Kinder sind keine kleinen Erwachsenen: Spezialisierte Kinderanästhesie des Dreiland-Klinikums begleitet Frühgeborene bis ins Jugendalter
Vom Frühgeborenen bis zum Jugendlichen, vom winzigen Venenzugang bis zur altersgerechten Beatmung: Wenn Kinder operiert werden müssen, stellt dies besondere Anforderungen an die Anästhesie. Das Dreiland-Klinikum verfügt deshalb bereits heute über ein spezialisiertes Team für Kinderanästhesie, das medizinische Expertise mit einem besonderen Verständnis für die Situation junger Patientinnen und Patienten und ihrer Eltern verbindet.

Dr. Falko Harm
Geleitet wird die Abteilung für Anästhesie und Notfallmedizin im St. Elisabethen-Krankenhaus von Chefarzt Dr. Falko Harm.
„Eine sichere medizinische Versorgung von Kindern setzt voraus, dass wir ihre besonderen Bedürfnisse in jeder Phase der Behandlung berücksichtigen“, erklärt Prof. Dr. Tilman Humpl, Ärztlicher Direktor und Chefarzt des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin. „Das erfordert spezialisierte Fachkompetenz und eine enge Zusammenarbeit aller beteiligten Disziplinen.“
Schon die Unterschiede bei Körpergröße und Gewicht erfordern speziell angepasste Materialien und Medizintechnik – vom Venenzugang über Beatmungsschläuche und Beatmungsgeräte bis zu den Verfahren zur Überwachung während einer Operation. Hinzu kommen anatomische und physiologische Besonderheiten des kindlichen Organismus. Sie zu kennen und bei der Narkoseführung zu berücksichtigen, gehört zu den zentralen Kompetenzen der Kinderanästhesie.
Die Kinderanästhesie begleitet dabei Patientinnen und Patienten vom Frühgeborenen mit nur wenigen hundert Gramm Körpergewicht bis zum Jugendlichen. Entsprechend breit ist auch das operative Spektrum. Das Anästhesieteam übernimmt die anästhesiologische Betreuung bei Eingriffen der Kinderchirurgie, Kinderurologie und Kinderorthopädie ebenso wie bei Operationen in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, der plastischen und Handchirurgie, der Verbrennungsmedizin sowie der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie. Dazu gehören unter anderem Operationen bei angeborenen oder erworbenen Fehlbildungen, insbesondere der Harnwege, die Versorgung von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten sowie Eingriffe nach Verbrennungen und Verbrühungen.
Wenn Vertrauen Teil der Behandlung wird
Die besondere Expertise beginnt jedoch nicht erst im Operationssaal. Eine Operation des eigenen Kindes ist für Eltern häufig mit Sorgen und Ängsten verbunden. Gerade dem Anästhesieteam kommt deshalb eine besondere Rolle zu: Für die Zeit der Operation übergeben Eltern ihr Kind in die Obhut von Menschen, denen sie vertrauen müssen. Auch für die Kinder selbst ist die Situation außergewöhnlich. Vor allem kleinere Kinder können noch nicht verstehen, weshalb eine Untersuchung oder Operation notwendig ist und dass ihnen damit geholfen werden soll. Fremde Menschen, eine ungewohnte Umgebung und die Trennung von den Eltern können zusätzliche Ängste auslösen.
„Wir müssen uns auf jedes Kind neu einstellen. Was bei einem Kind gut funktioniert, kann beim nächsten völlig anders sein“, sagt Dr. Falko Harm. „Neben der medizinischen Expertise braucht Kinderanästhesie deshalb viel Erfahrung, Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit, auch in ungewohnten Situationen Sicherheit zu vermitteln.“
Wo immer es die Situation erlaubt, werden die Eltern in die Abläufe einbezogen. Nicht bei jedem Kind und nicht unter allen medizinischen Bedingungen können sie jedoch bis zum Einschlafen dabei sein. Umso wichtiger ist ein Team, das im Umgang mit Kindern erfahren ist und flexibel auf deren Alter, Entwicklungsstand und Verhalten reagieren kann.
Schmerzfreiheit endet nicht mit der Operation
Zur spezialisierten Versorgung gehören auch unterschiedliche Regional- und Teilnarkoseverfahren. Je nach Alter des Kindes und Art des Eingriffs können sie ergänzend zur Vollnarkose eingesetzt werden. Ziel ist es, Schmerzen während und nach der Operation möglichst wirksam zu vermeiden und zugleich ein möglichst ruhiges Aufwachen zu ermöglichen.
Benötigt ein Kind nach einem größeren oder komplexen Eingriff eine besonders intensive Überwachung, stehen zudem die entsprechenden intensivmedizinischen Strukturen zur Verfügung. Damit reicht die anästhesiologische Betreuung von der Vorbereitung auf die Operation über die eigentliche Narkose bis in die postoperative Phase.
Strukturen für das Dreiland-Klinikum bestehen bereits heute
Die Kinderanästhesie ist in das von Dr. Andreas Rutherford geleitete Zentrum für Anästhesie, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin (AINS) eingebunden. Sie macht exemplarisch deutlich, dass wesentliche Voraussetzungen für die medizinische Qualität am neuen Klinikstandort nicht erst mit dessen Eröffnung entstehen. Eingespielte Teams, etablierte Prozesse und die enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachdisziplinen sind bereits heute fest verankert und werden in die Strukturen des Dreiland-Klinikums überführt.
Dazu gehört auch die enge Verzahnung mit der Kinder- und Jugendmedizin. Mit der integrierten Neonatologie für die Versorgung von Neugeborenen arbeitet die Pädiatrie eng mit der Geburtshilfe zusammen. So kann bei Risikoschwangerschaften und drohenden Frühgeburten die Versorgung von Mutter und Kind bereits vor der Geburt gemeinsam geplant werden.
Das Perinatalzentrum Level 1 in Lörrach verfügt über die höchste Versorgungsstufe für die Betreuung von Schwangeren, Früh- und Neugeborenen. Kinderanästhesie, Pädiatrie, Neonatologie, Geburtshilfe, operative Fachdisziplinen und Intensivmedizin bilden damit ein eng geknüpftes medizinisches Netzwerk – von den kleinsten Frühgeborenen bis zu Jugendlichen.
Mit dem Dreiland-Klinikum erhält dieses Zusammenspiel einen gemeinsamen räumlichen Rahmen. Eine kinderfreundliche Umgebung, die sich an den Bedürfnissen junger Patientinnen und Patienten und ihrer Familien orientiert, ergänzt dabei die medizinischen Strukturen. Gerade bei Kindern zeigt sich, dass medizinische Spezialisierung allein nicht ausreicht: Entscheidend sind ebenso eingespielte Abläufe, eine kindgerechte Umgebung und ein Team, das Kindern und Eltern Sicherheit vermittelt.


