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17 Wochen Ungewissheit: Wie Miriam Gröger und ihre Tochter Amilia jeden weiteren Tag gewannen

Ein vorzeitiger Blasensprung in der 17. Schwangerschaftswoche, kaum noch Fruchtwasser und eine Prognose, die niemand verlässlich stellen konnte: Als Miriam Gröger in das Dreiland-Klinikum Lörrach kommt, weiß sie nicht, ob ihre ungeborene Tochter eine Chance haben wird.

Prof. Dr. Tilman Humpl, Miriam Gröger mit Tochter Amilia und Prof. Dr. Michael Bohlmann (v. l. )

© Dreiland-Klinikum

Aus dem zunächst vorsichtigen „Wir warten erst einmal ab“ werden Tage, Wochen und schließlich 17 Wochen im St. Elisabethen-Krankenhaus Lörrach. Am 26. März 2026 kommt Amilia zur Welt. Im Gespräch erzählt ihre Mutter von Angst und Ungewissheit, vom Familienleben im Ausnahmezustand – und davon, warum sie irgendwann begann, jeden weiteren Tag im Krankenhaus als Chance zu sehen. Der Ärztliche Direktor und Chefarzt des Lörracher Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin Prof. Dr. Tilman Humpl und Prof. Dr. Michael Bohlmann, Chefarzt des Zentrums für Gynäkologie und Geburtshilfe, ordnen den außergewöhnlichen Verlauf medizinisch ein.

Frau Gröger, erinnern Sie sich noch an den Moment, in dem Sie zum ersten Mal merkten, dass etwas nicht stimmen könnte?

Miriam Gröger: Sehr genau. Ich war bei 16+3 Schwangerschaftswochen, als ich einen nassen Fleck in meiner Hose bemerkte. Mein erster Gedanke war tatsächlich: Das könnte Fruchtwasser sein. Gleichzeitig hofft man natürlich, dass es etwas Harmloses ist. Deshalb habe ich zunächst noch abgewartet. Als aber auch in den folgenden Tagen immer wieder Feuchtigkeit da war, bin ich zu meiner Frauenärztin gegangen.

Was hat die Untersuchung ergeben?

Miriam Gröger: Im Ultraschall war zu sehen, dass so gut wie kein Fruchtwasser mehr vorhanden war. Der Test auf Fruchtwasser war zwar negativ, bei den weiteren Untersuchungen bestätigte sich aber trotzdem der Verdacht auf einen vorzeitigen Blasensprung. Bei 17+0 hat mich meine Frauenärztin dann direkt ins St. Elisabethen-Krankenhaus überwiesen. Dort wurde ich sofort stationär aufgenommen.

Herr Professor Bohlmann, ein Blasensprung in dieser frühen Phase der Schwangerschaft klingt zunächst nach einer nahezu aussichtslosen Situation. Wie beurteilt man einen solchen Befund?

Prof. Dr. Michael Bohlmann: Ein so früher vorzeitiger Blasensprung ist eine sehr ernste Schwangerschaftskomplikation. Zu diesem Zeitpunkt liegt noch ein sehr langer Weg bis zur Lebensfähigkeit des Kindes und erst recht zum regulären Geburtstermin (bei etwa 40 Wochen) vor uns, und insbesondere die Entwicklung der kindlichen Lunge spielt eine zentrale Rolle. Gleichzeitig lässt sich aus dem Befund am ersten Tag nicht sicher ableiten, wie die Schwangerschaft verlaufen wird. Wir schauen deshalb sehr genau auf die individuelle Situation: Gibt es Hinweise auf eine Infektion? Wie entwickelt sich das Kind? Wie geht es der Mutter? Treten Wehen oder andere Komplikationen auf? Wenn die medizinischen Voraussetzungen gegeben sind, kann es sinnvoll sein, zunächst abzuwarten und Zeit zu gewinnen.

Frau Gröger, gab es anfangs Hoffnung, dass sich die Öffnung wieder verschließen könnte?

