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Nachrichten aus Ortenau

So macht die Waldulmer WG ihre Weinberge fit für den Klimawandel

Naturpark und Waldulmer WG informieren Winzer über Humusaufbau in den Reben

Hitzeperioden und Starkregenfälle – durch den Klimawandel nehmen die Extremwetterereignisse zu. Wie können Winzer aus der Region darauf reagieren und ihre Reben klimafit machen? Um diese Frage ging es beim Humus-Feldtag des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord bei seinem Partner Waldulmer Winzergenossenschaft am Freitag (24. Mai) in Kappelrodeck-Waldulm (Ortenaukreis).

Wie können Winzer auf den Klimawandel reagieren? Darum ging es beim Humus-Feldtag des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord bei seinem Partner Waldulmer Winzergenossenschaft in Kappelrodeck.

Johannes Nickel/Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord e. V.

Zu Beginn erklärt der Weinbautechniker und Rebsortenkundler Josef Engelhart von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim, wie der Boden beschaffen sein muss, um gute Weine zu erzielen. Anschließend geht es in die Praxis: Die teilnehmenden Winzer analysieren unter fachkundiger Anleitung die Reben und den Boden visuell. Außerdem nehmen sie Bodenproben für einen Qualitätscheck. Dann bringen die Jungwinzer der Waldulmer WG um Christian Hodapp den selbst hergestellten Traubentrester als hochwertigen biologischen Dünger in den Reben aus.

Die WG ist dafür bekannt, neue Methoden im Weinbau auszuprobieren, um von den Erfahrungen zu profitieren und sich weiterzuentwickeln. „Das erfordert eine gewisse Portion Mut und Selbstvertrauen ins eigene Handwerk“, sagt Paul Hofmann. Er ist Projektmanager für das Humusprojekt beim Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord und arbeitete selbst viele Jahre als Landwirt.

Großes Potential gerade im Weinbau sieht Helen Orth, Klima-Projektmanagerin beim Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord und ausgebildete Winzerin. „Die Weinberge werden über viele Jahre hinweg bewirtschaftet. Dadurch können wir dort gut dazu experimentieren, wie Humusaufbau gefördert werden kann und welche positiven Einflüsse im Weinberg und später im Wein zu erkennen sind“, führt Orth aus.

„Die Landwirtschaft braucht solche Vorbildbetriebe wie die Waldulmer WG, um sich an die Klimaveränderungen optimal anpassen zu können.“ Das unterstützt der Naturpark. Mit den Humus-Feldtagen stellt er genau solche Modellbetriebe in den Mittelpunkt und macht dessen Erfahrungen für alle Interessierten zugänglich. „So schaffen wir ein regionales Netzwerk, von dem alle profitieren“, sagt Hofmann.

Beim Humus-Feldtag des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord brachten die Jungwinzer der Waldulmer Winzergenossenschaft in den Reben selbst hergestellten Traubentrester als hochwertigen biologischen Dünger aus.

Johannes Nickel/Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord e. V.

Gute Weine brauchen gute Böden
Josef Engelhart beschäftigt sich seit zehn Jahren intensiv mit dem Thema Boden. „Aktuell sind die meisten Weinbergböden sehr verdichtet und stark gehemmt in ihrer biologischen Aktivität“, sagt Engelhart in seinem Vortrag „Guter Wein braucht einen durch und durch lebendigen Boden“ beim Humus-Feldtag. Das hat zur Folge, dass der Boden Wasser nicht mehr optimal aufnehmen kann. Dies ist sowohl bei Starkregen als auch bei Hitzeperioden schlecht: Im ersten Fall muss das Wasser größtenteils oberirdisch abfließen. Es kann nicht im Boden versickern und gespeichert werden. Zudem werden wichtige Nährstoffe weggeschwemmt. Im zweiten Fall fehlen die gespeicherten Wasserressourcen im Boden, um für eine Hitzeperiode besser vorbereitet zu sein.

