Smart Factory wird die „Herzkammer der globalen Produktion“ von Witzenmann
Pforzheimer Traditionsunternehmen transformiert in ein neues, digitales Zeitalter der effizienten Fertigung
Ein historischer Moment für die Witzenmann GmbH: Das Richtfest für das neue Stammhaus im Gewerbegebiet Buchbusch II in Pforzheim markierte nicht nur den Abschluss eines Bauabschnitts, sondern gab den Startschuss für eine umfassende Transformation – hin zu einer Zukunft, die von digitaler Intelligenz, Effizienz und Nachhaltigkeit geprägt ist.

Philip Paschen (links), COO/CDO von Witzenmann, und Dr. Andreas Kämpfe (rechts), CEO von Witzenmann, beim gemeinsamen Betonieren eines Deckenabschnitts im Verwaltungsbau.
Mit einer Rekordinvestition von 43 Millionen Euro allein für die Produktion und zusätzlichen Millionen für das hochmoderne Hochregallager sendet Witzenmann ein klares Bekenntnis zu seinem Gründungsstandort Pforzheim und zum Industriestandort Deutschland, gerade in diesen turbulenten Zeiten.
Smart Factory wird Realität
Im Mittelpunkt dieser Entwicklung steht die Vision einer Smart Factory nach Industrie-4.0-Prinzipien. Sie wurde und wird von Philip Paschen, Gesellschafter und stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung, mit Leidenschaft vorangetrieben. „Das ist sein Baby“, Paschen sei der Vater des Projekts, erklärte Witzenmann-CEO Dr. Andreas Kämpfe.
Im Interview erläuterte Paschen, der auch Mitglied im Transformationsbeirat TraFoNetz Nordschwarzwald ist, die Notwendigkeit dieser digitalen Transformation, übrigens nicht die erste in der 171-jährigen Geschichte des Traditionsunternehmens.
Der bisherige Produktionsstandort an der Östlichen in Pforzheim war demnach durch seine Struktur, fehlende Vernetzung und räumliche Enge an seine Grenzen gestoßen. „Die Vernetzung der Maschinen war eine große Herausforderung, schon allein wegen der unzureichenden WLAN-Abdeckung“, erklärt er.

Beim Rundgang erlebten die Richtfest-Gäste die beeindruckende Größe der künftigen Produktionshallen der Witzenmann GmbH.
Im neuen Leitwerk Buchbusch II wird diese Herausforderung von Grund auf gelöst. Die gesamte Produktion wird auf einer Ebene stattfinden, was die vollständige Vernetzung aller Anlagen und sogar der Gebäudeautomation massiv erleichtert. Paschens Vision ist ein vollständig digital gesteuerter Fertigungsfluss ohne Papier. Maschinen sollen künftig nicht nur Daten liefern, sondern auch miteinander kommunizieren, Material anfordern und die Produktion autonom steuern können. Ergänzt wird dies durch den Einsatz von fahrerlosen Transportsystemen (FTS), die den Materialfluss optimieren.
Die Zukunft der Fertigung
Die Planung der Produktion wird ebenfalls revolutioniert. Ein zentrales, Cloud-basiertes Manufacturing Execution System (MES), entwickelt von einem Partner aus Linz/Österreich, wird zum Herzstück der Smart Factory. Dieses MES zieht Daten aus der Produktion, kombiniert sie mit Auftragsdaten aus dem SAP-System und generiert Produktionsvorschläge.

Witzenmann-Aufsichtsratsvorsitzender Prof. Manfred Broy sieht in dem Bauprojekt einen Vertrauensbeweis des Unternehmens in die Zukunft.
Die Entscheidung, diese Daten in die Cloud zu verlagern, sei zwar nicht alltäglich, ermögliche jedoch eine flexible Nutzung der Daten, so Paschen. Um den wertvollen Datenschatz zu schützen, wird eine umfassende Sicherheitsarchitektur mit Edge-Komponenten und einer sogenannten demilitarisierten Zone (DMZ) implementiert.
Als weiteren Eckpfeiler der Smart Factory nennt er den verstärkte Einsatz von cyber-physischen Systemen und Robotern. Witzenmann plant einen umfassenden Robotikplan, der den Einsatz verschiedenster Robotertypen vorsieht – von großen Industrierobotern bis hin zu kleinen Pickrobotern. Ziel ist es, den Automatisierungsgrad schrittweise zu erhöhen, um steigenden Lohnkosten und dem Mangel an Fachkräften zu begegnen.
Nachhaltigkeit und Lernort
Das künftige Witzenmann-Stammhaus ist nicht nur technologisch wegweisend, sondern auch ein Vorbild in Sachen Nachhaltigkeit. Es wird vollständig elektrifiziert und bilanziell treibhausgasneutral betrieben. Eine riesige Photovoltaikanlage mit 1,2 MWp Leistung (entsprechend der Größe von 27 Tennisfeldern) auf dem Dach und dezentrale Speichertechnologien sollen einen hohen Autarkie-Grad ermöglichen. Auch logistisch ist das Werk auf maximale Effizienz ausgelegt, mit vier Überladebrücken und einem optimierten Entsorgungssteg.
Darüber hinaus ist das neue Werk als Lernort konzipiert. Neben Bereichen für Ausbildung und Weiterbildung wird es ein Werker-Café geben. Das digitale Labor zieht ebenfalls in den Buchbusch und wird in die Fertigung integriert, ebenso wie die Azubi-Werkstatt.

Richtfest der Firma Witzenmann im Gewerbegebiet Buchbusch in Pforzheim für die Smart Factory auf einer Fläche von 23.000 Quadratmetern
Strategische Zukunft
Dr. Andreas Kämpfe betonte die tiefgreifende Transformation, die der Bau des neuen Stammhauses für das Unternehmen bedeutet: „Es wird die Herzkammer unserer globalen Produktion.“ Prof. Dr. Dr. h.c. Manfred Broy, Aufsichtsratsvorsitzender, hob die strategische Bedeutung des Projekts als Beweis für das Vertrauen in die Zukunft und die Fähigkeiten von Witzenmann hervor.
Mit dem neuen Leitwerk im Buchbusch wird Witzenmann künftig seine breite Produktpalette – von Metallschläuchen und Kompensatoren bis hin zu Komponenten für Wasserstoffanwendungen und die Chipindustrie – noch effizienter fertigen. Der bisherige Standort an der Östlichen wird sukzessive konsolidiert, aber Paschen zufolge bewusst unbeplant gelassen, um Flexibilität für zukünftige Entwicklungen zu wahren. Langfristig wird Witzenmann in der Region auf zwei Standorte konsolidieren: Buchbusch in Pforzheim und Remchingen im benachbarten Landkreis Enzkreis.


