Zum Hauptinhalt springen
Nachrichten aus Sasbach, Jechtingen & Leiselheim

Von der alten Yachthafenplanung über Feldpost – das Archiv ist vielseitig bestückt

Archive sind für Kommunen wichtig, weil sie das historische und kulturelle Erbe bewahren, die Verwaltung effizienter machen und Rechtssicherheit bieten. So einfach sich das anhört, so einfach ist das nicht.

Andreas Lauble

Auch in Sasbach, nämlich im neuen Rathaus, befindet sich im Keller ein modernes, gut durchdachtes Archiv, das durch Archivar Andreas Lauble, betreut wird. Der Fachmann ist dabei vom Gemeindeverwaltungsverband Nördlicher Kaiserstuhl angestellt und für die Kommunen Sasbach, Wyhl, Riegel, Endingen, Forchheim und Bahlingen zuständig. Insgesamt betreut Lauble damit 11 Gemeindearchive, bedingt durch die Ortsteile. Die Archive von Sasbach, Jechtingen und Leiselheim bleiben insgesamt für sich als Ortschaft geschlossen und werden nicht vermischt, erklärt der Fachmann weiter.

„Wir verwahren hier in Sasbach nur Originale, von daher sind das alles Einzelstücke und Unikate“, erklärt Andreas Lauble. Eine Verwaltung sei angewiesen, ihr Handeln zu dokumentieren und ja, hier in den besonders klimatisierten Räumen mit einem platzsparenden Rollregal-Anlage ausgestattet, da finden sich auch Geburt- und Sterbeurkunden und jede Menge an Verträgen. Bei den Planungen des Archivs war Lauble im Zuge des Rathausneu- und -umbaus involviert. „Die Kernkompetenz in einem Archiv ist die Bewertung, was hebt man auf und was eben nicht“, erklärt mir Andreas Lauble.

Sasbach Pläne Yachthafen

Die Überlieferung soll so schlank wie möglich gehalten werden, aber alles abdecken. Nun, wenn man mal an sich selbst und zu Hause denkt, dann fällt schnell auf, dass man sich doch gerne mal schwer tut mit all jenen Dingen, die man aufheben möchte. Wann wirft man Unterlagen fort, wann Bankauszüge, alte Korrespondenz, Kinderzeichnungen oder Bücher? Und genau vor diesem Dilemma steht dann auch gerne mal Archivar Lauble.

Laube erinnert, dass der Breisacher Stadtarchivar ab 1985 sechs Jahre lang die Orte Jechtingen und Sasbach im Archiv bearbeitet habe, später übernahm Axel Verderber, ein Archivpfleger diese Aufgabe.

„Die Archive hier im Ort wurden immer wieder neu sortiert, waren in Jechtingen in der Schule und räumlich schlechten Bedingungen untergebracht oder in Sasbach im Keller Rathaus und im Keller beim Rechnungsamt oder der Ortschaftsverwaltung Leiselheim beheimatet.

Girardi Familienarchiv

Jetzt ist alles an einem Ort untergebracht und das mit System. Dieses System ist dringen notwendig, um dann auch wieder bestimmte Unterlagen oder Dokumente zu finden. Andreas Lauble erklärt mir die Signaturen, die es dafür braucht – trotz Archivsoftware.

„Es ist noch viel Pflicht hier im Archiv zu erledigen, weil einfach jahrzehntelang nichts dafür gemacht wurde, aber wenn die Pflicht erfüllt ist, dann kommt auch die Kür“, so Lauble.
Wenn man einmal in den Signaturen blättert, dann findet man die ersten Dokumente aus Sasbach um 1802, aus Jechtingen um 1510 und aus Leiselheim um 1717.

Andreas Lauble lebt seine Berufung als Archivar und kommt schnell gerne ins Schwärmen. So zeigt er mir von 1981 die alten, überaus attraktiven bunten Pläne vom Yachthafenbau am Rhein, „ein Zeitdokument, das fasziniert“, wie er es umschreibt. Für ihn ein wichtiges Thema sind Mitteilungen und Briefe aus dem 2. Weltkrieg, so zum Beispiel die Mitteilung eines Ortsgruppenleiters, wenn jemand gefallen ist. Auch als der Sohn des Ortsgruppenleiters selbst fiel, gab es einen eigenen Brief verfasst zu dieser Tragödie. „Mich berühren Feldpostbriefe, das ist ein wichtiges Thema für mich persönlich“, sagt Lauble.

Ein Jechtinger Schatz

Lithografien, Bücher, Holz- und Stahlstiche – 40 an der Zahl sind eine neue Errungenschaft für das Archiv und stammen allesamt aus Jechtingen. Die Gemeinde konnte diesen Schatz, wie sich Andreas Lauble ausdrückte vom gelernten Buchhändler Peter Sonntag erwerben.

Peter Sonntag hatte gemeinsam mit Ehefrau Anneliese seit 1979 ein Versand-Antiquariat in Jechtingen in der Hauptstraße. 1984 kam der erste Katalog heraus, damals, wie sich Sonntag erinnert, noch mühevoll mit Schreibmaschine geschrieben.

Über 30.000 Positionen waren es schließlich bei Auflösung des Antiquariats, die sich im Computer wiederfanden. Darunter auch jene 40 Unikate, die die Gemeinde nun erwerben konnte. Stahl- und Holzstiche seien der Mode unterworfen, junge Leute würden so etwas gar nicht mehr kennen, erklärt Sonntag. „Für uns war das jetzt eine einmalige Chance so etwas in dieser Dichte zu erhalten“, betont indes der Archivar.

Gerade im 19. Jahrhundert seien die Ansichten von Sponeck oder Limburg und natürlich der Rhein an sich äußerst attraktiv gewesen. Das seien zeitgenössische Ansichten, zwar nicht immer 1:1 originalgetreu, aber im Stil der Zeit. Unter dem Schatz auch Bücher von Pfarrer Locherer von 1825 aus dem Großherzogtum Baden.

Familie von Girardi

Und dann erreichte Bürgermeister Nikolas Kopp vor wenigen Tagen ein Schreiben oder besser gesagt, ein weiteres Highlight für das Sasbacher Archiv.
Vor fast 50 Jahren erhielt das Staatsarchiv Freiburg durch Bürgermeister Jäger Unterlagen der Familie von Girardi. Hierunter auch genauere Erläuterungen der Familiengeschichte.
Die Übergabe an das Staatsarchiv erfolgte seinerzeit als Depositum „zur ständigen Verwahrung“, wobei die Gemeinde Sasbach am Kaiserstuhl weiterhin Eigentümerin der Unterlagen ist. Das Staatsarchiv Freiburg unterzieht seine Bestände derzeit einer kritischen Durchsicht insbesondere hinsichtlich rechtlicher Fragen. Für die genannten Unterlagen gibt es augenscheinlich keine festen Regelungen. Daher wurde Bürgermeister Kopp gebeten, sich zu überlegen, ob es denkbar ist, dem Staatsarchiv Freiburg die Unterlagen zur Familie von Girardi zu schenken oder – falls nicht – die Unterlagen zurückzunehmen und bei der Gemeinde oder im Kreisarchiv Emmendingen aufzubewahren.

Archivar Andreas Lauble hat die Rückführung der Unterlagen nach Sasbach inzwischen veranlasst. Die Originale liegen bereits in Sasbach vor und sollen in naher Zukunft in den Archivbestand der Gemeinde eingegliedert werden. Darunter übrigens unglaubliche alte, hauchdünne und handgeschriebene Dokumente ab 1445.

Text/Fotos: Heike Scheiding

Auch interessant:

Anzeige

Anzeige