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Nachrichten aus News

Den plötzlichen Herztod überleben

Kreis Emmendingen. Innerhalb von zwei Wochen haben vier Menschen im westlichen Landkreis den plötzlichen Herztod überlebt.

Familie Ziser (v.l.n.r.): Walter Ziser; Enkel Jaron Schneider; Ehefrau Anni Ziser, Tochter der Zisers und Mutter von Jaron Marianne Schneider

Zwei der Situationen ereigneten sich im häuslichen Umfeld und zwei in der Öffentlichkeit. Entscheidend bei allen Ereignissen war der sofortige Beginn mit der Herzdruckmassage von Familienangehörigen oder Passanten, teils unter Anleitung von Mitarbeitenden der Rettungsleitstelle 112. Neben Rettungsdienst und Notarzt wurden zusätzliche Kräfte der Ersthelfersysteme „Region der Lebensretter“ und  „DRK-Helfer vor Ort“ und mitalarmiert, die mit Hilfe eines Defibrillators das Herz wieder zum Schlagen brachten, noch vor Eintreffen des Rettungsdienstes.   

Familie Ziser in Wyhl wird den Tag nicht mehr so schnell vergessen, an dem der Ehemann, Vater und Opa plötzlich seltsam atmete und blau im Gesicht wurde. Jede Minute hat sich in das Gedächtnis eingebrannt, wie alle Maßnahmen Hand in Hand liefen und der Patient schließlich mit dem Rettungsdienst in die Klinik gebracht wurde. 

Plötzlich färbt sich das Gesicht blau

Walter Ziser (68), ein fitter und nie ernsthaft kranker Mann, war am Morgen im Wald beim Holz machen. Wie üblich legte er sich nach dem Mittagessen etwas hin. Sein Enkel Jaron, der im Jugendrotkreuz und in der Jungfeuerwehr aktiv ist, wandte sich noch mit den Worten zu seiner Oma: „So schnell möchte ich auch mal einschlafen können“. Dann überschlugen sich die Ereignisse. Der Ehefrau Anni Ziser fiel ein komisches, bedrohliches Schnarchen auf. Dann schnappte der Rentner seltsam nach Luft und das Gesicht färbte sich blau. Allen war sofort klar: hier stimmt etwas ganz und gar nicht. „Der Opa stirbt, komm schnell“,  rief Jaron gleich nach seiner Mutter Marianne Schneider. Überrascht von diesem Sekundenereignis taten sie das einzig Richtige und wählten aufgeregt den Notruf. Zeitgleich begann Jarons Mutter sofort mit der Herzdruckmassage, wie sie es noch von ihrem letzten Erste-Hilfe-Kurs vor sieben Jahren in Erinnerung hatte. „Was aus dem Kurs hängen geblieben ist und was sie uns eingetrichtert hatten war: drücken, drücken, durchhalten und nicht aufhören“. Und der Mitarbeitende der Rettungsleitstelle bestärkte sie darin weiterzumachen. 

Viele Hände helfen mit

Doch nach etwa drei Minuten merkte Marianne Schneider, wie ihre Kraft schwand, es mehr und mehr anstrengte. Erschöpft übergab sie dann doch die Herzdruckmassage an ihren 14-jährigen Sohn Jaron. „Ich war gleichzeitig unsicher aber auch beruhigt, da er bereits mehrfach an einem Übungsmodell die Herzdruckmassage geübt hatte“, erzählt sie. Jarons Freunde, die den Vorfall mitbekommen hatten, unterstützten die Familie, indem auf der Straße auf den Rettungsdienst warteten, um ihn einzuweisen. Geistesgegenwärtig hielten sie den Nachbar an, der gerade vorbeifuhr und von dem sie wussten, dass er als Feuerwehrmann tätig ist. Dieser zögerte nicht und eilte ins Haus, um sofort die Herzdruckmassage zu übernehmen. Kurz darauf trafen schon ein Helfer der „Region der Lebensretter“, der Rettungswagen und der Notarzt ein. Rasch erfolgte der Einsatz eines Defibrillators. Kurze Zeit später schlug Walter Zisers Herz wieder und er begann wieder selbständig zu atmen. 

Kaum Einschränkungen durch schnelles Handeln

Im Krankenhaus angekommen, war der junge Rentner noch verwirrt. Immer wieder musste er nachfragen, was passiert war. Aber nach drei Tagen konnte er schon wieder am Bettrand sitzen. Eine Pflegekraft gab an, dass dies nach so kurzer Zeit nur fünf Prozent aller Patienten nach einer Reanimation schaffen. Das hätte Walter Ziser ganz klar der frühen Herzdruckmassage in den ersten Minuten zu verdanken. Nach acht Tagen konnte er schon nach Hause entlassen werden und heute fährt er schon wieder Fahrrad.       

„Alle vier Patienten haben den Herzstillstand wahrscheinlich nur deswegen ohne bleibende Schäden überlebt, weil eine sofortige Herzdruckmassage durchgeführt und zeitnah ein Defibrillator zum Einsatz kam“, so Notarzt Dr. Fabian Klumpp vom DRK-Arbeitskreis „Region der Lebensretter“.

Unglaublich Dankbar

Nach der erfolgreichen Reanimation ist es nun der Familie ein großes Anliegen, sich bei allen Einsatzkräften zu bedanken. Jeder Helfer und Helferin bekam eine Karte mit den Worten darauf: „Leben ist das, was passiert, während du etwas anders planst“. Notfallsanitäter und Ausbilder Harald Birmelin vom DRK Kreisverband Emmendingen überreichte der Familie für die Bereitschaft, über das Erlebte zu berichten, 15 Gutscheine für den Rotkreuzkurs „Fit in erster Hilfe & Wiederbelebung“. In diesem Kursformat erlernen die Teilnehmenden in 90 Minuten die Herzdruckmassage, die Mund-zu Mund-Beatmung und den Umgang mit dem Defibrillator.

Infobox: Telefonreanimation

Das Konzept der telefonischen Anleitung zur Reanimation startete bereits in den 80ern in den USA. Zum Millennium gab es die ersten Pilotversuche und Forschungen in Deutschland.

„Die Leitstellendisponenten werden regelmäßig geschult und führen Trainings zur Anleitung von Reanimationsmaßnahmen über das Telefon durch.“ so Erich Hebner, Leiter der Integrierte Leitstelle Emmendingen. Im Jahr 2023 gab es im Landkreis 150 Telefonreanimationen, so Hebner. Hierunter werden auch angefangene Begleitungen gezählt, bei denen der Patient oder die Patientin vor der Reanimation schon wieder das Bewusstsein erlangten.

Infobox: Region der Lebensretter

Die Region der Lebensretter hat es sich zur Aufgabe gemacht, dass Defibrillatoren öffentlich angebracht werden. Über eine App werden die eingetragenen Hilfskräfte über die Rettungsleitstelle alarmiert. Zwei davon eilen direkt zum Patienten oder zur Patientin, während eine Einsatzkraft zum nächsten Defibrillator geschickt wird, um diesen zu holen. Dieses System wird jedoch nicht von den Krankenkassen finanziert. Pro Defi kostet das System mit Service 5.000€ und wird über Spendenbasis finanziert. Wer mehr darüber erfahren möchte, kann sich an Frau Laufer Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. wenden oder direkt spenden an: Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau: IBAN DE 37 68050101 00 14013454, BIC FRSPDE66XXX.

 

 

Text/Bild: DRK Kreisverband Emmendingen e.V.

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