H2 Forum 2026: Leitungsprojekte konkretisieren Wasserstoffversorgung im Dreiländereck
In Konstanz diskutierten etwa 300 Fachleute den Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur und die Bedingungen für wirtschaftliche Investitionen im Dreiländereck.

Die Veranstaltenden des H2 Forums 2026 vor einem wasserstoffbetriebenen LKW, v.l.n.r.: Prof. Dr. Katrin Klodt-Bußmann (IHK Hochrhein-Bodensee), Dr. Fabian Burggraf (Klimapartner Südbaden), Dirk Gärtner (IHK Südlicher Oberrhein), Marc Spiegelhalter (IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg)
Konstanz, 14. Oktober 2026. Geplante Wasserstoffleitungen zwischen Frankreich und Südbaden sowie entlang des Hochrheins eröffnen der Industrie im Dreiländereck neue Versorgungsperspektiven. Wann daraus eine verlässliche Versorgung zu tragbaren Kosten wird und welche Investitionsbedingungen dafür nötig sind, stand im Mittelpunkt des H2 Forums im Bodenseeforum Konstanz. Die Klimapartner Südbaden und die Industrie- und Handelskammern Hochrhein Bodensee, Südlicher Oberrhein sowie Schwarzwald-Baar-Heuberg richteten die Veranstaltung gemeinsam aus.
Erstmals führte das H2 Forum das bisherige IHK-Wasserstoff-Forum und das 3H2 Forum zusammen. In 50 Beiträgen auf vier Bühnen diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung über Infrastruktur, industrielle Anwendungen und den Aufbau eines wirtschaftlich tragfähigen Wasserstoffmarkts. Die Zusammenarbeit über Grenzen hinweg steht auch im Mittelpunkt der Initiative 3H2, die Akteure aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz verbindet. „Der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft gelingt nur gemeinsam; er lebt vom Vertrauen zwischen Partnern über Branchen und Ländergrenzen hinweg. Diese Voraussetzung zu schaffen, verstehen wir als unsere Aufgabe in der Leitung von 3H2“, sagt Dr. Fabian Burggraf, Geschäftsführer der Klimapartner Südbaden.
Leitungsprojekte zeigen die nächsten Schritte
Wie diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei der künftigen Versorgung der Industrie konkret aussehen kann, zeigen die auf dem Forum vorgestellten Leitungsprojekte. Beim Projekt RHYn Interco verbinden terranets bw, der französische Betreiber NaTran und Badenova Netze ab 2032 die Region Grand Est mit Baden-Württemberg über den Rhein. Erste Großabnehmer im Raum Freiburg und bei Offenburg und Kehl haben ihr Interesse bereits bekundet. Außerdem wird von Badenova Netze im Rahmen des Projektes H2@Hochrhein am Hochrhein eine rund 58 Kilometer lange Wasserstoffleitung von Grenzach-Wyhlen bis Waldshut Tiengen geplant und verlegt, die bis 2033 fertiggestellt werden soll. Das erste Teilstück (ca. 10 km) wird voraussichtlich bereits Ende 2027 in Betrieb genommen. Die Schweizer Perspektive brachte Cedric Rutishauser vom Gasverbund Mittelland ein und betonte dabei die Wichtigkeit, die Wasserstoffleitungen zwischen Frankreich, Deutschland und der Schweiz miteinander zu verbinden. Nur so kann das künftige H2-Ökosystem im Dreiländereck funktionieren.
Investitionen brauchen verlässliche Bedingungen
„Wasserstoff muss Thema bleiben. Unternehmen waren innovativ, damit die Erzeugung gelingt. Jetzt geht es um die Versorgung in der Breite und damit um die Marktfähigkeit von Wasserstoff als Ressource für unsere Industrie.“ Das betont Prof. Dr. Katrin Klodt-Bußmann, Hauptgeschäftsführerin der IHK Hochrhein-Bodensee. Die Präsidentin des Deutschen Wasserstoff-Verbands (DWV), Silke Frank, unterstreicht diesen Appell: „Wir sehen eine Bewegung von ersten, einzelnen Projekten hin zu einer strukturierten Planung zwischen Erzeugern und Abnehmern. Wichtig für einen erfolgreichen Markt im DACH-Raum ist die Kombination aus großen Leitungsprojekten und dezentralen Hubs. Die Risiken der ersten Investitionen müssen in jedem Fall mit staatlichen Leitplanken begleitet werden – Regulatorik ja, aber mit flexiblem Bewegungsraum.“ Das Forum machte die grenzüberschreitende Zusammenarbeit auch im Ausblick sichtbar: In Konstanz wurde der Staffelstab an Frankreich übergeben, wo das nächste H2 Forum stattfinden soll. Die Reihe wechselt jährlich zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz.
Veranstalter des H2 Forum 2026
Das H2 Forum wird von den Klimapartnern Südbaden sowie den Industrie- und Handelskammern Hochrhein-Bodensee, Südlicher Oberrhein und Schwarzwald Baar-Heuberg organisiert. Partner sind die regionale Energiewendegestalterin Badenova, die control-F GmbH, die DVGW-Landesgruppen Baden-Württemberg und Bayern, die Landesagentur e-mobil BW, der Verein H2 Regio e.V., die Saarländische Wasserstoffagentur GmbH H2Saar und die RCT Power GmbH. Unterstützt wird das Forum durch das Interreg-NWE-Projekt Green SKHy sowie durch Landes- und EU-Mittel im Rahmen des RegioWIN-Projekts Hydrogen Valley Südbaden.
Klimapartner Südbaden e.V.
Die Klimapartner Südbaden sind das regionale Netzwerk für die Dekarbonisierung der Wirtschaft im Südwesten Baden-Württembergs. Über 130 Mitgliedsorganisationen aus Wirtschaft, Kommunen und Wissenschaft arbeiten hier zusammen, im Vorstand sitzen 16 regionale Entscheider, darunter Landräte, Vorstandsvorsitzende und Hochschulrektoren. Die Klimapartner Südbaden haben die Projektleitung der Trinationalen Wasserstoffinitiative 3H2 inne, koordinieren die regionale KEFF+Stelle und haben bereits über 50 Millionen Euro Fördermittel für die Transformation der Wirtschaft in die Region geholt. www.klimapartner suedbaden.de
Die Trinationale Wasserstoffinitiative 3H2
100 Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Energieversorger, Kommunen und öffentliche Institutionen aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz haben sich zusammengeschlossen. Ziel ist es, eine grenzüberschreitende Wasserstoffwirtschaft im Dreiländereck aufzubauen. Die Projektleitung liegt bei den Klimapartnern Südbaden; operativ betreut wird die Initiative von deren Mitarbeitenden. Durch Veranstaltungen, Fachdialoge, Netzwerke und gemeinsame Projekte fördert 3H2 den Wissenstransfer und unterstützt Unternehmen dabei, Wasserstofftechnologien erfolgreich umzusetzen. www.3h2.info


