Nun gibt es klare Qualitätsanforderungen
Bürgerbeteiligungsprozess Tram8+: Zukunftsbild vorgestellt
Weil am Rhein. Seit gut einem halben Jahr läuft der Bürgerbeteiligungsprozess, der sich intensiv mit dem Thema Tram8+ beschäftigt. Dabei geht es nicht nur um die Verlängerung der Tram 8 vom Zentrum hinauf nach Alt-Weil, sondern auch um die Neugestaltung des gesamten Straßenraums der Hauptstraße. Dieser Prozess hat mit dem so genannten Perspektivforum seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Hier wurde den Weilerinnen und Weilern die Ergebnisse der umfangreichen Beteiligungsformate präsentiert und die Leitlinien für eine künftige Planung aufgezeigt.

Bürgerbeteiligung Tram 8+: Beim Perspektivforum kamen 130 Bürgerinnen und Bürger ins Rathaus, um sich direkt ein Bild zu machen. Teilnehmende der Begleitgruppe berichteten von ihren Erfahrungen
Andreas Jacob vom Planungsbüro FIRU aus Kaiserslautern machte vor rund 140 Gästen im Großen Sitzungssaal deutlich, dass man sich derzeit noch ganz am Anfang dieses zukunftsträchtigen Projekts befinde: „Es gibt keinen fertigen Plan, wir sehen eine Skizzenzeichnung mit einem riesigen Themenstrauß, den es nun zu bearbeiten gilt.“
Dazu wurde ein Zukunftsbild entwickelt. Dort sind als Leitlinien die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gesamtprozess zusammengefasst. Den Rahmen bilden fünf Leitlinien:
1. Das Zukunftsbild der Stadt Weil am Rhein braucht Ziele, Strategien und Strukturen
2. Der Ausbau der Tram 8+ braucht Transparenz, Teilhabe und Mitgestaltung
3. Der Ausbau der Tram 8+ braucht Ressourcen, Kompetenzen und Kooperationen
4. Bei der Gestaltung der Infrastruktur der Zukunft steht der Mensch im Mittelpunkt
5. Die Tram als Wirtschaftsfaktor soll Mehrwerte für die Gesellschaft und das Stadtbild schaffen und die stadtregionale Vernetzung im Agglomerationsraum stärken
Das Zukunftsbild Tram 8+ nimmt innerhalb des Rahmens insgesamt acht Leitthemen in den Fokus, die bei der Verlängerung der Tram 8 und dem Ausbau der Hauptstraße berücksichtigt werden sollen: Verkehr & Mobilität, Trassenplanung, Innenstadtentwicklung/Hauptstraße, Planungs- und Bauphase, Barrierefreiheit/Sicherheit/Abläufe, Effekte und Wirkungen / zielgruppenorientierte Beteiligung, finanzielle Aspekte sowie stadtregionale Einbindung und Erreichbarkeit.
Das Zukunftsbild ist die Grundlage für die weiteren Planungen. „Es gibt nun klare Qualitätsanforderungen“, so Jacob. Grundsätzlich habe man bislang geprüft, stellte Jacob etwas vereinfacht da, ob eine Tram denn überhaupt unterzubringen ist. „Die vielen, vielen Details stehen noch aus. Und bei diesem weiteren Prozess ist klar, dass der künftige Planer nicht im stillen Kämmerlein operieren kann.“
Denn: Es gibt den einhelligen Wunsch der Begleitgruppe weiterzumachen. Diese Begleitgruppe war ein Format des Beteiligungsprozesses in den vergangenen Monaten. Rund 20 Bürgerinnen und Bürger hatten sich gemeldet und haben, stellte Patrick Torakai lobend fest, diesen Weg bislang konstruktiv und kritisch begleitet. Fünf Teilnehmende dieser Begleitgruppe blickten anlässlich des Perspektivforums auf die vergangenen Monate zurück, berichteten von ihren Erfahrungen und richteten auch den Blick in die Zukunft.
Ziel des Bürgerbeteiligungsprozesses war und ist verschiedene Altersgruppen anzusprechen, was, so stellte Torakai fest, nur bedingt gelungen sei. Gerade die Jugendlichen waren bisher, obwohl das Projekt Tram8+ weit in die Zukunft strahlt, eher unterpräsentiert. Und das, obwohl einige Versuche unternommen wurden, über die Stadtjugendpflege und das Jugendparlament junge Menschen zum Mitmachen zu gewinnen. Torakai: „Es geht hier um das Mitgestalten der Zukunft.“
Die Vertreterinnen und Vertreter der Begleitgruppe heißen, so wie 2/3 der Teilnehmenden an der Online-Beteiligung eine Verlängerung der Tram 8+ und die Neugestaltung der Hauptstraße grundsätzlich gut. Allerdings gelte es nun intensiver auf die Fragen unter anderem zu den Themen Parkmöglichkeiten, Radverkehr, Grünstreifen, Gewerbe oder Anwohnende einzugehen.
Jacob betonte am Ende nochmals, dass man sich noch in der ersten Prozessphase befinde. „Hier wurden Themen angetippt. Jetzt muss man dranbleiben. Jetzt liegt ein Leistungsprofil für die Planer vor. Bei detaillierten Planungen wird nichts unter den Tisch fallen.“
Auch die Finanzierung ist und bleibt ein wichtiges Thema. Oberbürgermeister Wolfgang Dietz erklärte, dass er damit rechne, dass 75 bis 80 Prozent der Investitionskosten durch Fördermaßnamen abgedeckt seien. Dietz: „Das ist bei allen Schwierigkeiten derzeit für die Stadt leistbar.“
Wie geht es weiter? Die Verwaltung wird im März den Gemeinderat in einem ersten Schritt über den Bürgerbeteiligungsprozess informieren, die Leitlinien bekannt geben und die Empfehlung aussprechen, den Prozess der Bürgerbeteiligung weiter fortzuführen. Erst im zweiten Schritt, wenn die Betriebskosten und die Höhe der Zuschüsse konkret sind, soll dann der "Billigungsbeschluss" folgen.
Weitere Infos, Präsentationen und Dokumentationen gibt es auf der Homepage der Stadt Weil am Rhein unter https://www.weil-am-rhein.de/start/rathaus/tram8plus