Miriam Gröger: Ja. Nach den ersten intensiven Untersuchungen bestand die Hoffnung, dass die Öffnung vielleicht wieder zuwächst. Das ist leider nicht passiert. Fruchtwasser hat sich zwar immer wieder nachgebildet, ist aber auch direkt wieder abgegangen. Ich wusste nie: Reicht das, was noch vorhanden ist? Mir war vorher überhaupt nicht klar, dass ein Kind unter solchen Bedingungen gesund geboren werden kann. Theoretisch wusste ich irgendwann, dass es möglich ist. Aber niemand konnte mir sagen, ob es bei uns so sein würde.

Was hat Ihnen am meisten Angst gemacht?

Miriam Gröger: Vor allem diese völlige Ungewissheit. Niemand konnte mir vorhersagen, wann die Geburt losgeht, in welchem Zustand mein Kind dann sein würde und ob sich die Lunge richtig entwickelt. Große Sorge hatte ich auch davor, dass unser Baby auf die Welt kommt, bevor es überhaupt lebensfähig ist. Und ich habe mich gefragt: Wie kann mein Kind gesund herauskommen, wenn durch das fehlende Fruchtwasser alles so eingeengt ist? Man hat sehr viele Sorgen im Kopf – und auf viele Fragen gibt es in diesem Moment einfach keine sichere Antwort.

Herr Professor Bohlmann, warum ist das Fruchtwasser gerade in dieser frühen Phase so wichtig?

Prof. Dr. Michael Bohlmann: Fruchtwasser erfüllt während der Schwangerschaft mehrere wichtige Funktionen. Es gibt dem Kind Bewegungsraum und ist insbesondere für die normale Entwicklung der Lunge von Bedeutung. Bei einem ausgeprägten und länger anhaltenden Fruchtwassermangel besteht deshalb das Risiko, dass sich die Lunge nicht ausreichend entwickelt, zudem können Bewegungseinschränkungen durch Muskelverkürzungen eintreten. Gleichzeitig wird Fruchtwasser weiterhin gebildet. Auch bei einem fortbestehenden Blasensprung können zeitweise kleine Fruchtwasserdepots vorhanden sein. Wie gut die Lungenentwicklung unter diesen Bedingungen tatsächlich gelingt, können wir vor der Geburt nur begrenzt beurteilen. Genau diese Unsicherheit müssen wir mit den Eltern offen besprechen.

Sie mussten also über Wochen mit einer Frage leben, auf die Ihnen niemand eine Antwort geben konnte.

Miriam Gröger: Amilia wurde in der 34. Schwangerschaftswoche (33+2) geboren. Die Wehen gingen los und es war klar, dass sie nun geholt werden würde. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits dreimal im Kreißsaal gewesen. Schon in der 26. Schwangerschaftswoche hatte ich Wehen, sodass man zunächst dachte, die Geburt würde losgehen. Niemals hätte ich gedacht, dass Amilia anschließend noch so lange in meinem Bauch bleiben würde.

Nach dem Kaiserschnitt wurde Amilia direkt auf die Däumlingstation gebracht (Anmerkung der Redaktion: es handelt sich dabei um die neonatologische und pädiatrische Intensivstation, auf der Frühgeborene, kranke Neugeborene sowie intensivpflichtige Kinder auf höchstem Versorgungsniveau betreut werden). Ihre Lunge benötigte mehr Unterstützung als die anderer Babys, die in dieser Schwangerschaftswoche geboren werden. Anfangs benötigte sie viel Sauerstoff. Nach einer Surfactant-Gabe verbesserte sich ihr Zustand jedoch deutlich. In den darauffolgenden Tagen benötigte sie nur noch eine leichte Atemunterstützung.

Erst als diese schließlich entfernt werden konnte, haben wir realisiert, wie viel besser sich ihre Lunge entwickelt hatte, als wir während der Schwangerschaft befürchtet hatten. Das war der erste Moment, in dem wir wirklich aufatmen konnten. Auch wenn ich es noch eine ganze Weile nicht glauben konnte.

Dann wurde allerdings festgestellt, dass Amilias Blutdruck viel zu hoch war. Es folgten viele Untersuchungen und Ängste. Bis heute sind noch nicht alle Untersuchungen abgeschlossen, aber alle Werte entwickeln sich in eine gute Richtung.

Wie sah der Körper von Amilia aus, nachdem sie so lange ohne Fruchtwasser im Bauch lag?

