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Nachrichten aus Region meets Business

Badischer Winzerkeller mit deutlichem Plus. Permanente Weiterentwicklung des Geschäftsmodells BWK 2.0

Historisches Ergebnis dient der Sicherung des Winzereinkommens

Gegen den Trend im Umsatz zugelegt – so lässt sich das Geschäftsergebnis des zurückliegenden Jahres erfreulicherweise zusammenfassen und wir können mit dem vorliegenden Geschäftsbericht von einem leichten Wachstum sprechen. Optimierendes Denken und Handeln vom Winzer bis ins Weinregal gaben hierfür die Basis.

Stellen die Ergebnisse des Geschäftsjahrs 2023 vor - André Weltz, Vorstandsvorsitzender (l) und Christian Schätzle, Vorstand Produktion und Oenologie (r)

Auf einen Blick – Statement des Vorstands
Gegen den Trend im Umsatz zugelegt – so lässt sich das Geschäftsergebnis des zurückliegenden Jahres erfreulicherweise zusammenfassen und wir können mit dem vorliegenden Geschäftsbericht von einem leichten Wachstum sprechen. Optimierendes Denken und Handeln vom Winzer bis ins Weinregal gaben hierfür die Basis. Optimierungen schreiten aktiv voran. Wir haben in Vertrieb und Vermarktung investiert und Innovationen im Sortiment und in der Technik etabliert. Unser Geschäftsmodell BWK 2.0 hat sich prospektiv weiterentwickelt. Die Vorteile unserer Erzeugergemeinschaft konnten herausgearbeitet und die Wettbewerbsfähigkeit weiter fokussiert und verbessert werden. Dabei bauen wir auf ein kompetentes und motiviertes Winzerkeller-Team und haben – alle gemeinsam – einen klaren Auftrag: 360° Sichten, Lösen und dynamisch umsetzen.

Die Herausforderung für die nahe Zukunft wird sein, die Kompetenz und Kraft der Winzer-innen und Winzer mit dem Badischen Winzerkeller stärker zu koppeln und im Durchsatz zu vermitteln. Hierzu wollen wir die gemeinsamen Leistungen noch intensiver bündeln – von optimierenden Lösungen in der Produktions- und Prozessdynamik über weitere Kosteneinsparungen, Vertriebsexpansion bis zur Konzentration von Einkauf und Logistik. Dabei durchleuchten wir stets die Wertschöpfungskette von der Traube bis zum Wein beim Verbraucher.

Parallel hierzu gilt es, die Anforderungen des Marktes in der Sortenpolitik so auszurichten, dass wir auf die entsprechenden Mengen und Qualitäten eingehen können, die der Handel und damit unsere Kunden sich wünschen. In der Korrespondenz von Erzeugung und Vermarktung liegt noch Potenzial für die zukünftige Ergebnissituation des Badischen Winzerkellers. Unser aktuelles Handeln ist dabei als Prozess zu verstehen, der von Jahr zu Jahr auf ein besseres wirtschaftliches Gesamtergebnis abzielt. Das ist in unserer BWK-Charta unter Paragraph 2. eindeutig manifestiert mit „Wir wollen die Zukunft des Winzerhandwerks sichern - für ein auskömmliches Traubengeld, für den Blick nach vorne und für die Entfaltung in die Zukunft“.

Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen

Allgemeine Entwicklung - Leichter Rückgang der Wirtschaftsleistung
Im Jahr 2023 beeinträchtigten die Spätfolgen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine und der Coronapandemie die konjunkturelle Entwicklung Deutschlands. Wegen dieser Belastungen sank das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorjahr leicht um 0,3 %. Im Jahresdurchschnitt lag die Inflationsrate bei 5,9 %. Bei Nahrungsmitteln hielt der hohe Preisauftrieb nahezu ungebremst an. Sie verteuerten sich um 12,4 %.

