Großes Engagement auf allen Ebenen
Ukraine-Krieg: Im Rathaus laufen die Fäden zusammen / Alle Ämter sind involviert
Weil am Rhein. Der schreckliche Ukraine-Krieg bewegt die Menschen: viele wollen helfen. Auch in Weil am Rhein ist die Hilfsbereitschaft enorm. Die Weilerinnen und Weiler setzen sich auf verschiedenste Art und Weise ein. Sie bieten Geflüchteten eine Unterkunft an, spenden oder sammeln Geld, unterstützen mit Sachspenden oder bieten ihre Arbeit vor Ort an, stehen den Geflüchteten zur Seite. Auch im Rathaus ist das Engagement riesig. Neben dem normalen Alltagsgeschäft und dem Corona-Virus und den derzeit immer wieder Höchststände verbuchenden Corona-Zahlen ist der Ukraine-Krieg in den Fokus der täglichen Arbeit gerückt.
Neben dem normalen Alltagsgeschäft und dem Corona-Virus ist auch der Ukraine-Krieg mit all seinen Auswirkungen verstärkt in den Fokus der täglichen Rathaus-Arbeit in der 3-Länder-Stadt gerückt.
Mehr als 150 Personen aus der Ukraine, darunter viele Frauen und Kinder, sind bislang allein in der 3-Länder-Stadt angekommen und haben sich im Rathaus gemeldet. Und es werden täglich mehr. Die Ausländerbehörde steht den leid geplagten Menschen und ihren Verwandten und Freunden, wo sie zumeist Unterschlupf finden, mit Rat und Tat bei der Registrierung zur Seite.
Die Anmeldung ist auch Voraussetzung dafür, dass die Geflüchteten, können sie ihren Lebensunterhalt nicht selbstständig sicherstellen, Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten. Entsprechende Anträge werden beim Landratsamt beziehungsweise bei der Abteilung für Soziales, Schulen und Sport bearbeitet. Hier ist der zuständige Sachbearbeiter derzeit ein viel gefragter Mann. Er nimmt dann auch mit der Stadtkasse zusammen so unbürokratisch wie nur möglich die Bar-Auszahlung vor Ort vor. Um den Geflüchteten schnell zu helfen und um ihnen Wege zu ersparen, hat die Stadt mit dem Landkreis die Auszahlung im Rathaus vereinbart.
Die Drähte in Sachen Ukraine-Krieg und seine erheblichen Auswirkungen, die auch Weil am Rhein vor große Herausforderungen stellt, laufen bei der Flüchtlingsintegration und im Hauptamt zusammen. Die Referentin für Flüchtlingsintegration, Anu Karjalainen, und ihre Mitarbeiterin sind in diesen Tagen besonders gefordert. Das Telefon steht kaum einmal still und das E-Mail-Postfach quillt über. Anfragen zur Unterbringung, vielfältige Hilfsangebote, die Suche nach Wohnraum, die Bestellung von Einrichtungsgegenständen oder die Verteilung der Sachspenden, wie Töpfe, Bettdecken, Geschirr oder Handtüchern, all das läuft hier auf. Die Koordination, die Planung, die Abnahme von angebotenem Wohnraum und die Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sind in diesen Tagen, in der heute schon nichts mehr so sein kann, wie es gestern noch war, wichtig und entscheidend.
Geht man nach den ersten vorsichtigen Schätzungen aus, wonach knapp 400 Geflüchtete in Weil am Rhein untergebracht werden müssen, so steht allen Beteiligten eine echte Mammutaufgabe bevor. Erst recht, wenn Karjalainen deutlich macht, dass man im Jahr 2016 das bisher mit 190 Flüchtlingen intensivste Jahr erlebt hatte. Karjalainen: „Nun liegen wir schon bei 150 Personen innerhalb von nur zwei Wochen. Und die Zahlen werden weiter steigen.“
Hier gilt es für die Stadtverwaltung Wohnraum anzubieten beziehungsweise zu schaffen. Über die Städtische Wohnbau und die Baugenossenschaft Haltingen-Weil können Schritt für Schritt erst einmal rund 30 Wohnungen zur Verfügung gestellt werden, die momentan noch hergerichtet und möbliert werden. Daher ist die Verwaltung dankbar, dass der überwiegende Teil der Ukrainerinnen und Ukrainer kurzfristig bei Familienangehörigen, Verwandten, Freunden, aber auch hilfsbereiten Bürgerinnen und Bürgern unterkommen können. Derzeit sind etwa 20 Personen in städtischen Unterkünften untergebracht.
Den Geflüchteten will die Stadt langfristig eine sichere Unterkunft bieten, wenn möglich am selben Ort. Darauf konzentriert sich derzeit auch die Suche. Noch immer hält die Stadt deshalb Ausschau nach leerstehendem Wohnraum, der längerfristig zur Verfügung steht und den die Stadt entsprechend anmieten würde. Angebote können per Mail unter
Viele Wohnungen indes müssen eingerichtet werden, besitzen weder Küchen, Betten noch Geschirr. Malerarbeiten oder kleinere Reparaturarbeiten müssen in dem einen oder anderen Fall ebenfalls noch erledigt werden. Auch hier werden die städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig. Während der Betriebshof die handwerklichen Arbeiten erledigt, hat das GMU dieser Tage erst einen Auftrag für knapp 30 Küchen eingetütet oder die Mietverträge abgewickelt, während im Hauptamt beispielsweise nach Betten und Matratzen Ausschau gehalten wird.