Miriam Gröger: Amilia bekam direkt auf der Däumlingstation Physiotherapie. Bis heute gehen wir zweimal pro Woche zur Physiotherapie. Durch das eingeengte Liegen und Wachsen im Bauch konnte sie anfangs ihre Arme und Beine nicht ausstrecken. Außerdem war ihr Rücken so rund, dass sie nicht auf dem Rücken liegen konnte. Inzwischen hat sich das alles so sehr verbessert, dass man ihr heute nichts mehr davon ansieht.

Gab es einen Moment, an dem Sie für sich entschieden haben: Wir machen weiter?

Miriam Gröger: Für mich war sehr wichtig, wie Professor Bohlmann mit der Situation umgegangen ist. Er hat mir nichts versprochen. Das hätte er auch gar nicht können. Aber solange meine Werte stabil waren und unsere Tochter weitergewachsen ist, hat er mich immer wieder motiviert, die Chance zu suchen und dranzubleiben. Sehr eng begleitet hat mich in dieser Zeit auch die neonatologische Oberärztin Dr. Catrice Celanowski.


Ich hatte natürlich auch im Internet gelesen. Gerade in Foren findet man bei einem so frühen Blasensprung sehr belastende Geschichten und auch Berichte, in denen zu einem Abbruch geraten wurde. Umso wertvoller war für mich die persönliche Betreuung hier. Professor Bohlmann, Frau Dr. Celanowski und das gesamte Team haben mir immer wieder Mut gemacht, ohne falsche Hoffnungen zu wecken. Sie haben mir das Gefühl gegeben: Es kann gut ausgehen. Wir schauen jeden Tag neu, ob die Voraussetzungen stimmen, weiterzumachen.

Ein Abbruch kam für uns zu keinem Zeitpunkt infrage. Wir wussten, dass die Situation schwierig werden und welche Folgen und Risiken auf uns zukommen könnten, und waren bereit, alles so anzunehmen, wie es kommt. Umso erleichterter waren wir, dass Prof. Bohlmann das genauso gesehen hat, an Amilia geglaubt und gemeinsam mit uns für sie gekämpft hat. Für uns war es eine große Erleichterung, dass wir dabei nicht gegen die Empfehlung der Ärzte handeln mussten, sondern medizinische Unterstützung für den Weg bekommen haben, den wir für Amilia gehen wollten.

Herr Professor Bohlmann, was hat Sie in diesem konkreten Fall darin bestärkt, weiter abzuwarten?

Prof. Dr. Michael Bohlmann: Entscheidend ist niemals Hoffnung allein, sondern immer die medizinische Situation von Mutter und Kind. Solange die mütterlichen Befunde stabil sind, keine zwingenden Gründe für eine Beendigung der Schwangerschaft auftreten und wir sehen, dass sich das Kind weiterentwickelt, kann jeder zusätzliche Tag wertvoll sein. Gleichzeitig muss man jederzeit bereit sein, die Situation neu zu bewerten. Gerade bei einem solchen Verlauf gibt es keine Entscheidung, die man einmal trifft und dann für Wochen unverändert beibehält. Es ist vielmehr eine tägliche, manchmal auch mehrmals tägliche Abwägung.

Aus dem „erst einmal abwarten“ wurden schließlich 17 Wochen. Wann haben Sie begriffen, wie lange Sie tatsächlich im Krankenhaus bleiben würden?

Miriam Gröger: Eigentlich erst nach und nach. Am Anfang denkt man nicht: Ich werde jetzt 17 Wochen hier liegen. Man denkt an den nächsten Tag, vielleicht an die nächste Untersuchung. Und irgendwann sind aus Tagen Wochen mit Weihnachten und Jahreswechsel geworden.

Für unsere Familie war das natürlich eine enorme Umstellung. Wir haben noch eine dreijährige Tochter. Plötzlich findet Familienleben zu großen Teilen in einem Krankenhauszimmer statt. Mein Mann musste vieles auffangen, und gleichzeitig wollte ich natürlich weiterhin für meine Tochter da sein.

Wie hat das Krankenhaus Sie dabei unterstützt?

