Aus zwei Sparkassen wird die Sparkasse Ortenau
Die Sparkasse Offenburg/Ortenau und die Sparkasse Kinzigtal schließen sich zum Jahreswechsel zur Sparkasse Ortenau zusammen. Die 45 Trägerkommunen haben der Fusion zugestimmt. Für Kundinnen und Kunden läuft das Bankgeschäft zunächst wie gewohnt weiter. Filialschließungen sind nicht geplant.

Von Links: VV Sparkasse Offenburg/Ortenau Jürgen Riexinger, BM Gengenbach Sven Müller, OB Offenburg Marco Steffens, VV Sparkasse Kinzigtal Sebastian Lebek
Die Sparkasse Offenburg/Ortenau und die Sparkasse Kinzigtal schließen sich zur Sparkasse Ortenau zusammen. Bei der Trägerversammlung am Mittwoch, 7. Oktober, in der S-Zentrale in Offenburg haben die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der 45 beteiligten Städte und Gemeinden dem Zusammenschluss zugestimmt. Zum 1. Januar 2027 soll die Fusion rechtlich vollzogen sein. Von diesem Tag an gilt auch der neue Name.
„Eine Sparkasse, die Schritt halten kann“
Mit der Fusion bündeln zwei wirtschaftlich starke und regional verwurzelte Sparkassen ihre Kräfte. Gemeinsam können sie wachsende Anforderungen durch Regulatorik, Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Cybersicherheit besser bewältigen und dem demografischen Wandel begegnen.

Verhandlungskommission von links: BM Haslach Armin Hansmann, OB Oberkirch Gregor Bühler, BM Gengenbach Sven Müller, BM Zell am Harmersbach Günter Pfundstein, OB Offenburg Marco Steffens, VV Sparkasse Offenburg/Ortenau Jürgen Riexinger, VV Sparkasse Kinzigtal Sebastian Lebek
„Die Ortenau braucht eine Sparkasse, die mit der wirtschaftlichen Entwicklung Schritt halten kann“, betont Marco Steffens, Oberbürgermeister von Offenburg und Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse Offenburg/Ortenau, der die Vorgespräche seit Ende April angestoßen hatte. „Gemeinsam können wir größere Investitionen begleiten und zugleich die Präsenz für die Zukunft erhalten, die unsere Sparkassen heute auszeichnet.“
Trotz ihrer unterschiedlichen Größe verhandelten beide Häuser auf Augenhöhe – auch bei der Besetzung der Gremien und der künftigen Aufstellung im Geschäftsgebiet. „Für uns war entscheidend, dass wir die neue Sparkasse gemeinsam gestalten“, sagt Sven Müller, Bürgermeister von Gengenbach und Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse Kinzigtal. „Die Menschen im Kinzigtal sollen ihre vertrauten Ansprechpartner behalten und vor Ort weiterhin eine Sparkasse haben, die ihre Region kennt.“
An den Gesprächen beteiligten sich auf kommunaler Seite zudem Oberkirchs Oberbürgermeister Gregor Bühler sowie die Bürgermeister Armin Hansmann aus Haslach und Günter Pfundstein aus Zell am Harmersbach.
Was sich für Kunden ändert
Abgesehen vom neuen Namen ändert sich für Kundinnen und Kunden zum Jahreswechsel im Bankalltag zunächst nichts. Konten werden weitergeführt, Karten bleiben nutzbar, die bisherigen technischen Systeme laufen vorerst weiter.
Die technische Zusammenführung ist für Ende September 2027 geplant. Ob dann beispielsweise Kontodaten angepasst werden müssen, steht noch nicht fest – über mögliche Änderungen werden die Kundinnen und Kunden rechtzeitig informiert.
Mehr Spielraum für Unternehmen
Das Geschäftsgebiet der neuen Sparkasse umfasst rund 372.000 Einwohner – etwa 84 Prozent der Bevölkerung des Ortenaukreises. Mit mehr als 900 Mitarbeitenden und einer Bilanzsumme von rund 7,2 Milliarden Euro läge sie zum 1. Januar 2027 auf Rang elf der 48 Sparkassen in Baden-Württemberg. Als größeres Institut kann die Sparkasse Ortenau künftig höhere Kredite vergeben und mittelständische Unternehmen bei umfangreicheren Vorhaben begleiten, etwa bei Investitionen in neue Anlagen oder bei der Transformation in eine digitale Welt. „Für Betriebe im Kinzigtal verbinden wir künftig größere Finanzierungsmöglichkeiten mit zusätzlichem Spezialwissen“, sagt Sebastian Lebek, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Kinzigtal. Hinzu kommen Angebote, die bisher die Sparkasse Offenburg/Ortenau bereitstellt, wie die Unterstützung im Auslandsgeschäft oder die spezialisierte Beratung für Ärzte und Heilberufe.
Angebote für Privatkunden und Vereine
Privatkunden erhalten Zugang zu weiteren Angeboten rund um Stiftungen und Generationenmanagement sowie zur eigengemanagten Fondsanlage der Sparkasse. Im Immobiliengeschäft bündeln beide Häuser ihre Marktkenntnisse und Kontakte, um Käufer und Verkäufer schneller zusammenzubringen.
Die Regionalstiftung der Sparkasse Offenburg/Ortenau wird finanziell aufgestockt und künftig auch das Kinzigtal umfassen. Dadurch werden zusätzliche und höhere Förderungen für Vereine und ehrenamtlich Engagierte möglich. Anträge sollen ab 2027 gestellt werden können – weitere Informationen folgen zu gegebener Zeit.

Vorstände der Sparkassen mit den Vertretern der Trägerkommunen
Präsenz vor Ort bleibt erhalten
Zum gemeinsamen Netz gehören künftig 32 Geschäftsstellen und 24 SB-Standorte. Schließungen oder eine Reduzierung der Geldautomaten sind für die kommenden Jahre nicht vorgesehen. „Unsere Kundinnen und Kunden können sich auch künftig darauf verlassen, dass wir vor Ort für sie da sind", sagt Jürgen Riexinger, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Offenburg/Ortenau.
Auch für die Beschäftigten gibt es eine klare Zusage: Fusionsbedingte Kündigungen wird es nicht geben. Im Gegenteil: Angesichts der in den kommenden Jahren altersbedingt ausscheidenden Mitarbeitenden wird jede und jeder Einzelne gebraucht. Im größeren Institut werden sich zudem weitere Entwicklungsmöglichkeiten ergeben.
Vierköpfiges Vorstandsteam
Für die Sparkasse Ortenau haben sich beide Häuser auf einen vierköpfigen Vorstand verständigt. Ihm gehören Jürgen Riexinger als Vorstandsvorsitzender, Sebastian Lebek als sein Stellvertreter sowie Alexander Meßmer und Nicole Dietl an.
Carlo Carosi wird dem Vorstand der Sparkasse Ortenau auf eigenen Wunsch nicht angehören. Für ihn persönlich sei der Zeitpunkt gekommen, einen neuen Weg einzuschlagen. Carosi hat den Zusammenschluss bis zuletzt mit Überzeugung und großem Einsatz mitgestaltet und hält ihn für den richtigen Schritt. Beide Sparkassen danken ihm für die vielen erfolgreichen Jahre, in denen er die Sparkasse Kinzigtal geprägt hat.
In den kommenden Wochen werden die weiteren Voraussetzungen für den Zusammenschluss geschaffen und die künftige Organisation und vertriebliche Aufstellung weiter ausgestaltet.


