Perfektes Zusammenspiel von Biomechanik, Aerodynamik und Spitzensport führt zum Erfolg
Zahlreiche Gäste informierten sich beim 2. Industrie-Hochschul-Forum Biomechanik über den neuesten Stand von Forschung und Praxis.

Sina Lasch, Simon Geschke, Walter Rapp und Matthias Scherge (sitzend von links) diskutierten über den Einfluss der Biomechanik auf den Spitzensport.
Was es bedeutet, ingenieurtechnisches Wissen und die Kenntnisse des menschlichen Bewegungsapparats erfolgreich zusammenzubringen, das erlebten mehr als 150 Interessierte am Freitag am Institute for Advanced Biomechanics and Motion Studies (IBMS) der Hochschule Offenburg.
Zum „Aufwärmen“ gab es nach der Begrüßung durch den Prorektor für Forschung und Transfer Prof. Dr. Thomas Eisele erstmal einen Film. In diesem erzählten Studierende und die Professoren Jörg Lienhard und Steffen Willwacher, was sie im Biomechanik-Studium eigentlich alles machen. Anschließend stellten Prof. Dr. Jörg Ettrich und Mitarbeiter Dirk Schoening mit AeroOpt ihr aktuelles Forschungsprojekt mit dem Olympiastützpunkt Freiburg vor. In einer Flugsimulationsanlage in Hinterzarten, die ebenfalls im Rahmen eines gemeinsamen Projekts entwickelt wurde, werden seit 2025 die Flugphasen beim Skisprung unter kontrollierten Bedingungen realitätsnah nachgestellt. Ziel ist es, den Einfluss der Körperhaltung besser zu verstehen und die Aerodynamik gezielt zu optimieren. Ein Hauptaugenmerk liege dabei auf weiblichen Athletinnen, die in der bisherigen Forschung bislang nur unzureichend berücksichtigt wurden, erklärte Dirk Schoening. Wie wichtig eine gute Datenlage und damit eine gute Technik heute für den Spitzensport sind, verdeutlichte anschließend Prof. Dr. Matthias Scherge. Der Leiter des Snowstorm Institute for Athlete Support betonte, dass es dabei nicht nur um Leistungssteigerung, sondern auch um Sturz- oder Verletzungsprävention gehe.
Dies bestätigte anschließend die von Steffen Willwacher moderierte Diskussionsrunde unter dem Motto „Die Profis packen aus!“. So berichtete Simon Geschke, Tour-de France-Etappensieger, dass der Radsport in den vergangenen Jahren durch eine verbesserte Aerodynamik sehr viel schneller geworden sei und dass es daher wichtig sei, die Schutzmaßnahmen – zum Beispiel Helme – ebenfalls weiterzuentwickeln. Scherge führte als Beispiel zudem einen neuartigen Mundschutz im American Football an, der gleichzeitig die Kopferschütterungen bei den Spielenden misst. Und auch Dr. Walter Rapp, Trainingswissenschaftler am Olympiastützpunkt Freiburg, und Sina Lasch, Marketing Manager Sponsoring bei Hansgrohe SE, betonten die Wichtigkeit von Prävention für die Entwicklung der Athletinnen und Athleten beziehungsweise für das positive Erlebnis der Kundinnen und Kunden. Weitere Themen waren die Gefahr der Überforderung der Sportlerinnen und Sportler durch eine zu große Datensammelwut – Stichwort „Gläserne Athletinnen und Athleten“ sowie die Vorteile, die Firmen aus Entwicklungen für den Sport ziehen können.
Bevor es dann zu Forschung zum Anfassen und Lab-Action weiterging, gab es noch eine Preisverleihung: Donovan SaIvi erhielt den Best Poster Award für die Darstellung seines Projekts „Zirkuläre Leichtbauschale für Orthesen, Helme und Schutzsysteme“.
Zum Abschluss machten sich die Besucherinnen und Besucher bei interaktiven Laborführungen und Mitmach-Experimenten sowie an rund einem Dutzend Firmenständen schließlich ihr ganz persönliches Bild von der Biomechanik.

