Sabrina Lorenz | „Wie Sichtbarkeit Inklusion schafft“
„Ich stelle mir eine Welt vor, in der es keine Barrieren und Grenzen gibt, die Menschen mit Behinderungen von der restlichen Gesellschaft trennen.“
Sabrina Lorenz ist Speakerin bei der TEDxFreiburg 2025 mit dem Thema „Wie Sichtbarkeit Inklusion schafft“. Die Autorin, Speakerin, Beraterin und Aktivistin hat ein klares Ziel: Inklusion in die Mitte der Gesellschaft zu bringen.

Sabrina Lorenz
Als chronisch erkrankte und schwerbehinderte Sozialarbeiterin teilt sie mit ihrem Blog Fragments of Living inspirierende Einblicke in Disability-Empowerment und Netz-Aktivismus – und erreicht dabei über 42.000 Menschen. In ihrem TEDxFreiburg Talk stellt Sabrina Lorenz die zentrale Frage: Was passiert mit unserer Selbstwahrnehmung, wenn wir uns nicht in der Gesellschaft um uns herum wiederfinden?
Unter dem Überthema Movement zeigt sie, wie die Disability Rights Movement nicht nur strukturelle und politische Veränderungen vorantreibt, sondern auch in uns selbst beginnt. Ihre Vision ist eine Welt ohne Barrieren – eine Welt, in der Selbstbestimmung und Repräsentation zentrale Voraussetzungen für ein inklusives Miteinander sind. Ihr Talk ist ein leidenschaftlicher Appell für eine diversere, inklusivere und weniger ableistische Gesellschaft, der dich dazu aufrufen wird, Teil dieses wichtigen Movements zu werden.
Bekannt wurde Sabrina durch ihre Blogposts. Sie schreibt über medizinisches Gaslighting, Leben und Lieben mit lebensverkürzender Krankheit, Angst und Hoffnung. 2023 erschien ihr Buch „Weil Sonnenblumen auch im Winter blühen“ im Selbstverlag.

TEDxFreiburg
Sabrina Lorenz berührt die Menschen
Speakerin ist die junge, sehr sympathische Frau, wie sie im Interview erklärt, seit vier Jahren. Ganz ursprünglich hate sie ihre Erlebnisse und Beobachtungen auf Social Media geteilt. Eingeladen von den Veranstaltern der TEDx Freiburg wurde sie, weil ihr Geschriebenes Menschen berührt.
„Ich komme meinem Ziel dadurch wieder ein Stück näher“, erklärt sie. Inklusion als große Thematik, Inklusion als Politikum und beim anstehenden Regierungswechsel stellt sich für Sabrina Lorenz natürlich die Frage, wie sie selbst weitermachen kann. Begrifflichkeiten, die nach und nach gängiger sind, Hemmschwellen die abgebaut werden und oftmals konkrete Fragestellungen, die sie abarbeiten möchte. „Ich treffe überwiegend auf Menschen, die in ihrer eigenen Wahrnehmung Inklusion so, wie sie sein könnte, nicht gesehen haben“, betont sie.
Barrierefreiheit sehe man doch erst, wenn man darauf angewiesen ist. Auseinandersetzungen mit sich selbst, ob man ins Kino gehen kann, ob dieser Besuch mit Inklusion aufgrund der bestehenden Barrieren überhaupt machbar ist, ein zu bewältigender Alltag und das Gefühl, sich schuldig fühlen zu müssen, weil man behindert ist. Heute sei das schon ein Selbstverständnis für sie, was ihren Alltag leichter mache, erzählt sie mir. Die heute 26-Jährige ist mit dieser Behinderung geboren und sieht es jetzt als Ehre an, bei TEDx Freiburg auf der Bühne ihren Gefühlen und Missionen Raum geben zu können. „Es wird eine Herausforderung sein, dass alles in 12 Minute zu verpacken“, sagt sie. Verpacken möchte sie dabei ihre Botschaften mit poetischen Elementen, alles andere rechtlich-wissenschaftlich kombiniert und natürlich emotional. Für sie selbst ist es ein Privileg, dass sie so viele Follower hat und dabei versucht sie auch den täglich reinkommenden Nachrichten gerecht zu werden – „leider komme ich manchmal gar nicht dazu.“

Sabrina Lorenz
Sabrina Lorenz möchte den Anstoß für ein „Wir schaffen das“ erreichen und da ist sie mit Herzblut dabei.
Und dann beantwortet Sabrina Lorenz noch folgende Fragen ganz exklusiv:
Was bedeutet es für Sie, als Speakerin allgemein zu wirken und zu arbeiten?
„Als Speakerin zu arbeiten, bedeutet für mich, Menschen zu ermutigen, sich selbst Fragen zu stellen, mit denen sie sich vielleicht noch nicht so viel auseinandergesetzt haben und zum Nachdenken anzuregen. Indem wir einander begegnen, haben wir die Möglichkeit auch uns selbst zu begegnen und so versuche ich mit meinen Texten auf offene Ohren und Herzen zu treffen, Emotionen zu wecken und gleichzeitig Wissen zu vermitteln.“
Wie ziehen Sie Ihr Publikum in den Bann? Welche Mittel nutzen Sie dabei?
Ich selbst bin Autorin und Poetry Slammerin und so ist das Schreiben vor allem eine Leidenschaft für mich. In meinen Reden baue ich daher sehr gerne poetische Elemente ein.
Ist Ihr Erfolg bereits irgendwie messbar?
Erfolg zeigt sich für mich nicht vorrangig in Zahlen, sondern vor allem in den Rückmeldungen meines Publikums. Wenn Menschen mir sagen, dass meine Worte sie berührt, motiviert oder sogar zum Handeln bewegt haben, dann ist das für mich der wahre Erfolg. Indem immer mehr Menschen auf mich zukommen und mir erzählen, wo ihnen in ihrem Alltag Situationen begegnet sind, in denen ihnen aufgefallen ist, dass die Welt doch noch nicht so barrierefrei ist, wie sie ursprünglich gedacht haben. Oder Personen, die mir rückmelden, dass ich in meinen Texten und Auftritten das sage oder schreibe, was sie auch schon lange empfinden - das berührt mich sehr. Inklusion ist dann erreicht, wenn die Arbeit von mir oder anderen Inklusionberatenden oder -Aktivist*innen überflüssig wird, weil Inklusion und Barrierefreiheit so sehr zur Selbstverständlichkeit wurden. Und bis dahin ist jede einzelne Person, die da ist, sich dem Thema annimmt und dann ins Handeln kommt, so wichtig.