Die bereits Ende 2022 im Zuge des Ukrainekriegs eingetretene wirtschaftliche Schwächephase dauerte im Wesentlichen das gesamte Jahr 2023 an. Dabei überlagerten sich die dämpfenden Einflüsse vielfach. Die bis ins Frühjahr bestehenden Hoffnungen auf eine konjunkturelle Erholung erfüllten sich nicht. Zu Jahresbeginn wurde die Konjunktur vor allem durch die nur langsam schwindenden Belastungen durch die hohe Inflation, die Materialengpässe und die teilweise noch bestehenden Coronaschutzmaßnahmen gedämpft. Im weiteren Jahresverlauf belasteten dann verstärkt die von den westlichen Notenbanken in Reaktion auf die Inflation vorgenommenen kräftigen Leitzinsanhebungen die wirtschaftliche Situation in Deutschland und weltweit. Überlagert wurden diese Einflüsse auch von dem andauernden Arbeits- und Fachkräftemangel hierzulande und den hohen Unsicherheiten, beispielsweise über die Folgen des Ende 2023 eskalierenden Nahostkonflikts.

Nach einem durch die Erholung von der Coronakrise getriebenen kräftigen Zuwachs im Vorjahr um 3,9 % gingen die privaten Konsumausgaben 2023 preisbereinigt um 0,8 % zurück. Hauptgrund war der kräftige Anstieg der Verbraucherpreise, der die Kaufkraft der Einkommen vieler Haushalte deutlich dämpfte. Vor allem in Bereichen, in denen die Preise auf dem hohen Stand des Vorjahres verharrten oder sogar weiter zulegten, kam es zu rückläufigen Ausgaben der Privathaushalte.

Der grenzüberschreitende Handel der deutschen Wirtschaft konnte 2023 nicht an die deutlichen Zuwächse während der Erholung von der Coronakrise im Jahr 2022 anknüpfen. Sowohl die Exporte als auch die Importe sanken um 1,8 % beziehungsweise 3,0 %. Maßgeblich für den Rückgang des Exportgeschäfts war die im Jahresverlauf schwächer werdende weltwirtschaftliche Gangart. Zudem belasteten die hohen inländischen Energiekosten die deutschen Exportunternehmen.

(Quelle DRV Gesamtwirtschaftlicher Hintergrund 2023)

Branchenentwicklung
Die Internationale Organisation für Rebe und Wein (OIV) schätzt die weltweite Weinproduktion (ohne Saft und Most) für das Jahr 2023 auf ca. 244,1 Mio. hl. Die Erntemenge liegt damit 7 % unter Vorjahresniveau und ist damit die Kleinste der letzten Jahre. Die EU-Weinproduktion wird von der OIV auf 150 Mio. hl (ohne Saft und Most) geschätzt. Dies entspricht 61 % der weltweiten Weinproduktion. Im Vergleich zum Vorjahr ging das Produktionsvolumen um 11,2 Mio. hl (-7 %) zurück.

Das Weinjahr 2023 stellte die Winzer und Weingärtner nach Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI) durch die gleichzeitige Reife vieler Sorten sowie dem hohen Selektionsbedarf vor große Herausforderungen. Zu den Gewinnern des Jahrgangs zählen die traditionellen Rebsorten Riesling und Silvaner sowie die internationalen Rotweinsorten. Insgesamt werden die Jungweine als fruchtbetont und frisch beschrieben. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lagerten zum Stichtag am 31. Juli 2023 mit 12,1 Mio. hl rund 8,3 % mehr Wein und Schaumwein in den hiesigen Kellern als im Vorjahr. Im Vergleich zum langjährigen Mittel ist das Ergebnis um 2,4 % höher ausgefallen.

