Den Stolperfallen auf der Spur
Lebenslexikon: Stadtjugendpflege gibt Ratgeber für Jugendliche heraus
Weil am Rhein. Lebenswirklichkeit auf Papier: Ein Lebenslexikon für Jugendliche mit allen wichtigen Themen, die in diesem Alter eine wichtige Rolle spielen, liegt nun aus. Dass das Erwachsenwerden wahrlich keine einfache Geschichte ist, dies erfahren die Verantwortlichen in der Jugendarbeit tagtäglich. Egal, ob es nun um Versicherungen, Geld, Gesundheit, die erste Wohnung oder Sexualität geht, alle Themen werden in diesem Werk beleuchtet.

Zur Freude des Teams der Stadtjugendpflege um (v.l.) Andrej Kaltenbacher, Verena Eyhorn, Akebia Gayer und Johanna Greve sowie von Alexandra Sieberer (direct help future gGmbH) ist das Lebenslexikon nun fertiggestellt.
„Uns ist bei unserer Arbeit mit den Jugendlichen immer wieder aufgefallen, dass junge Menschen teilweise keine Haftpflichtversicherung besitzen, sich nicht arbeitslos oder arbeitssuchend melden, sich nicht mit finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten in Ausbildung oder Studium auskennen“, erklärt Stadtjugendpflegerin Verena Eyhorn.
„Wir haben uns immer wieder die Frage gestellt: Wer erklärt all die wichtigen Dinge, wenn es die Eltern nicht tun?“, erklärt Eyhorn. „Natürlich kann Vieles im Internet gesucht und nachgelesen werden. Jedoch erinnert keine Suchmaschine beispielsweise daran, eine Haftpflichtversicherung abzuschließen.“ Es brauche zunächst doch erst einmal eine Wissensgrundlage, um sich dann auch informieren zu können. „Und selbst dann gibt es ja unheimlich viele Infos, die einen oftmals auch erschlagen. Deswegen haben wir versucht, das Wichtigste und Nötigste auf Papier zu bringen.“
Die Mitarbeitenden der Stadtjugendpflege Weil am Rhein waren sich einig, dass sie selbst tätig werden müssten. Der ursprüngliche Plan, einen Workshop zu veranstalten, wurde fallen gelassen. „Wir haben schnell gemerkt, wie groß die ganze Sache wird und dass wir mehr junge Menschen erreichen wollen, und nicht nur die, die unsere Jugendzentren besuchen“, erklärt Eyhorn.
Und so fingen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtjugendpflege an zu schreiben. „Immer, wenn es die Zeit zugelassen hat, haben wir daran gearbeitet“, blickt Eyhorn zurück. Man sei immer wieder in den Austausch mit jungen Menschen gegangen. „Da waren auch ehemalige Besucherinnen und Besucher der Jugendzentren dabei, die gerade daheim ausgezogen waren und uns aus erster Hand von den Stolpersteinen berichten konnten.“
Diese Hinweise habe man über- und in den vielen verschiedenen Kapitel des Lebenslexikons aufgenommen und entsprechend ausgearbeitet. Der Bekanntenkreis wurde mit ins Boot geholt, die die einzelnen Kapitel auf Richtigkeit geprüft oder sogar gänzlich verfasst haben. „Wir waren auch im Austausch mit anderen Sozialarbeiterinnen und -arbeitern, die uns auf weitere Problematiken beim Erwachsenwerden hingewiesen haben“, sagt Eyhorn.
Und immer wieder seien Alltagssituationen dazugekommen, wo die Autoren selbst dachten, dass exakt diese Begebenheit unbedingt ins Lebenslexikon hinein müsse. Solche Situationen habe es immer wieder und bis zum Schluss gegeben. „Das ist quasi eine neverending story“, weiß Eyhorn. Deshalb war man sich sicher, dass nun Redaktionsschluss sein müsse.
„Jetzt ist das Wichtigste drin“, freut sich Eyhorn und verweist auf die 118 Seiten voll mit wichtigen Infos. 118 Seiten würden nach sehr viel klingen, doch seien die einzelnen Kapitel kurzgehalten und auch leicht zu lesen. „Wir haben versucht, komplexe Themen jugendgerecht und anschaulich zu erklären.“
700 Exemplare wurden in den Druck gegeben. „Und das ganz bewusst“, so Eyhorn, schließlich beinhalte das Lebenslexikon viele Themen, deren Inhalte sich rasch änderten. „Die Inhalte sind sehr dynamisch. So wurde während der Fertigstellung aus dem Arbeitslosengeld das Bürgergeld“, erklärt Eyhorn. Und deshalb werde man das Lebenslexikon immer wieder anpassen.
Für Eyhorn steht fest, dass das Lebenslexikon in den Abschlussklassen der Weiler Schulen vorgestellt wird und bei Interesse auch ausgehändigt werden soll. Des Weiteren steht die Datei ab sofort unter www.weil-am-rhein.de/lebenslexikon zum Download bereit. Nicht zuletzt werde man über den eigenen Instagram-Kanal für das Werk werben und auf die Stellen hinweisen, wo das Lebenslexikon neben den Jugendzentren noch erhältlich ist. „Außerdem würden wir auch gerne noch auf Vereine zugehen, da es sich ja auch an junge Erwachsene richtet, die vielleicht schon gar nicht mehr in Weil zur Schule gehen.“
Unterstützt wurde das Lebenslexikon-Projekt von der direct help future gGmbH (www.dhbf.de), die für die Druckkosten 1000 Euro beisteuerte.


