18. Geburtstag dank Spenderherz als Säugling
Angelina war 2008 der erste Säugling mit Herztransplantation in Baden-Württemberg / Feier anlässlich des 18. Geburtstags mit rund 20 weiteren Herztransplantierten / Appell zur Organspende vor dem Deutschen Organspendetag am 6. Juni

Angelina (5.v.r.) feierte gemeinsam mit anderen Herztransplantierten, Prof. Dr. Brigitte Stiller (r.), Ärztliche Direktorin der Klinik für Angeborene Herzfehler und Pädiatrische Kardiologie am Universitätsklinikum Freiburg, und dem Team des Klinikums ihren 18. Geburtstag
Manche Geschichten beginnen mit einem Herzschlag. Angelinas Geschichte beginnt damit, dass ein fremdes Herz anfängt, für sie zu schlagen. Am 21. Mai 2026 feierte die junge Frau ihren 18. Geburtstag. Gefeiert wurde dort, wo vor 18 Jahren alles begann: am Universitätsklinikum Freiburg. Angelina war das erste Säuglingskind in Baden-Württemberg, das eine Herztransplantation erhielt. Heute ist sie volljährig und gesund. Mit ihr kamen rund 20 weitere junge Menschen zusammen, die als Kinder oder Jugendliche ein Spenderherz erhielten. Das Treffen zeigte, wie wichtig eine Entscheidung zur Organspende für schwer kranke Patient*innen sein kann. Derzeit warten allein in Freiburg 18 Kinder und Jugendliche auf ein Spenderorgan.
„Angelinas Geschichte bewegt uns alle. Sie ist ein lebendiges Zeichen dafür, was möglich ist, wenn Medizin und Menschlichkeit zusammenkommen. Wenn wir heute sehen, wie sie lacht und Pläne für ihre Zukunft schmiedet, dann wissen wir, warum wir all die Arbeit machen“, sagt Prof. Dr. Brigitte Stiller, Ärztliche Direktorin der Klinik für Angeborene Herzfehler und Pädiatrische Kardiologie am Universitätsklinikum Freiburg.
Ein neues Herz schenkte Angelina Zeit zum Leben
Die Geschichte beginnt kurz nach Angelinas Geburt im Jahr 2008. Bereits früh wurde bei ihr ein großes Loch in der Herzscheidewand diagnostiziert – ein angeborener Herzfehler mit ausgeprägter Herzschwäche, der rund drei Wochen nach der Geburt operativ behandelt wurde. Die Operation verlief erfolgreich. Doch kaum vier Wochen später machte eine neue, weitaus bedrohlichere Diagnose alle Hoffnung zunichte: Eine fortschreitende Herzmuskelerkrankung zerstörte das kleine Herz von innen heraus. Die einzige Rettung: ein Spenderherz.
Was oft eine lange Zeit des Bangens bedeutet, war für Angelinas Familie innerhalb von nur vier Wochen entschieden: Ein passendes Spenderherz wurde gefunden. Angelina, die damals noch ein Säugling war, erhielt die Transplantation und überlebte. Seither muss sie mehrmals im Jahr zur ambulanten Untersuchung nach Freiburg kommen und regelmäßig Medikamente einnehmen. Ansonsten kann sie aber ein weitgehend normales Leben führen und hat ihren erfolgreichen Schulabschluß schon in der Tasche.
Eine Party für alle Herztransplantierten
Seit 2008 wurden am Universitätsklinikum Freiburg 104 Herzen bei Kindern transplantiert, allein 2025 konnten so sechs Kinder gerettet werden. Anlässlich des 18. Geburtstags lud nun die Kinder- und Jugendklinik des Universitätsklinikums Freiburg zu einer besonderen Feier ein. Neben Ärzt*innen und Pflegepersonen, die Angelina damals begleiteten, kamen rund 20 weitere herztransplantierte junge Menschen, die heute zwischen 16 und 30 Jahren alt sind.
Eine herztransplantierte Patientin beschreibt es so: „Das tollste Geschenk meines Lebens habe ich bekommen von einer Person, die ich nicht kannte, die mich nicht kannte – und doch ist es das wertvollste Geschenk, das ich je bekommen habe. Und ich bin sehr dankbar, dass die Spenderperson so eine wichtige Entscheidung getroffen hat, einen Organspendeausweis bei sich zu tragen – dieser Entscheidung verdanke ich in gewisser Weise mein Leben.“
Die Feier fällt in eine Zeit besonderer gesellschaftlicher Aufmerksamkeit: Am 6. Juni 2026 findet der jährliche Deutsche Organspendetag statt. Er ruft dazu auf, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und eine bewusste Entscheidung zu treffen für oder gegen die Organspende, aber vor allem: überhaupt eine Entscheidung. Denn in Deutschland warten derzeit rund 8.500 Menschen auf ein lebensrettendes Organ. Täglich sterben Menschen, weil kein passendes Organ rechtzeitig zur Verfügung steht.