Im Jahr 2023, so das DWI, ist der inländische Weinkonsum gesunken. Insbesondere der Lebensmitteleinzelhandel, der traditionell die mengenmäßig größte Rolle im Weinabsatz spielt, kämpft mit Absatz- und Umsatzrückgängen. Die Rückgänge im deutschen Markt können von Zuwächsen im Export sowie im Onlinehandel jedoch nicht kompensiert werden. Dies bedeutet, dass die Marktlage sehr angespannt ist. Durch die Inflation aufgrund des Krieges in der Ukraine kaufen die Kunden preissensibler ein, weswegen es laut DWI zu einem Mengenzuwachs von ausländischen Weinen im Preiseinstiegsbereich kam. Die gestiegenen Produktionskosten verschärfen die prekäre wirtschaftliche Situation vieler Betriebe zusätzlich. Aktuell beträgt der absatzbezogene Marktanteil deutscher Weine im Inland 41 %.

(Quelle DRV Gesamtwirtschaftlicher Hintergrund 2023)

Geschäftsverlauf, Umsatz- und Absatzentwicklung

Inland
Der Pro-Kopf-Verbrauch an Wein ist auch im Betrachtungsjahr 2023 erneut gesunken und liegt per Dezember 2023 bei nur noch 19,2 Liter, berichtete das Deutsche Weininstitut (DWI). Im Vergleich zum Wirtschaftsjahr 2022 sind dies weitere 0,7 Liter weniger, also gut eine Flasche. Konstant blieb der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von Sekt mit 3,2 Litern. Das DWI führte die Entwicklung auf die Demographie und ein verändertes Konsumverhalten zurück. Zudem sind günstige Weine stärker gefragt. In Deutschland wurde 2023 über alle Einkaufsstätten gesehen 5,6 % weniger Wein gekauft, der Umsatz blieb nahezu stabil (DWI auf Basis Nielsen-Daten). Als Ursache wird die größere Preissensibilität der Verbraucher gesehen. Davon hätten preisgünstigere Weine profitiert. Deutsche Weine mussten zum Vorjahr bei einem leicht steigenden Durchschnittspreis (3,30 € +8 %) Absatzverluste von 8,9 % und ein Umsatzminus von 1,6 % hinnehmen. Die Käuferreichweite von Deutschwein sank um 2,5 % auf nur noch 43,9 %.

Der Badische Winzerkeller konnte sich im Geschäftsjahr von dieser Marktentwicklung abkoppeln und erreichte mit einem Umsatz von 40.658.020 € ein Umsatzplus im Vergleich zum Vorjahr (38.084.580 €). Der Durchschnittserlös konnte von 2,67 €/L auf 2,86 €/L gesteigert werden. Die wesentlichen Treiber der Entwicklung sind die Bereiche Fachhandel und Discount, in denen bei wachsenden Durchschnittserlösen die Umsätze ausgebaut werden konnten. Nach wie vor liegt der Schwerpunkt unserer Aktivitäten jedoch in den Bereichen LEH und Discount mit über 80 % Anteil am Gesamterlös des Badischen Winzerkellers. Die Marken des Badischen Winzerkellers haben sich im vergangenen Geschäftsjahr unterschiedlich entwickelt.

Die Gosch-Linie konnte im vergangenen Jahr deutlich zulegen und erreichte einen Umsatz-zuwachs von 5 %. Die konsequente Umsetzung der überarbeiteten Portfolio-Strategie führt durch die Reduzierung des Sortimentes im Absatz zu Rückgängen, bei den Ergebnissen jedoch zu deutlichen Fortschritten auf Artikelebene. Im Zuge der Sortimentsüberprüfung wurden bereits 851 Artikel (Vgl. 2021 = 1.469 Artikel) gestrichen, so dass unser Portfolio nur noch 618 Produkte umfasst.

Export
Der Exportanteil des Badischen Winzerkellers liegt wie in den Geschäftsjahren zuvor unter 1 % Anteil vom BWK-Gesamtumsatz. Auch 2023 bewegten sich die Umsätze auf konstantem sechsstelligem Niveau. Mögliche Absatzpotentiale sind im Visier und werden genutzt, sofern sich Wirtschaftlichkeit abzeichnet und internationale Handelsgeschäfte auch tatsächlich auf das Traubengeld einzahlen.

