Social Media: Zeitverschwendung oder echter Vertriebskanal?
Vier Profis, vier Perspektiven, geballte Marketingkompetenz aus den eigenen Reihen
Wie viel Geschäft steckt tatsächlich in Social Media? Und wann wird aus digitaler Sichtbarkeit ein messbarer Vertriebserfolg? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Mitglieder-Talk des Marketing-Clubs Offenburg/Ortenau am Montagabend, 12. Oktober, im Hubert Burda Tower in Offenburg.

Clubpräsident Duschan Gert betonte in seiner Begrüßung vor allem die Kompetenz innerhalb des Clubs: „Wir haben in unserem Club Unternehmer, Spezialisten und Hidden Champions, die mit ihrer Kompetenz in Marketing, Vertrieb und Unternehmensführung weit über die Ortenau hinauswirken. Beim Mitglieder-Talk wollen wir genau dieses Wissen aus unseren eigenen Reihen sichtbar machen und miteinander teilen.“
Vier Experten, vier Perspektiven
Moderiert wurde der Abend von Andreas Seltmann.Er ist Unternehmer, Autor, Moderator und Spezialist für Employer Branding. Mit einem Impulsvortrag führte er in das Thema ein und machte deutlich, wie sehr sich das Informations- und Kaufverhalten verändert hat. Kunden informieren sich heute bereits vor dem ersten persönlichen Kontakt über Unternehmen, Produkte und Menschen.
„Die entscheidende Frage ist heute nicht mehr nur, wie wir einen Kunden im persönlichen Gespräch überzeugen. Entscheidend ist, ob wir überhaupt schon auf seiner Liste stehen, bevor dieses Gespräch stattfindet“, so Seltmann.
Auf dem Podium diskutierten Benjamin Discher, (Geschäftsführer der Kresse & Discher GmbH), Daniel Kühn (Kühn Media GmbH), Florian Streif (Weinmanufaktur Gengenbach Offenburg eG) sowie Christoph Rottler-Lavoi (Christian Funk Holding GmbH).
Im Mittelpunkt standen drei Themen: Sichtbarkeit, Vertrauen und Messbarkeit. Welche Plattform passt zu welchem Unternehmen? Welche Rolle spielen Geschäftsführer und Mitarbeitende als persönliche Botschafter? Und vor allem: Wie kann aus Reichweite tatsächlich Geschäft werden?
Unterschiedliche Plattformen, unterschiedliche Aufgaben
Benjamin Discher machte deutlich, dass Social Media nicht pauschal bewertet werden kann. Entscheidend seien das Ziel, die Marke und die Zielgruppe sowie die Frage, welche konkrete Wirkung erreicht werden soll. „Social Media muss auf die Ziele und die Marke einzahlen und Vertrauen schaffen. Im B2C erleben wir Instagram und Facebook beziehungsweise Meta besonders stark, wenn es um Produkte, Abverkauf und Umsatz geht. LinkedIn entfaltet seine Stärke dagegen eher im oberen Bereich der Customer Journey, beispielsweise bei der Steigerung der Sichtbarkeit, der Positionierung und dem Aufbau von Vertrauen“, so Discher.
Die Diskussion zeigte zugleich, dass Algorithmen und Reichweitenmechanismen zwar eine wichtige Rolle spielen, Unternehmen ihren Erfolg aber nicht allein an Likes, Followern oder einzelnen Reichweitenwerten festmachen sollten. Relevant wird Social Media dann, wenn aus Aufmerksamkeit Resonanz, aus Resonanz Nachfrage und daraus messbare Wirkung entsteht.
Auch Daniel Kühn und Florian Streif brachten ihre Erfahrungen mit Content, Bewegtbild, Kundenansprache und Vertrieb ein. Christoph Rottler-Lavoi richtete den Blick insbesondere auf datenbasierte Entscheidungen, digitale Kundenprozesse und die Frage, wie sich Marketingmaßnahmen tatsächlich bewerten und optimieren lassen.
Ein weiterer Schwerpunkt war die zunehmende Bedeutung von künstlicher Intelligenz. KI verändert nicht nur die Erstellung von Inhalten, sondern auch die Art und Weise, wie Kunden recherchieren und Kaufentscheidungen treffen.
Menschen schaffen Vertrauen
Ein gemeinsamer Nenner des Abends war, dass Social Media nicht allein über Unternehmensseiten und technische Reichweite funktioniert. Menschen spielen eine entscheidende Rolle. Geschäftsführer, Vertriebsmitarbeiter, Fachkräfte oder Auszubildende können zu glaubwürdigen Botschaftern eines Unternehmens werden. Gerade im B2B-Geschäft wird häufig bereits lange vor dem ersten direkten Vertriebskontakt Vertrauen aufgebaut. Wer mit relevanten Inhalten Kompetenz zeigt und kontinuierlich präsent ist, kann deshalb einen wichtigen Einfluss auf die spätere Kaufentscheidung ausüben. Das Fazit des Abends lautet daher: Social Media ist weder Selbstzweck noch automatisch ein Vertriebskanal. Entscheidend sind klare Ziele, relevante Inhalte und die richtigen Plattformen sowie eine konsequente Verbindung von Marketing und Vertrieb.
Mit dem „Mitglieder-Talk” fördert der Marketing-Club Offenburg/Ortenau den Erfahrungsaustausch aus den eigenen Reihen. Der Club vereint mehr als 300 Mitglieder aus über 200 Unternehmen und versteht sich als Netzwerk für die Bereiche Marketing, Vertrieb, Kommunikation und Unternehmensführung in der Region.
