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Nachrichten aus Emmendingen

Wir alle sind Familie

Offenes Gespräch über Elternsein in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung

Es gibt Termine im Kalender eines Bürgermeisters, die sind etwas ganz Besonderes. Dazu gehören zum Beispiel die Besuche bei frisch gebackenen Eltern. Der jüngste Termin dieser Art verdeutlichte, wie vielseitig das Konstrukt Familie sein kann, denn Thomas Gedemer war zu Gast bei Sandra Teplica (rechts) und Ulrike Dahl. Die beiden Frauen sind seit drei Jahren ein Paar und seit September Eltern eines kleinen Jungen namens Lino.

In einer gemütlichen Atmosphäre, bei selbst gemachten Cupcakes und Kaffee, kamen Thomas Gedemer und die beiden Frauen schnell ins Gespräch. Sandra Teplica, die ihren kleinen Sohn während des Gesprächs im Arm hielt, hat ihre Wurzeln in Herbolzheim. Sie arbeitet im U3-Bereich einer Kita und spielt Handball. Der Sport ist eine gemeinsame Leidenschaft, denn auch Ulrike ist Handballerin. Sie stammt aus Freiburg und arbeitet als Physiotherapeutin. Der Handball hat noch eine größere Bedeutung ihrer Beziehung: Denn obwohl man sich schon lange kannte, war es am Ende das Dreikönigsturnier in Kenzingen, das die beiden einander näherbrachte. Die Corona-Pandemie schweißte beide noch enger zusammen, so dass sie seitdem auch ihr Zuhause teilen.

Dank der Möglichkeit einer künstlichen Befruchtung bereichert der kleine Lino nun das Leben von Ulrike und Sandra. Offen erzählen die beiden Mamas, wie die Menschen in ihrem Umfeld auf den Kinderwunsch in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung reagierten. In Gesprächen habe sie gemerkt, dass das Thema Kinderwunsch viele Frauen umtreibt, so Ulrike, die leibliche Mutter von Lino. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Menschen öffnen, wenn man selbst offen über dieses Thema spricht. Vielleicht hilft es ja jemandem, wenn man weiß, dass man mit dieser Thematik nicht alleine dasteht, sondern dass es noch andere Menschen gibt, die sich mit dem Prozess einer künstlichen Befruchtung auseinandersetzen müssen, sei es in gleichgeschlechtlichen Beziehungen oder bei Mann und Frau.

Doch Hürden bleiben: Die aktuelle Gesetzeslage erschwert es unverheirateten gleichgeschlechtlichen Paaren, ein Kind zu adoptieren. Sandra und Ulrike lassen sich davon nicht entmutigen und wollen diesen Weg trotzdem gehen. Zurzeit gilt Ulrike als Alleinerziehende, obwohl die beiden Frauen seit mehreren Jahren ein Paar sind, zusammenleben und sich gemeinsam um ihren Sohn kümmern. Auch eine Elternzeit bleibt Sandra aktuell verwehrt. Doch die Freude über ihr gemeinsames Kind trübt diese Tatsache nicht. Sie nehmen die Herausforderungen an und sind einfach nur glücklich, dass sie sich ihren Kinderwunsch erfüllen konnten.

Die Definition einer Familie geht heute weit über das altbekannte Bild von Vater-Mutter-Kind hinaus. „Die Welt ist bunt, für uns ist das ganz normal“, sagen beide Frauen. Die Selbstverständlichkeit, mit der Ulrike und Sandra Fragen über ihr Leben beantworten, beeindruckt und führt gleichzeitig vor Augen, dass Elternsein nicht nur etwas mit Biologie zu tun hat, sondern mit der gemeinsamen Verantwortung, ein Kind in einer liebevollen Umgebung großzuziehen.

Wir wünschen der jungen Familie von Herzen alles Gute und hoffen, dass ihre Geschichte auch anderen Mut macht.

 

Text/Bild: Stadt Herbolzheim

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