Erläuterungen des Vorstands zur wirtschaftlichen Entwicklung

Deutscher Weinmarkt ist rückläufig
Die Lage auf dem deutschen Weinmarkt ist derzeit schwierig. Der Badischen Winzerkeller konnte sich 2023 vom negativen Trend abkoppeln. In Deutschland ist der Direktweinverkauf im vergangenen Jahr um 15 % zurückgegangen, auch der Pro-Kopf-Verbrauch ist auf 19,2 Liter gesunken. Die Altersgruppen mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch scheiden langsam aus, während 75 % der unter 30-Jährigen überhaupt keinen Wein trinken. Der BWK hat sich besser als im Vorjahr und auch besser als der Gesamtmarkt entwickelt.

BWK-Geschäftsjahr 2023 bringt Trendwende
Der Absatz war leicht rückläufig, mit einem Umsatz von 38,6 Mio. € liegen wir aber über dem Vorjahresniveau und über unserer Planung. Das ist ein Erfolg, wenn man bedenkt, wie der Weinmarkt eingebrochen ist. Wir haben uns von nicht profitablen Geschäften getrennt und eine schwarze Null geschrieben. 2024 gilt es, dieses Ergebnis zu bestätigen. Wir haben für uns geklärt, welche Rolle wir am Markt haben und konzentrieren uns darauf. Wir sind kein kleines Weingut mit vielen Weinen in kleiner Auflage. Wir wollen größere Mengen in guter Qualität für die Discounter, aber auch immer mehr für den Lebensmitteleinzelhandel, den Fachhandel und die Gastronomie anbieten. Von den Top 10 der Getränkeabholmärkte beliefern wir zum Beispiel mittlerweile sieben. Mit der Firma Getränke Hoffmann starten wir in diesem Herbst am Kaiserstuhl ein Projekt, dessen Weine rund 12 Euro je Flasche kosten und den Winzern bis zu 15.000 Euro Traubengeld je Hektar bringen werden. Darauf sind wir sehr stolz. Viele Winzer haben bereits Interesse angemeldet, mit fünf Hektar Rebfläche wollen wir beginnen. Ähnliche Projekte wollen wir später am Tuniberg, im Breisgau und im Markgräflerland initiieren.

Sortimentsreduzierung wird fortgesetzt
Von ursprünglich 1.469 wollen wir nur noch 500 verschiedene Weine produzieren, im 1. Quartal 2024 sind wir bei 618, unser Ziel sind 424 Artikel. Das wären dann in etwa noch 30 Prozent des Sortiments, das wir vor drei Jahren noch hatten. Und damit verdienen wir mehr Geld als früher. Der Schlüssel zum Erfolg ist nicht die Zahl der Angebote, die den Kunden unterbreitet werden, sondern ihre Rentabilität. Wir prüfen über drei Stufen, ob ein neues Produkt am Markt erfolgreich sein kann. Die 3 Stufen sind Konsumentenrelevanz, Absatz- und Umsatzpotenzial, ein mögliches Alleinstellungsmerkmal am Markt und Profitabilität. Wir versuchen, den Handel frühzeitig in unsere Überlegungen einzubeziehen.

Rebfläche passt zu Umsatz
Unsere Ertragsrebfläche liegt seit Anfang 2024 bei 1.306 Hektar. Diese passt sehr gut zu unserem geplanten Absatz, demnach sind Zukäufe, wenn überhaupt, nur in einem geringen Umfang notwendig. Dennoch gehen wir davon aus, dass weitere Nebenerwerbswinzer aufhören werden. Neue Kündigungen von Mitgliedsgenossenschaften gibt es nicht. Weltweit besteht ein Überangebot an Wein. In Frankreich und in Württemberg wurden zum Beispiel größere Mengen destilliert.

