Narri – Narro, Helau und AJO! - Die Geschichte des Fasching
Ursprung, Bedeutung und Tradition der 5.Jahreszeit
Fasnet oder Fasching gehört für viele zu den Highlights des Jahres. Aber Narri Narro, Helau ,Ajo und viele andere Rufe zur fünften Jahreszeit werden wir auch 2022 kaum auf unseren Straßen hören. Auch in diesem Jahr müssen wir wieder größtenteils darauf verzichten. Corona macht den Faschingsbegeisterten schon wieder einen Strich durch die Rechnung.

Egal ob beim Fasching in Baden, der Fastnacht in Mainz, der Fasnet im schwäbisch-alemannischen Raum oder beim Karneval im Rheinland – die meisten Umzüge sind aufgrund der Corona-Pandemie erneut abgesagt. Zwar gibt es da so einige Online – Angebote, aber das kann Fasnet wie es üblicherweise gefeiert wird, nicht ersetzen. Schwelgen wir also erneut wieder in Erinnerungen an vergangene Faschingsveranstaltungen und hoffen, dass im nächsten Jahr die 5.Jahreszeit wie gewohnt wieder stattfinden kann und machen uns auf die Suche, wo die Fasnet eigentlich ihren Ursprung hat: Es sind die Tage in denen Bräuche gepflegt werden und in denen die pure Lebensfreude regiert.
Kaum ein anderes Brauchtum im Land lebt so sehr von seiner Geselligkeit. Wir sprechen von Karneval, Fasching, Fasnet oder Fastnacht. Wann was gefeiert wird, hängt von regionalen Besonderheiten, Brauchtum und Traditionen ab. Weit über Deutschlands Grenzen hinaus, in Europa und in der Welt, gibt es die verschiedensten Formen von Karnevals- und Faschingsumzügen, Musikrhythmen, Kostümfesten und Karnevalsbräuchen. Gerade die Veranstaltungen und Feiern rund um den „Schmutzigen Dunschdig" Rosenmontag und Faschingsdienstag, sind an vielen Orten fest in der Tradition zur „fünften Jahreszeit“ verankert. Ist man auf der Suche nach dem Ursprung der Fastnacht, findet man da so einige Definitionen. Denn da es gibt nicht nur eine, sondern gleich drei Wurzeln. Seine Ursprünge liegen im Frühlingsfest der alten Germanen, dem römischen Saturnalienfest und schließlich gibt es noch einen christlichen Ursprung. Die bekannteste Erklärung ist, dass der Beginn des Frühlings und das Ende des Winters mit Geister- und Hexenmasken gefeiert wurde, um die bösen Wintergeister zu verjagen.
Die alten Germanen glaubten an Dämonen, jedes Jahr zum Frühlingsbeginn feierten sie ein wildes Fest, bei dem die bösen Wintergeister vertrieben werden sollten. Es wurden große Festmähler bereitet, um die restlichen Lebensmittel zu verwerten, die in der bevorstehenden Fastenzeit zu verderben drohten. Aus der Notwendigkeit, all diese Dinge möglichst vor der Fastenzeit noch aufzubrauchen, entstand unter anderem auch der heutige Brauch, an Fasnacht des traditionellen Schmalzgebackenen und reichlich Eier enthaltenden Fastnachtskrapfen oder -küchlein zu essen. Das Fest war ein lautes und buntes Treiben. Die Dorfbewohner setzten grauenvolle Masken auf ihre Gesichter und machten mit Schellen, Rasseln und Trommeln einen Höllenkrach, um die Wintergeister in die Flucht zu schlagen. Der katholischen Kirche war dieser heidnische Brauch aber ein Dorn im Auge, weshalb sie ihn abschaffen wollte und ein Verbot aussprach. Aber die Menschen ließen sich das Feiern nicht verbieten, so dass die Kirche auf die Idee kam, anstatt eines Verbots, Geister- und Hexenmasken durch Teufels- und Tiermasken auszutauschen und einen biblischen Bezug zu dem germanischen Brauchtum herstellte. Statt böse Geister galt es fortan, den Teufel zu vertreiben. Denn vom Teufel ist - im Gegensatz zu Geistern - wenigstens in der Bibel die Rede. Nach und nach ersetzten die Teufelsmasken die germanischen Geister- und Hexenfratzen. Auch Tiermasken sah man oft bei den Feiern. Die Tiermasken standen dabei für bestimmte Sünden, die ebenfalls vertrieben werden sollten.
Auch bei der zweiten Wurzel des Festes hat die Kirche ihre Hand im Spiel. Im zwölften Jahrhundert stellten die Christen den vierzig heiligen Tagen der Fastenzeit eine Zeit der Völlerei und Sinneslust voran. Es wurden regelrechte Rollenspiele erfunden, die verdeutlichen sollten, wie sehr der Mensch in seiner Lust gefangen war und sozusagen als "Gottesleugner" und Narr lebte. Und da früher die Regeln der Fastenzeit, in der Fleisch, Fett und Milch tabu waren, streng befolgt wurden, hatte die Ausgelassenheit dieser närrischen Tage durchaus einen realen Hintergrund. In der Zeit zwischen Aschermittwoch und Karsamstag sollten die Christen weniger essen und dafür mehr beten. Fleisch zu verzehren war in diesen Wochen absolut verboten. Daher kommt auch die Bezeichnung Karneval. Der Ursprung des Wortes Karneval findet sich im Lateinischen. "Carne vale" heißt übersetzt so viel wie: "Fleisch, leb wohl". Das traditionelle Fasten vor Ostern gibt es auch heute noch, obwohl sich nicht mehr sehr viele Menschen daranhalten. Im Mittelalter hatten die Menschen jedoch große Angst, in die Hölle zu kommen, wenn sie sich nicht an die Vorschriften der Kirche hielten. Deshalb fastete fast jeder.
