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Nachrichten aus Heidelberg

START-UP-DYNAMIK ZWISCHEN SCHLOSS UND SCIENCE PARK

In Heidelberg, einem der deutschen Gründer-Hotspots, zeigt sich, wie Forschung und Unternehmergeist zusammenwirken. Start-ups bringen nicht nur KI und Biotech voran, sondern auch ganz praxisnah die Digitalisierung im Handwerk.

Gruenderteam Wattro

Heidelberg gilt längst nicht mehr nur als Universitätsstadt mit reicher Forschungstradition, sondern hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der aktivsten Start-up-Standorte Deutschlands entwickelt. Im Umfeld zu Berlin und München rangiert die Stadt unter den bundesweiten Spitzenreitern, angetrieben von einer dichten Forschungslandschaft, starken Netzwerken und einem wachsenden Ökosystem rund um den Heidelberg Innovation Park (hip). Hier entstehen zahlreiche junge Unternehmen, die aus Wissenschaft, Technik und Unternehmergeist neue Geschäftsideen formen. Die Palette reicht von KI-Start-ups wie Aleph Alpha über Biotech-Firmen wie Hummingbird Diagnostics bis hin zu digitalen Plattformen wie Getsafe oder Instaffo.

Doch Innovation aus Heidelberg findet nicht nur in Laboren und Rechenzentren statt. Auch im Handwerk zeigt sich, wie Start-ups traditionelle Branchen modernisieren können.

Hightech für Hammer und Hobel

Ein Beispiel ist Wattro, ein junges Technologieunternehmen aus Heidelberg, das sich auf die digitale Verwaltung von Werkzeugen und Maschinen spezialisiert hat. Das System sorgt dafür, dass Handwerksbetriebe jederzeit wissen, wo und in welchem Zustand ihre Betriebsmittel sind und zwar vom Akkuschrauber bis zum Firmenfahrzeug. Fehlende Geräte, lange Suchzeiten und unklare Zuständigkeiten gehören damit der Vergangenheit an. Das spart Zeit und damit auch Geld.

„Viele Betriebe verlieren im Alltag wertvolle Zeit, weil Werkzeuge nicht auffindbar sind oder Prüfungen übersehen werden“, erklärt Anton Trojosky, Geschäftsführer und Mitgründer von Wattro. „Unser System macht diese Abläufe transparent, automatisch und ohne zusätzlichen Aufwand.“ Gemeinsam mit Pius Warken, Julius Henn und Bastian Boger hat er ein System entwickelt, das mit RFID-Technologie und maschinellem Lernen den Überblick über Betriebsmittel automatisiert. Werkzeuge werden mit Funketiketten versehen, die beim Verlassen des Lagers automatisch erkannt und zugeordnet werden.

Wattro App scannt Gerät

Was zunächst als Nebenprodukt aus der Entwicklung eines elektrischen Leichtfahrzeugs entstand, ist inzwischen eine praxiserprobte Lösung, die in der Region breite Anwendung findet. Auch einige Handwerksbetriebe aus Heidelberg, darunter Maler Eck, Malerwerkstätte Hauck, Grundstückspflege Müller und die Schreinerei Salamon, setzen bereits auf die Technologie. Auch weitere Unternehmen über die Metropolregion Rhein-Neckar hinaus nutzen mittlerweile das System zur digitalen Betriebsmittelverwaltung.

„Wir alle haben selbst einen technisch-akademischen Background und wollten etwas schaffen, das im Alltag funktioniert und kein digitales Luftschloss ist“, erklärt Trojosky. „Unsere Stärke ist, dass wir eng mit den Betrieben in der Praxis zusammenarbeiten und ihre Rückmeldungen direkt in die Weiterentwicklung einfließen lassen.“ 

Wattro steht in einer Reihe erfolgreicher Start-ups aus Heidelberg. Die zwei Geschäftsführer, Pius Warken und Anton Trojosky, zählen übrigens zu den Mitgründern des Heidelberger E-Bike-Herstellers Coboc, der sich längst als feste Größe in der Fahrradbranche etabliert hat. Mit Wattro setzen sie nun auf ein neues Feld und zeigen, wie vielfältig Unternehmertum in der Region geworden ist.

Heidelberg profitiert von dieser Vielfalt. Neben der dominierenden Life-Science- und KI-Szene entstehen zunehmend technologieorientierte Unternehmen, die direkt auf mittelständische Strukturen einzahlen. Die Stadt hat sich damit zu einem Scharnier zwischen Forschung, Handwerk und Industrie entwickelt und zeigt, dass Start-up-Dynamik nicht nur in Großstädten funktioniert, sondern auch in einem Umfeld mit Tradition und Handwerkstiefe.

„Heidelberg bietet ein einzigartiges Ökosystem“, sagt Trojosky. „Hier treffen technisches Know-how, wissenschaftliche Exzellenz und Unternehmergeist aufeinander. Das ist der perfekte Boden für Innovation.“

Text/bilder: Gabriele Jung

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