Markenstrategie im Aufwind
Sortiment reduzieren, Markenweine fokussieren, das verfolgen wir weiter. Unsere Markenweine Martin Schongauer, unsere bekannteste und erfolgreichste Weinlinie, hat im Verlauf 2023 im Absatz um 7 % auf nun über eine Million Flaschen zugelegt. Martin Schongauer steht für Burgunder. Wir haben die Marke mit der Burgunderstunde für gehobene Ansprüche und der Burgunderliebe mit einem höheren Restzuckergehalt für jüngere Konsumenten ergänzt. Weiterhin gut läuft die Marke Heinrich Hansjakob in der Literflasche. Auch die Gosch-Weine entwickeln sich erfreulich, die Innovation einer Drei-Liter Bag in Box ist seit April 2024 auf dem Markt. Darüber hinaus haben wir neue alkoholfreie Weine. Außerdem die Almdudler-Schorle mit gutem Start in die 2024er Saison.

Dienstleistungen als neuer Geschäftsbereich
Wir wollen ein sehr leistungsfähiger Lieferant mit nachgefragten Produkten sein, solide und bodenständig. Der Badische Winzerkeller bietet Partnern der gleichen Wertschöpfungsstufe in insgesamt 14 Bereichen umfangreiche Dienstleistungen an. In den Bereichen Abfüllung und Logistik gibt es bereits Partner.

Krise im deutschen und badischen Weinbau als Chance für den Winzerkeller
Werden größere Kellereien leichter überleben als kleine? Wir glauben es werden die überleben, die ihr Geschäftsmodell verstanden haben und am konsequentesten umsetzen. Kleinere, die nicht größer werden, und Große, die nicht kleiner werden. Empfehlung für Nachfolgegeneration zur Betriebsgründung und Rat bei derzeitiger Marktlage: „Ich würde ihnen raten, ein klares Konzept und eine Vision zu formulieren und ein Alleinstellungsmerkmal zu suchen, das es am Markt noch nicht gibt. Wenn sie eine gute Idee haben, dann würde ich sagen, startet durch. Wenn nicht, dann lasst die Finger davon“, so André Weltz in Frühjahrsinterviews mit der Fachpresse.

 

Weinbau, Ernte und Qualitätsaspekte

Die badischen Winzerinnen und Winzer konnten nach einem herausfordernden Vegetationsjahr eine gute, durchschnittliche Ernte einbringen. Von nennenswerten Schäden durch Pero-nospora- oder Oidium-Befall an den Trauben wurde Baden – entgegen anderen deutschen Anbaugebieten – weitgehend verschont.

So konnten in Summe gut 16,0 Mio. kg Trauben geerntet werden. Dies entspricht einem Flächenertrag von rund 123 kg/ar und einem leichten Rückgang von 7,5 % im Vergleich zum Vorjahresertrag in 2022.

Oenologisch betrachtet war der 2023er Jahrgang nicht ganz unkompliziert. Die vereinzelt aufgetretene negative Beeinträchtigung des Lesegutes erforderte einen schnellen Transport und eine zügige Weiterverarbeitung im Betrieb.

Die Ertragsrebfläche der BWK-Mitgliedsgenossenschaften lag 2023 bei 1.304 ha (Vorjahr 2022 bei 1.433 ha).

Die nachhaltige Qualitätspolitik des Badischen Winzerkellers setzt sich vom Weinberg bis ins Weinregal fort. Mit den Weinen des qualitativ sehr guten Jahrgangs 2022 konnte der Badi-sche Winzerkeller sowohl bei der Landesweinprämierung als auch bei großen internationalen Weinwettbewerben wie Mundus Vini oder Berliner Wine Trophy erfolgreich teilnehmen.