Miriam Gröger: Das war für mich unglaublich wichtig. Ich hatte ein Zimmer für mich, und mein Mann und meine Tochter durften mich auch außerhalb der üblichen Besuchszeiten besuchen. Dadurch konnten wir trotz allem ein Stück Familienleben erhalten.

Ich habe außerdem versucht, Routinen zu entwickeln. Wenn man so lange im Krankenhaus liegt, braucht der Tag trotzdem einen Inhalt. Ich habe zum Beispiel mehrere Fotoalben gestaltet und mir andere Dinge gesucht, die im Liegen möglich waren. Irgendwann habe ich verstanden, dass ich nicht 17 Wochen „überstehen“ muss. Ich muss diesen Tag schaffen. Und morgen dann den nächsten.

Sie haben gesagt, dass Ihnen geholfen hat, den Krankenhausaufenthalt irgendwann als Chance zu betrachten. Was meinen Sie damit?

Miriam Gröger: Mir persönlich hat es sehr geholfen, die Situation schnell so anzunehmen, wie sie ist. Ich konnte den Blasensprung nicht rückgängig machen. Ich konnte die Unsicherheit nicht beseitigen. Aber ich konnte meine Sicht darauf verändern.

Jeder Tag, den ich hier liege, ist für mein Kind ausgesprochen wertvoll – dieser Gedanke wurde für mich immer wichtiger. Bei allen Sorgen und allem, was mir Angst gemacht hat, wollte ich sehen, dass meine Tochter mit jedem weiteren Tag bessere Startvoraussetzungen bekommt. Deshalb habe ich versucht, das Liegen im Krankenhaus als Chance zu sehen. Nicht als verlorene Zeit, sondern als gewonnene Zeit für mein Kind.

Herr Professor Humpl, welchen Unterschied können zusätzliche Tage oder Wochen im Mutterleib in einer solchen Situation machen?

Prof. Dr. Tilman Humpl: Gerade bei sehr frühen Schwangerschaftswochen können zusätzliche Tage und Wochen für die Reifung des Kindes von großer Bedeutung sein. Dabei geht es nicht um einen einzelnen Stichtag, ab dem plötzlich alle Risiken verschwunden wären. Entwicklung ist ein kontinuierlicher Prozess. Unser Ziel ist deshalb, eine Schwangerschaft so lange fortzuführen, wie dies für Mutter und Kind medizinisch verantwortbar ist. Gleichzeitig darf man einen positiven Verlauf wie diesen nicht verallgemeinern. Ein so früher vorzeitiger Blasensprung bleibt eine ernsthafte Komplikation, und jede Familie braucht eine individuelle Beratung und Begleitung.

Was bedeutet es für ein Team, eine Patientin über 17 Wochen zu begleiten?

Prof. Dr. Michael Bohlmann: Über einen so langen Zeitraum entsteht natürlich eine besondere Beziehung. Ärztinnen und Ärzte, Hebammen und Pflegekräfte erleben die Untersuchungen, die Fortschritte, aber auch die Ängste unmittelbar mit. Und bei einer Risikoschwangerschaft dieser Art ist die Zusammenarbeit mit der Neonatologie besonders wichtig. Als Perinatalzentrum Level 1 arbeiten Geburtshilfe und Kinder- und Jugendmedizin sehr eng zusammen. Wir müssen schon während der Schwangerschaft gemeinsam vorausdenken, was im Fall einer sehr frühen Geburt notwendig wäre.

Frau Gröger, dann kam der 26. März. Wie haben Sie die Geburt erlebt?

Miriam Gröger: Nach all diesen Wochen war dieser Tag natürlich mit unglaublich vielen Gefühlen verbunden. Ich hatte so lange darüber nachgedacht, ob sich die Lunge richtig entwickelt hat, wie unser Kind zur Welt kommen würde und was danach passiert. Dann war Amilia da. Nach dieser langen Ungewissheit war das ein unbeschreiblicher Moment.

Sie selbst konnten nach der Geburt direkt nach Hause. Amilia blieb noch dreieinhalb Wochen im Krankenhaus.