Den dritten Ursprung finden wir im alten Rom. Am Saturnalien Fest durften die Einwohner für einen Tag die Rollen tauschen. Die Vornehmen Herren mussten ihre Sklaven bedienen und Diener durften Kritik äußern, wofür sie an anderen Tagen sonst sehr hart bestraft worden wären. Aus dieser Tradition heraus haben sich unsere heutigen "Büttenreden" entwickelt. Menschen "aus dem Volk" steigen auf die Bühne und schwingen mehr oder weniger lustige Reden, in denen sie mit allem abrechnen, was sie so bewegt: mit Politikern, den Bewohnern des Nachbarortes oder dem Bürgermeister. Auch die Übernahme des Rathauses durch die Narren an den "tollen Tagen" hat seinen Ursprung im römischen Saturnalien Fest. Einige Jahrhunderte später verknüpfte der Papst den alten römischen Brauch mit dem christlichen Fastenfest. Von Rom ausgehend erreichte der Karneval immer mehr noch weiter entlegene katholisch geprägte Regionen. So kam es, dass Karneval in fast ganz Europa gefeiert wurde. Auch entlang des Rheins wurde die Tradition der Fastnacht genutzt, um sich Anfang des 19.Jahrhunderts ungestraft über die französischen Besatzungstruppen – Napoleon hatte gerade Mainz erobert - lustig zu machen. Deshalb sieht man dort auch heute noch so viele Garden in Fantasie-Uniformen aus dieser Zeit. Aber weder die Franzosen noch die Preußen konnten im Rheinland die Fastnacht erfolgreich unterdrücken.
Seit jeher begrenzt der Zeitraum zwischen Dreikönig und Aschermittwoch die närrische Zeit, die heute, je nach Region, unter den Bezeichnungen Fasnet, Karneval oder Fastnacht bekannt ist. Im Südwesten starten die Narren und Hästräger am Drei-Königs-Tag, indem sie ihre Häs und Masken ausgraben oder abstauben. Die Masken werden teils aufwändig von Hand aus Holz geschnitzt und haben ihre ganz besondere Bedeutung. Sie spiegeln Tradition und Kultur wieder. Die farbenprächtigen Kostüme stellen wilde Hexen, Teufel und andere Furcht einflößenden Figuren dar und werden von Generation zu Generation weitervererbt. Ein Symbol dieser Fasnettradition ist auch das Stellen der Narrenbäume. Als Zeichen für die Herrschaft der Narren stehen dann zur 5. Jahreszeit bis zu 30 Meter hohe Tannen oder Fichten meist auf den Marktplätzen. Zur Hochsaison vom „Schmutzigen Dunschdig" oder auch „Weiberfastnacht "genannt, bis zum Aschermittwoch, werden die Rathäuser, Ämter, Schulen und Kindergärten von Hästrägern gestürmt, Die Bürgermeister werden vorrübergehend abgesetzt und müssen symbolisch die Schlüssel ihrer Städte oder Dörfer an die Narren abgeben. Besonders sehenswert sind zu dieser Zeit die Narrenumzüge. Das bunte Treiben, egal mit welchen Bräuchen und Traditionen endet letztendlich am Aschermittwoch. Zeremoniell wird die Fasnacht mit großem Geheule und Gejammer zu Grabe getragen, indem die Häs verbrannt oder begraben wird. Traditionell wird der vom Feiern leere Geldbeutel gewaschen und man geht zum „Traueressen“. Nun beginnt die Fastenzeit bis Ostern.
Fasnet,Fasching,Karneval oder Fasenacht.Es geht nicht um den Namen wie wir diese Zeit nennen, es geht um Spaß,Tradition,Kultur und eine wichtigen Sache - Das wir zu dieser Zeit alle gleich sind. Im Focus der Fastnacht steht der Narr, er erlaubt es, für kurze Zeit in eine verkehrte Welt zu entschwinden und wieder zurückzukehren. Er darf scherzhaft und treffend jedem die Meinung sagen. Es herrscht sozusagen Narrenfreiheit, die Sorgen und Konflikte des Alltags werden zu dieser Zeit außen vor gelassen und andererseits hofft man, ein wenig aus der Fastnacht mit in den Alltag nehmen zu können.
In diesem Sinne: AJO – und in Hoffnung auf eine „glückselige Fasnet“ im Jahr 2023
"Die Menschen sind so unvermeidlich närrisch, dass es nur eine andere Art von Narrheit wäre, nicht närrisch zu sein".
Blaise Pascal, 1623-1662