Lagebericht und wesentliche Aspekte


Ertragslage
Die Umsätze haben sich gegenüber dem vorherigen Geschäftsjahr 2022 um 6,8 % auf insgesamt 40,6 Mio. € erhöht. Die Gesamtleistung erhöhte sich deutlich insbesondere aufgrund der positiven Bestandsveränderung um 13,1 % gegenüber dem Vorjahr. Die Ertragslage des Unternehmens hat sich deutlich verbessert, ist aber weiterhin nicht zufriedenstellend. Zukünftige Ergebnisverbesserungsmaßnahmen sind weiterhin erforderlich und geplant. Der Materialaufwand hat sich im Berichtsjahr um 2,6 Mio. € (11,4 %) gegenüber dem Vorjahr beträchtlich erhöht. Dies liegt im Wesentlichen an den erhöhten Einkaufspreisen im Bereich der Warenumschließung. Das Jahresergebnis hat sich um 3,8 Mio.€ auf 1,8 Mio.€ deutlich erhöht.

Bestandslage
Die im Vergleich zum Vorjahr geringere Absatzmenge führte zu einer erheblichen Erhöhung der Wein- und Sektbestände in Höhe von 2,3 Mio. Liter zum 31. Dezember 2023. Inklusive der Eingangsmengen von teilanliefernden Mitgliedsbetrieben und des Zukaufs wurden 16,3 Mio. Liter (ohne Anreicherung) eingelagert. Zum Bilanzstichtag verfügte der Badische Winzerkeller über einen Gesamtbestand von 23,2 Mio. Liter (VJ 20,9 Mio. Liter).

Einkauf
Mit den fallenden Energiekosten normalisierte sich auch der Beschaffungsmarkt in der zweiten Jahreshälfte 2023. Die Preise für Kartonagen, Flaschen und Verschlüsse haben sich wieder etwas normalisiert, wenn auch nicht auf das Niveau vor der Energiekrise. Auch die Verfügbarkeit der einzelnen Warengruppen hat sich wieder deutlich verbessert. Beispielhaft liegt die Lieferzeit bei den Kartonagen aktuell bei 6 Wochen, hier lagen wir zu Jahresbeginn noch bei 12 Wochen. Für 2024 ist weiterhin von leicht sinkenden Materialkosten auszugehen.

Personal
Die durchschnittliche Anzahl an Mitarbeitern in Voll- und Teilzeit ist gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken. Es wurden (ohne Vorstand und Auszubildende) durchschnittlich 102,0 Vollzeit- (VJ 103) und 24,0 Teilzeit-Mitarbeiter (VJ 26,0) beschäftigt. Im Geschäftsjahr 2023 haben im Vergleich zum Vorjahr wiederum einige Beschäftigte von ihrer Möglichkeit Gebrauch gemacht, die Arbeitszeit gemäß Teilzeit- und Befristungsgesetz, Elternzeit etc., ihren Wünschen entsprechend zu reduzieren. Seit 2019 wurden bisher 40 Planstellen abgebaut bzw. nicht nachbesetzt. Der durchschnittliche Umsatz je Vollzeitmitarbeiter inkl. Vorstand hat sich im Berichtsjahr auf 317 T€ (VJ 291 T€) und ist damit nicht angestiegen.

Umwelt
Die fünf vorhandenen Photovoltaik-Anlagen haben in 2023 wieder ca. 0,9 Mio. kWh Strom erzeugt. Die Sonnenwinzer decken somit ihren Stromverbrauch zu einem nennenswerten Teil aus selbst gewonnener Sonnenenergie. Diese Art der Stromerzeugung trägt durch die damit einhergehende Verminderung des CO2-Ausstoßes seit Jahren erheblich zum Umweltschutz bei. Das BWK-Energiemanagementsystem wurde in 2023 wieder weiterentwickelt und auch nach der Prüfungsnorm ISO 500001:2018 mit einem Überwachungsaudit erfolgreich bestätigt. Der Gesamtenergieverbrauch hat sich im Vergleich zum Vorjahr leicht erhöht. Das hängt mit dem im Jahr 2023 gestiegenen Dienstleistungsgeschäft zusammen.

