte zusammen mit Walter Hasper jahrelang die Hauptverantwortung beim Black Forest Ultra Bike Marathon inne, Sohn Sebastian Eckmann ist seit dem vergangenen Jahr Renndirektor der Mountainbike-Marathonveranstaltung in Kirchzarten, die für ihre perfekte Organisation und die landschaftlich reizvollen Strecken durch den Südschwarzwald bekannt ist. Im Interview redet der 40-Jährige über die letzten, schwierigen Wochen der Organisation, seine Verbundenheit mit dem Mountainbikesport und wann die Anspannung von ihm abfällt.
Frage: In Ihrem Hauptberuf arbeiten Sie in der Fahrradindustrie und daneben sind Sie ehrenamtlich auch als Renndirektor der größten Mountainbike-Marathonveranstaltungen in Deutschland tätig: Bekommen Sie jetzt, in der heißen Phase vor dem Wettkampf, noch ausreichend Schlaf?
Eckmann: Derzeit bekomme ich noch ausreichend Schlaf, in der letzten Woche möglicherweise nicht mehr. Noch ist die Lage stabil.
Frage: Wieviel Stunden pro Woche stecken Sie momentan in den Ultra Bike?
Eckmann: Natürlich gibt es übers Jahr gesehen Veränderungen beim Zeitaufwand – mal mehr, mal weniger – vor der Veranstaltung sind es an die 20 Stunden pro Woche.
Frage: Tun sich derzeit noch größere Probleme bei der Organisation des Wettkampf-Wochenendes auf oder läuft alles in geregelten Bahnen?
Eckmann: Aktuell läuft alles noch sehr geregelt ab, wir sind gut im Plan, was die Vorbereitungen angeht. Die Baustellen und Brandherde tun sich meistens in den letzten zehn Tagen auf. Das ist aber nicht ungewöhnlich, denn es ist die Zeit, in der die ehrenamtlichen Helfer ihre Arbeit aufnehmen, was Vorbereitung der Ausschilderung der Strecke und Streckensicherung angeht. Meistens ergeben sich hier die Dinge, die kurzfristig noch organisiert werden müssen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass wir uns jetzt gerade in einer Schein-Sicherheit bewegen und denken, es läuft doch alles. Im vergangenen Jahr haben wir beispielsweise kurz vor dem Wettkampf gemerkt, dass niemand für das Aufstellen der Brücke vor dem Stadion eingeteilt war. Das sind Aktionen, die dann kurzfristig aufgegleist werden müssen.
Frage: Wie viele Helfer sind am Wettkampf-Wochenende im Einsatz?
Eckmann: Es sind in diesem Jahr am ULTRA-Wochenende wieder rund 1200 ehrenamtliche Helfer im Einsatz. Wir können uns sehr glücklich schätzen, dass wir im Schwarzwald ein so tolles Netzwerk zwischen den Vereinen haben. Ohne die örtlichen Skiclubs entlang der Strecke und die vielen Vereine aus dem Dreisamtal wäre es nie möglich, diese Veranstaltung auf die Beine zu stellen.
Frage: Durch Ihren Onkel Jürgen Eckmann kam die Kunde von „Leuten, die in Kalifornien mit Rädern durch den Wald fahren“ in den 1980er-Jahren nach Kirchzarten, Ihr Vater Erhard Eckmann hatte lange Zeit zusammen mit Walter Hasper die Leitung des Ultra Bike inne. Hat man, wenn man Eckmann heißt, gegenüber dem Mountainbikesport eine gewisse Verpflichtung?
Eckmann: Eine Verpflichtung sehe ich nicht, aber eine große Verbundenheit. Ich war elf Jahre alt, als die Weltmeisterschaft in Kirchzarten ausgetragen wurde. Ich bin aufgewachsen mit dem Thema Mountainbike. Durch das Engagement meines Vaters für den Ultra Bike war das ja schon immer ein bestimmendes Thema über den gesamten Sommer bei uns zu Hause und dementsprechend ist eine Verbundenheit und eine große Motivation da, sich zu engagieren und dieses tolle Event hier und im Schwarzwald weiterzuführen.