So einiges kam auch bei einer spontanen Sachspenden-Sammelaktion im Rathaus zusammen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Bürgerinnen und Bürger brachten Geschirr, Bettwäsche, Hygieneartikel oder auch Töpfe mit, die sortiert wurden und nun an die Geflüchteten verteilt werden sollen. Hier sind auch die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer des Willkommenskreises Weil am Rhein mit großem Engagement mit von der Partie.
Und auch die Freiwillige Feuerwehr Weil am Rhein packt an. So unterstützen die Floriansjünger tatkräftig beim Einrichten der Wohnungen und auch beim Transport der Betten und Matratzen.
Mehrmals die Woche tagt im Rathaus der jüngst gebildete Ukraine-Stab. Die Verwaltungsspitze, die verschiedenen Amtsleiterinnen und Amtsleiter sowie die Referentin für Flüchtlingsintegration stecken dann die Köpfe zusammen, um die aktuelle Situation zu beleuchten, Themen zu besprechen, Fragen zu klären und wichtige Entscheidungen zu treffen. Dabei spielt neben dem Status Quo auch der Blick in die Zukunft eine wichtige Rolle. Zuletzt kam das Gremium am Montagmorgen zusammen, ein weiteres Treffen ist für Donnerstag eingeplant. Ein Thema war einmal mehr die Unterbringung, und dabei insbesondere die Frage nach den Wohnraum-Alternativen, wenn der Zustrom der Menschen aus der Ukraine weiterhin diese Dynamik aufweisen wird.
Auch über die Teilnahme ukrainischer Kinder am Schulunterricht wurde gesprochen. Zwar, so erläuterte Hauptamtsleiterin Annette Huber, bestehe die ersten sechs Monate keine Schulpflicht, doch hätten die Mädchen und Jungen ein Recht auf die Teilnahme am schulischen Unterricht. Schülerinnen und Schüler bis neun Jahre können sich an die nächstgelegene zuständige Grundschule in ihrem Stadtteil wenden, für Kinder und Jugendliche von zehn bis 16 Jahren ist zunächst die Gemeinschaftsschule die erste Anlaufstelle.
Plätze in Kindergärten stehen aller Voraussicht nach aufgrund der bereits zuvor schon angespannten Personalsituation (fehlende Erzieherinnen und Erzieher) indes erst einmal nicht zur Verfügung. Hier prüft die Stadtverwaltung gerade Alternativangebote. Auch hier wolle man eine Lösung anbieten, die ebenso unkompliziert wie einfach daherkomme.
Die Volkshochschule reagiert kurzerhand auf die aktuellen Geschehnisse und bietet für Ukrainerinnen und Ukrainer Erstorientierungskurse in Deutsch an. Interessenten melden sich bei der VHS per Mail unter
Des Weiteren ist auch die Pressestelle der Stadt involviert. Neben den Presseanfragen zu verschiedensten Themen, die die 3-Länder-Stadt betreffen, ist natürlich der Ukraine-Krieg in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Hier gilt es sämtliche Neuigkeiten oder Änderungen zeitnah auf der Homepage zu integrieren. Dieser Leitfaden für Geflüchtete, aber auch für deren Helferinnen und Helfer, ist unter
Hilfe für die Ukraine | Weil am Rhein | Weil am Rhein (weil-am-rhein.de) zu finden und enthält quasi alle Antworten zu den wichtigsten Fragen rund um die Unterbringungen, Leistungsbezug, Hilfe oder Impfung.
Die Verwaltungsspitze um Oberbürgermeister Wolfgang Dietz, den Ersten Bürgermeister Rudolf Koger und Bürgermeister Martin Gruner ist in Sachen Ukraine-Geflüchtete ebenfalls sehr gefordert. Verschiedenste Videokonferenzen mit dem Landkreis oder dem Städtetag stehen ebenso fast täglich auf dem Programm, wie die Erledigung von wichtigen Telefonaten mit weiteren Behörden und Dienstleistern, die allesamt zur Lösung von Schwierigkeiten, die aktuell schnellstmöglich beiseite geräumt werden müssen, beitragen. Nicht zuletzt muss das Trio weiterhin die üblichen Arbeiten ihrer Ressorts im Blick haben.
Denn klar ist: Das normale Tagesgeschäft läuft in allen Ämtern, auf allen Ebenen und Schreibtischen unermüdlich weiter. So gilt es in diesen Tagen unter anderem bereits die nächste Corona-Impfaktion am 26. März aufzugleisen, die selbstverständlich auch den Menschen aus der Ukraine offensteht. Im Rathaus wurde extra ein Impfflyer in ukrainischer Sprache entworfen. Auch Impfunterlagen werden am Samstag in der Muttersprache der Geflüchteten ausgehändigt.
Außerdem werden die nächsten Ausschusssitzungen des Gemeinderats vorbereitet, Bauprojekte, wie der Rathaus-Erweiterungsbau oder der Radweg Alte Straße, betreut und vorangetrieben, große und kleine Bürgeranfragen und -anliegen bearbeitet und beantwortet, den Jubilaren zu gratuliert, allerhand Rechtsfragen geklärt, Rechnungen geprüft, Vorstellungsgespräche geführt, Müll aufgesammelt, Grünflächen gepflegt. Kurzum: Die Stadtverwaltung steht als Dienstleister auch in der aktuellen Lage allen Bürgerinnen und Bürgern kompetent und verlässlich zur Seite.