Vermögens- und Finanzlage
Die Vermögens- und Finanzlage der Genossenschaft ist geordnet. Die wirtschaftliche Lage des Badischen Winzerkellers ist stabil, die Ertragslage konnte im Berichtsjahr verbessert werden. Das ausgezahlte Traubengeld an die Winzer wurde in 2023 vollständig operativ erwirtschaftet. An signifikanten Verbesserungen der entsprechenden Kennziffern wird weiterhingearbeitet. Der Vorstand entwickelt gemeinsam mit den Gremien, Mitgliedern und Mit-arbeitern Strategien und Initiativen, um dauerhaft ein Traubengeld zu erwirtschaften, das den Winzern eine nachhaltige Existenzgrundlage sichert. Dabei wird an der Weiterentwicklung des Geschäftsmodells intensiv und unter Einbindung der Winzerinnen und Winzer gearbeitet. Der in 2021 erarbeitete 3-Jahresplan setzt die Leitplanken für die Ausrichtung des Badischen Winzerkellers in die Zukunft. Dabei stehen erfolgswirksame Bausteine im Mittelpunkt der Roadmap 2023 - Kosten senken, Zugang zum Markt erhalten und die Digitalisierung der Geschäftsprozesse zur nachhaltigen Steigerung der Effizienz forcieren. Dabei überprüft der Badische Winzerkeller, inwieweit er auch außerhalb der Herkunft Baden konsumentenrelevante Produktangebote entwickeln kann.

Prognosen und Perspektiven 2024

Die Planung 2024 trägt der aktuellen Entwicklung Rechnung und sieht die wesentlichen finanziellen Leistungsindikatoren Absatz, Umsatz sowie Traubengeldauszahlung auf dem Niveau des Vorjahres. Diese Planung unterliegt verschiedenen Annahmen u.a. im Hinblick auf die Entwicklung der Kriegsgebiete in der Ukraine und Israel / Gaza. Vor dem Hintergrund der Konsumzurückhaltung im Weinbereich gehen wir weiterhin von einem intensiven Wettbewerb in den Bereichen Lebensmitteleinzelhandel, im Discount und im Online-Geschäft aus und rechnen gleichzeitig mit einer schwierigen Entwicklung in den Kanälen Gastronomie und Fachhandel für den Badischen Winzerkeller aufgrund der weiterhin vorgenommenen und notwendigen deutlichen Anpassung unserer Abgabepreise.

Der bisherige Vegetationsverlauf verläuft im Wechsel von Sonne und Niederschlägen im langjährigen Vergleich durchschnittlich. Die Ende April aufgetretenen Frostschäden haben sich auf wenige Einzugsgebiete des Badischen Winzerkellers beschränkt und führen daher nicht zu nennenswerten Rückgängen der Ernteerwartungen. Bis dato kann daher mit einer durchschnittlichen Ernte im Jahr 2024 gerechnet werden.

Das geplante Traubengeld 2023 wurde erreicht, dabei wurde die Auszahlung des Traubengeldes pro kg um 28 % im Vergleich zum Vorjahr erhöht. Der Badische Winzerkeller wird den 3-Jahres-Plan der Roadmap 2024 weiterverfolgen. Die bisher bearbeiteten Themenfelder werden konsequent bearbeitet und um neue Bausteine erweitert.

Der Badische Winzerkeller wurde 1952 mit dem Unternehmenszweck gegründet, badischen Wein innerhalb und insbesondere außerhalb Badens zu verkaufen. Auf diese Grundidee wollen wir uns in Zukunft wieder stärker konzentrieren. Dabei steht für uns im Vordergrund den 4.000 Winzern des Badischen Winzerkellers über das Traubengeld langfristig ein auskömmliches Einkommen zu sichern.

In der im Jahr 2021 erarbeiten Roadmap wurde in einem rollierenden 3-Jahresplan verbind-lich erarbeitet und hinterlegt, dass der Badische Winzerkeller in Zukunft das ausgeschüttete Traubengeld auch operativ erwirtschaftet haben muss, um sicherzustellen, dass einerseits langfristig in das Unternehmen zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit investiert und anderer-seits ein angemessenes, aber erwirtschaftetes Traubengeld ausgeschüttet werden kann.