Frage: Die Cross-Country-Meisterschaft, die aufgrund der Flutkatastrophe in Bayern von Anfang Juni auf den 14. Juli verlegt wurde, findet nun am selben Tag wie die Ultra-Bike-Rennen statt. Wie bewerten Sie die Terminkollision?
Sebastian Eckmann, Renndirektor des Black Forest ULTRA Bike Marathons in Kirchzarten
Eckmann: Wir sehen das mit gemischten Gefühlen. Wir fanden es toll, dass sich der nationale Verband BDR umgehend bei uns gemeldet hat, nachdem die Entscheidung für den neuen DM-Termin gefallen war. Es sei natürlich alles andere als optimal, dass sich die größte Mountainbike-Veranstaltung in Deutschland und die Cross-Country-Meisterschaft überlappen. Sie haben argumentiert, dass sie verpflichtet sind, die nationale Meisterschaft noch vor den Olympischen Spielen auszurichten und es das einzige Wochenende sei, an dem das noch geht. Die DM wurde aufgrund der Überschwemmungen in Kreis Günzburg Anfang Juni abgesagt und verlegt und bei so einer Konstellation finde ich, muss man seine eigenen Befindlichkeiten als Veranstalter in Kirchzarten auch mal zurückstellen. In der Gesamtteilnehmerzahl wird sich das bei uns kaum auswirken, da sie meisten entweder auf Cross-Country oder Marathon spezialisiert sind. Die Lokalmatadoren von Lexware und Stop&Go Mardeabwehr, die kostet es halt jetzt bei der diesjährigen Veranstaltung, da sie bei der DM starten werden. Das ist ein bisschen schade, aber so ist es jetzt halt.
Frage: Auf welchem Niveau bewegen sich derzeit die Anmeldungen für die vier MTB-Strecken:
Eckmann: Wir sind jetzt bei 2200 Anmeldungen und wir liegen damit leicht über dem Vorjahresniveau, was uns zufrieden stimmt, weil wir ja wettertechnisch ein sehr bescheidenes Frühjahr hatten. Wir hoffen jetzt auf eine längere, stabile Schönwetterphase und dass wir letztendlich auf die 2800 Anmeldungen vom vergangenen Jahr kommen oder knapp drüber landen. Und dann haben wir ja noch die 200 Meldungen für die zwei Gravel-Strecken am Samstag, wir hoffen, dass wir da auf 250 bis zum Wettkampftag kommen.
Frage: Wie hoch ist in der Regel die Zahl der Kurzentschlossenen, die sich in den letzten Tagen vor dem Wettkampf anmelden?
Eckmann: Wir haben im vergangenen Jahr in den letzten drei Wochen vor dem Ultra Bike 700 Anmeldungen bekommen. Es gibt schon viele Kurzentschlossene, ihre Zahl hängt wesentlich von der Wettervorhersage ab. Viele sagen sich, ich zahle gern die 15 Euro mehr in den letzten Wochen, starte aber nur bei trockenem, schönem Wetter.
Frage: Welches Teilnehmergeschenk gibt es in diesem Jahr?
Eckmann: Es gibt ein paar stylische Ultra-Bike-Fahrradsocken von Cuore.
Frage: Wann fällt bei Ihnen die Anspannung wieder ab: Am Wettkampftag, wenn die Mountainbikerinnen und Mountainbiker auf der Strecke sind?
Eckmann: Bei mir fällt die Anspannung am Wettkampf-Sonntag um 17.30 Uhr ab, wenn alle im Ziel sind und nichts Gravierendes passiert ist. Es kann an vielen Stellen etwas schieflaufen, im Short Track ist einmal die Spitzengruppe falsch abgebogen, solche Dinge möchte man natürlich vermeiden und mit guter Organisation ist das möglich. Bei Unfällen und Stürzen ist man größtenteils machtlos. Ich bin deshalb froh, wenn alle wohlbehalten im Ziel sind und man weiß, dass nichts Schlimmes passiert ist.
Mehr Informationen zum ULTRA Bike und ULTRA Gravel finden Sie unter: www.ultra-bike.de und www.ultra-gravel.de .