Engelhart erläutert, wie Winzer die Böden in den Reben früher pflegten und welche Lebewesen wichtig für den Boden sind. „Der Boden selbst muss als Lebewesen verstanden und entsprechend sorgsam behandelt werden“, ist der Weinbautechniker überzeugt.

Waldulmer WG nutzt Traubentrester als Humus im Weinberg
Der Humusaufbau ist eine Maßnahme, um Böden an das Klima anzupassen. Ein Boden mit einem hohen Humusanteil ist locker und nährstoffreich. Er erhöht die Wasserspeicherkapazität, bindet klimaschädliches CO2 und sorgt für mehr Biodiversität. Die Waldulmer WG stellt ihren biologischen Dünger durch Traubentrester her – das heißt den Abfällen, die beim Pressen der Trauben entstehen. Insgesamt bewirtschaften 120 Winzer der WG hundert Hektar Rebfläche an den zum Teil steilen Lagen der Vorgebirgszone des Schwarzwalds.

„Wir sind eng mit der Region verbunden und wollen die typische Reblandschaft in der Schwarzwälder Vorbergzone erhalten. Als Anerkennung für diese Arbeit hat der Naturpark die WG im vergangenen Oktober auch als Naturpark-Partner ausgezeichnet“, berichtet der Geschäftsführer der Waldulmer WG, Georg Börsig. „Gemeinsam haben wir bereits den Wilde Sau-Wein begleitend zu Wildschwein-Gerichten kreiert. Da wir auch Humus in unseren Weinbergen aufbauen, war es naheliegend, dass der Naturpark auch einen seiner Humus-Feldtage mit uns veranstaltet.“

Traditionelle Einflüsse der erfahrenen Winzer und innovative Ansätze der Jungwinzer werden in der WG vorbildhaft vereint. „Den Traubentrester als Humus in den Reben auszubringen, ist ideal. So verwerten wir die Trauben komplett und haben keine Abfälle. Der Trester sorgt für einen guten Boden, mit dem wir wiederum super Weine für die WG erzielen können“, beschreibt Jungwinzer Christian Hodapp den Kreislauf.

Hintergrund: So funktioniert das Naturpark-Humusprojekt
Die teilnehmenden Landwirte können auf ein umfangreiches Weiterbildungsangebot zugreifen. In den Seminaren erhalten sie das notwendige Wissen zu Bodenprozessen und Techniken zum Humusaufbau. Zum Angebot gehören mehrtägige Basiskurse, themenspezifische Aufbaumodule, Feldtage auf beispielhaften Höfen und regelmäßige Humus-Treffen zum Praxis-Austausch.
Die Inhalte gestalte die Projektmanager des Naturparks, Paul Hofmann und Helen Orth, gemeinsam mit renommierten Experten aus dem Bereich der regenerativen Landwirtschaft. „Sich auszutauschen und über die unterschiedlichen Möglichkeiten informiert zu sein ist sehr wichtig, weil die Maßnahmen individuell auf den Betrieb abgestimmt sein müssen“, erklärt Hofmann. Bei der Durchführung des Projekts kooperiert der Naturpark mit dem gemeinwohl-orientierten Unternehmen positerra.

Eine finanzielle Unterstützung für die Landwirte und Winzer bei der Umstellung auf eine regenerative Landwirtschaft ermöglichen regionale Partnerschaften. Emittenten wie Unternehmen und Institutionen gleichen über Humusprämien regional einen Teil ihrer Emissionen aus und helfen so Landwirten dabei, Humus aufzubauen. Es handelt sich um einen freiwilligen Beitrag zum Klimaschutz, nicht um den Erwerb von Zertifikaten zur Kompensation.
Teilnehmende Emittenten können über den Naturpark direkt nachvollziehen, in welchen Partnerbetrieben ihre Emissionen ausgeglichen werden. „Das stärkt das Bewusstsein für die Arbeit der Landwirtinnen und Landwirte und schafft vielfältige Möglichkeiten für eine vertiefte, partnerschaftliche Zusammenarbeit“, sagt Hofmann vom Naturpark.

Text/Bild: Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord e.V.

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