Ein wichtiges und zentrales Anliegen der Roadmap BWK 2024 ist es, die Erlöse und Aufwendungen in ein besseres Verhältnis zu setzen. Bei lediglich leicht wachsenden Umsatzpotentialen liegt somit der Focus auf einer strikten Kostenkontrolle, Steigerung der Effizienz und der Sicherung des Zugangs zum Markt und vor allem zu den Konsumenten.

Der BWK wird den Konsumentenwünschen folgen und seine Sortimentsstrategie darauf ausrichten. Wir wollen da sein, wo der Konsument uns erwartet. Wir werden mit ihm über alle Touchpoints in Kontakt bleiben und unsere Sichtbarkeit erhöhen. Dabei arbeiten wir weiter an bestehenden ertragsstarken Kundenbeziehungen und bauen neue auf. Wir fühlen uns der Pflege unserer Marken und Produkte verpflichtet und investieren nachhaltig in konsumentenrelevante Konzepte.

In der 2022 formulierten BWK-Charta halten wir verbindlich fest, dass wir im Denken und Handeln der Ökologie und der Nachhaltigkeit verpflichtet sind. Wir stehen für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Menschen und Natur. In der neuen BWK-Charta legen wir verbindlich fest, für welche Werte wir stehen. Unseren Kompass beschreiben wir über ARD – Achtung, Respekt, Dynamik und ZDF – Zahlen, Daten, Fakten.

Zur Erreichung unserer Ziele haben wir zunächst eine „Inventur“ durchgeführt - wir wollten wissen, wo wir stehen. Im Anschluss haben wir die wichtigsten Stellschrauben nach Verantwortungsbereich identifiziert und handeln zügig und entschlossen, um die Potentiale zu heben. Wir stellen uns immer die Frage „Zahlt das, was ich mache auf die Steigerung des Traubengeldes ein?“

Wir planen unsere Kosten weiterhin systematisch und optimierend. Dabei prüfen wir alle Optionen. Es gibt keine Denkverbote, wir prüfen, ob wir alle Leistungen in gleichem Umfang weiterhin erbringen können, neue Leistungsangebote werden entwickelt.

Wir wollen den Badischen Winzerkeller als modernes, badisches und digitalisiertes Unternehmen positionieren und behalten im Auge, warum das Unternehmen gegründet wurde. Hinter unserer unternehmerischen Tätigkeit steht eine Haltung: Verantwortungsbewusstsein, nachhaltiges Denken und Handeln!

Das Traubengeld entwickelt sich behutsam nach vorne. Mit dem Geschäftsjahresabschluss 2023 können wir unseren Mitgliedswinzern im Durchschnitt 28 % (EUR/Kg) mehr Geld als im Vorjahr ausbezahlen. Unsere Weiterentwicklungsmaßnahmen zum BWK 2.0 greifen und wir bewegen uns durch den jetzigen Schwellenpunkt nach vorn. Auch für 2024 verstehen wir weitere Steigerungen als laufenden Prozess, der sich prospektiv an der Marktentwicklung orientiert. Wir wollen ein Traubengeld, von dem die Winzer leben können, operativ erwirtschaften. Außerdem wollen wir Ruhe und Kontinuität in das Unternehmen bringen.

Wesentliche Bausteine des 3-Jahresplans sind u.a. die Fokussierung auf ein reduziertes, konsumentenrelevantes und nicht zwingend badisches Produktangebot. Darüber hinaus liegt der Schwerpunkt in Zukunft noch stärker darauf, dass auch die Produktprofitabilität ein ent-scheidendes Kriterium für die Entwicklung und Aufrechterhaltung des Sortimentsangebotes unseres Badischen Winzerkellers sein wird.

Text/Bilder: Badischer Winzerkeller eG

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