Miriam Gröger: Ja. Nach 17 Wochen Krankenhaus konnte ich nach Hause, während Amilia noch dreieinhalb Wochen auf der Station Däumling versorgt wurde. Natürlich möchte man sein Kind am liebsten sofort mitnehmen. Aber nach allem, was hinter uns lag, konnte ich diese Zeit anders sehen. Sie war da, sie wurde gut versorgt und wir konnten sie jederzeit besuchen und viel Zeit mit ihr verbringen. Wir waren eigentlich den ganzen Tag abwechselnd bei ihr.

Wenn Sie heute auf diese 17 Wochen zurückblicken: Wem oder was schreiben Sie zu, dass Sie diesen Weg durchgehalten haben?

Miriam Gröger: Professor Bohlmann hat einen sehr großen Anteil daran, dass ich in diesen schwierigen Wochen immer wieder Vertrauen und Zuversicht gefunden habe. Genauso wichtig war aber das gesamte Team, das uns über diese lange Zeit begleitet hat. Die Ärztinnen und Ärzte und die Hebammen auf der Station haben mitgefiebert und sich über jeden weiteren Tag und jeden kleinen Fortschritt mit uns gefreut.

Gleichzeitig muss ich aber sagen, dass wir auch darüber hinaus sehr große Unterstützung hatten. Meine Eltern und Geschwister haben uns bei der Betreuung unserer Tochter unterstützt. Dadurch wusste ich jederzeit, dass sie gut versorgt und betreut ist, auch wenn ich nicht bei ihr sein konnte. Ich hatte außerdem sehr viel Besuch von Freunden, Familie und Bekannten. Sie haben mich abgelenkt, mir zugehört und sich kreativ überlegt, was mir in dieser Zeit guttun oder helfen könnte: vom Adventskalender über Strickenlernen bis hin zu verschiedenen Bastelprojekten.

Zuletzt hat mir auch mein Glaube sehr geholfen. Gerade in den Momenten, in denen ich Sorgen hatte, nichts in der Hand hatte und selbst nichts tun konnte, konnte ich beten und darauf vertrauen, dass für Gott alles möglich ist. Sehr viele Menschen haben für Amilia gebetet. Auch das hat mich durch diese Zeit getragen.

Herr Professor Humpl, was nehmen Sie als Arzt aus einem solchen Verlauf mit?

Prof. Dr. Tilman Humpl: Zunächst große Freude und Dankbarkeit darüber, wenn Mutter und Kind einen so schwierigen Schwangerschaftsverlauf gut überstehen. Gleichzeitig ist es wichtig, den Ausgang eines einzelnen Falls nicht auf andere Schwangerschaften zu übertragen. Wir können einen guten Verlauf niemals garantieren.

Was wir aber leisten können, ist eine hoch spezialisierte medizinische Betreuung, eine sehr engmaschige Beobachtung und eine ehrliche Begleitung der Eltern. Medizin bedeutet in solchen Situationen nicht nur zu handeln. Manchmal bedeutet sie auch, sehr aufmerksam abzuwarten – und jeden Tag neu zu prüfen, ob wir dem Kind weitere Zeit für seine Entwicklung geben können.

Frau Gröger, was würden Sie heute einer Frau sagen, die nach einem sehr frühen Blasensprung in einem Krankenhausbett liegt und nicht weiß, was die nächsten Wochen bringen?

Miriam Gröger: Ich würde ihr niemals sagen: Bei mir ist es gut gegangen, also wird es bei dir auch gut gehen. Dafür habe ich selbst viel zu deutlich erlebt, wie ungewiss die Situation ist. Aber ich würde ihr sagen, was mir geholfen hat: Versuche nicht, heute schon die Antworten auf alle Fragen der kommenden Wochen zu finden. Schau auf diesen einen Tag. Jeder Tag, an dem meine Tochter noch in meinem Bauch bleiben und weiterwachsen konnte, war für mich irgendwann ein Geschenk. Ich wusste nicht, wie unsere Geschichte ausgehen würde. Aber ich konnte versuchen, diesen einen Tag zu schaffen – und danach den nächsten.
Aus diesen einzelnen Tagen wurden bei uns 17 Wochen. Und am Ende Amilia.

Text: Region im Blick / Bild: Dreiland-Klinikum

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