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Nachrichten aus Ortenau

Rettungsdienst im Wandel

Der Rettungsdienst ist im Wandel. Bei einem Besuch der DRK Rettungsdienst Ortenau gGmbH sprach Oberbürgermeister Marco Steffens über Potenziale und akute Probleme. Noch ist die Ortenau gut versorgt.

Marcel Frauenschuh und Andreas Scheibel mit Oberbürgermeister Marco Steffens (v. l.) bei der Vorstellung eines Rettungswagens.

Keil

Die gute Nachricht: Der DRK Rettungsdienst in Offenburg und im Ortenaukreis ist sehr gut aufgestellt. Oberbürgermeister Marco Steffens konnte sich bei einem Besuch in der Offenburger Rettungswache von der modernen Ausstattung und der hohen Motivation des Personals überzeugen. Die weniger gute Nachricht: Steigende Kosten und Personalmangel sind auch im Landkreis spürbar.

Für Steffens war es daher ein Anliegen, mit den Führungskräften über mögliche Lösungen zu sprechen. "Für die Bürgerinnen und Bürger stehen die medizinische Infrastruktur und Versorgung an oberster Stelle", betonte er im Gespräch mit Andreas Scheibel und Marcel Frauenschuh. Scheibel hat am 1. Juli die Nachfolge von Michael Haug als Geschäftsführer angetreten. Frauenschuh obliegt als Berufspädagoge die Ausbildung im Haus.

Zu den Aufgaben der DRK Rettungsdienst Ortenau gGmbH zählen die Notfallrettung, der qualifizierte Krankentransport sowie paritätisch der Betrieb der Integrierten Leitstelle Ortenau (ILS). Das bedeutet: Rund 50.000 von insgesamt 120.000 Einsätzen im Landkreis, sieben Rettungswachen (Offenburg, Lahr, Ettenheim, Kehl, Rheinau, Oberkirch, Altenheim) sowie etwa 260 Beschäftigte, die 200 Vollzeitstellen abdecken.

"Derzeit fehlen im Landkreis etwa 60 Personalstellen in der Notfallrettung", informierte Frauenschuh. Da die Anzahl der Auszubildenden limitiert sei, sei es schwierig, das Defizit zu beheben. OB Steffens sprach sich für die Einführung einer Dienstpflicht als mögliche Lösung aus.

"Der Rettungsdienst ist im Wandel", informierte Scheibel. Ein großer Schritt sei 2014 die Einführung des Berufs des Notfallsanitäters gewesen, der zahlreiche lebensrettende Maßnahmen durchführen darf. "Wir können jetzt jeden Notfall abdecken", freut sich der Geschäftsführer. Das fünfte Sozialgesetzbuch hinke jedoch trotz Reformen bei der Berücksichtigung der Leistungen hinterher – genauso wie die Vergütung durch die Krankenkassen.

"Was wir brauchen, ist ein niederschwelliger Zugang zum Gesundheitssystem", forderte der Geschäftsführer. Denn viele Menschen wendeten sich aus Mangel an Ansprechpartnern an die Notrufnummer 112 – selbst, wenn kein echter Notfall vorliege, was eine zusätzliche personelle und finanzielle Belastung der Rettungsdienste bedeute. Mit der Kampagne „Nicht jeder Fall ist ein Notfall“ soll die Bevölkerung sensibilisiert werden.

Probleme bereiten den Notfallsanitätern auch vorsätzliche Behinderung bei der ihrer Arbeit – sei es durch mangelndes Verständnis oder durch fehlende Bereitschaft einzelner Mitmenschen, die eigenen Bedürfnisse einem Notfallgeschehen unterzuordnen.

Im Ortenaukreis sind neben der DRK Rettungsdienst Ortenau gGmbH auch die DRK-Kreisverbände Wolfach und Bühl-Achern, die Malteser, die Johanniter und der ASB für den Rettungsdienst verantwortlich. Alle arbeiten im Notfall eng mit den Feuerwehren, dem THW, der Bergwacht, dem DLRG, der DRK Wasserwacht, dem DRK Hausnotruf, den ärztlichen Diensten (u. a. 116117) und dem Ortenau Klinikum zusammen.

Geschäftsführer Scheibel sprach sich für eine noch stärkere Zusammenarbeit zwischen den Akteuren aus und stieß dabei bei Oberbürgermeister Steffens auf offene Ohren. Besonders im Katastrophenfall seien kurze Wege lebensnotwendig. Als sinnvoll erachtetet der OB außerdem, Drohnen zum Einsatzort schicken zu können. Dies scheitere aber derzeit am deutschen Datenschutzrecht. Steffens unterstützt deshalb die Forderung einer Experimentierklausel im Rettungsdienstgesetz.

Text/Bild: Stadt Offenburg

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