Zum Hauptinhalt springen
Nachrichten aus Region meets Business

Aus journalistischer Perspektive gesehen

Unternehmensnachfolge: Ein Balanceakt zwischen Emotion und Strategie

Die Veranstaltung „Blickpunkt starkes Netzwerk“ beleuchtete, wie Unternehmer den Übergang meistern und dabei Tradition, Vertrauen und Innovation in Einklang bringen

Wenn Unternehmer ihr Lebenswerk in andere Hände legen, geht es nicht nur um Bilanzen und Verträge – es geht ans Eingemachte. „Die Regelung der Nachfolge ist ein harmloser Begriff, aber mit maximaler Sprengkraft“, brachte es Moderator Felix Danberg auf den Punkt. Bei der Veranstaltungsreihe „Blickpunkt starkes Netzwerk“ des Online-Magazins „Region im Blick“, dieses Mal mit dem Titel „Herz, Kopf und Vertrag“ in den Räumen der Kramer GmbH in Umkirch, wurde schnell klar: Unternehmensnachfolge ist kein Verwaltungsakt, sondern ein Balanceakt zwischen Emotion und Strategie.

Der Abend versprach persönliche Einblicke und ehrliche Erfahrungen von fünf „Macherinnen und Machern“ aus Industrie, Handel, Dienstleistung und Handwerk, die die Unternehmensnachfolge nicht nur durchlebt, sondern auch durchdacht haben.

Ein zentraler Fokus lag auf der internen Familiennachfolge, beleuchtet durch die Erfahrungen der Familien Biehrer (Biehrer GmbH & Co. KG, Sexau) und Weckesser (Kramer GmbH, Umkirch). Als Kontrast dazu berichtete Manuel Rams von der Übernahme des Traditionsunternehmens Mayca Naturbackwaren GmbH, Schliengen.

v.l.n.r.: Daniel Weckesser, Matthias Weckesser / Kramer Gmbh Manuel Rams / Mayca Naturbackwaren GmbH, Alice Biehrer und Anton Biehrer /Biehrer GmbH & Co. KG, Sexau

Andreas Braun

Wenn Stolz auf Vertrauen trifft

Anton Biehrer beschrieb die Übergabe seines Lebenswerks als eine Erfahrung, die vor allem von Stolz geprägt war: „Es ist einfach schön festzustellen, dass das was man selber gelebt hat, aufgenommen wurde und für gut empfunden wurde und weiterbetrieben wird.“ Er hatte nie Zweifel an seinen Kindern, weil er ihnen alles zutraute und glaubte, dass sie es sogar „ein Stück weit besser machen werden als ich“.

Seine Tochter und Co-Geschäftsführerin, Alice Biehrer, hob hervor, dass ein Familienunternehmen für sie und ihren Bruder schon immer ein „Familienmitglied“ war. Ihre Entscheidung, in das Unternehmen einzusteigen, traf sie Mitte 20, nachdem sie durch externe berufliche Erfahrungen eine reifere Perspektive auf das Geschaffene ihrer Eltern gewonnen hatte. Sie beschrieb ihren Schritt als eine Kombination aus Kopf- und Herzensentscheidung: „Mich hat die Idee des Familienunternehmens irgendwie ein bisschen mehr gekickt [...] das war am Ende dann doch das Herz, das für das Unternehmen geschlagen hat.“ Dieses Herz gewinne letztendlich immer.

Anton Biehrer und seine Tochter und Co-Geschäftsführerin, Alice Biehrer

Andreas Braun

Die Last des Erbes

Auch bei der Kramer GmbH, einem Unternehmen in vierter Generation, das seit 1929 besteht, wurde die Nachfolge von Vater zu Sohn gemeistert. Daniel Weckesser wuchs mit der omnipräsenten Firma auf, spürte jedoch nie direkten Druck seiner Eltern, sie zu übernehmen. Er gestand jedoch ein, dass es „schon was mit einem macht, wenn man es gewohnt ist, schon mit 6 Jahren Juniorchef genannt zu werden“. Trotzdem sei die Nachfolge ein „Privileg“, wenn auch eine „Belastung“. Man wolle schließlich nicht derjenige sein, bei dem es schief laufe.

Matthias Weckesser, sein Vater, betonte die Wichtigkeit eines frühzeitigen Nachdenkens über die Übergabe und hob grundlegende Werte wie „Gerechtigkeit, Verbundenheit und Fairness“ hervor, die sowohl im Unternehmen als auch in der Familie gelebt werden sollten.

Daniel Weckesser,

Der Befreiungsschlag von außen

Im Gegensatz zur familieninternen Nachfolge steht Manuel Rams, geschäftsführender Gesellschafter der Mayca Naturbackwaren GmbH, einem Traditionsunternehmen für Laugengebäck-Spezialitäten. Er übernahm das Unternehmen von außen, da es keine familiäre Nachfolge gab und die Altgesellschafter keine klare Vision für die Zukunft hatten. Rams beschrieb die Übernahme als „Befreiungsschlag“ für das Unternehmen, das eine „180-Grad-Wendung“ erfuhr. Für ihn war die externe Besetzung sinnvoll, da er das Unternehmen bereits als Geschäftsführer kannte und eine klare Vision für dessen Wachstum und Ausrichtung hatte.

Er betonte, wie wichtig es ist, das Team mitzunehmen und eine Vision zu kommunizieren, da Mitarbeiter der „Werkstoff“ seien, mit dem das Unternehmen vorankomme. Die Bindung der Mitarbeitenden gelinge, „je näher ich an der Person bin“.

Manuel Rams, geschäftsführender Gesellschafter der Mayca Naturbackwaren GmbH

Andreas Braun

Kommunikation als ein Schlüssel zum Erfolg

Einigkeit bestand auf dem Podium über die essentielle Rolle der Kommunikation. Anton Biehrer musste sich anfangs daran gewöhnen, dass bei der gemeinsamen Führung seines Betriebes plötzlich kommuniziert werden musste. Er erkannte aber schnell den „riesen Vorteil, wenn man kommuniziert“. Alice Biehrer wies auf den Unterschied hin, ob man nur Ratschläge gibt oder die letzte Entscheidung trifft und die Konsequenzen trägt.

Ein weiterer wichtiger Wert, der die Unternehmenskultur prägen sollte, ist die Fehlerkultur. Anton Biehrer lernte durch seine Kinder, dass „Fehler erlaubt“ sind und nur, wenn man sie zulässt und sich eingesteht, daraus gelernt und sich weiterentwickelt werden kann. Daniel Weckesser unterstrich die Bedeutung des Begriffs „Kramer-Familie“: „Ich will, dass die Leute, die bei uns arbeiten, sich wohlfühlen“.

Die Kunst des Loslassens

Die Frage nach dem Loslassen war besonders für die Senior-Chefs relevant. Matthias Weckesser beschrieb, dass er persönlich keine Probleme habe, sein Lebenswerk abzugeben, da er weiterhin in Teilzeit im Familienbetrieb tätig sei. Die Herausforderung bestehe eher darin, Verantwortung abzugeben und zu akzeptieren, nicht mehr über alles informiert sein zu müssen. „Man lernt viel über sich in der Zeit“, bemerkte er. Manuel Rams betonte, dass die Rolle des Unternehmers ein „tägliches Learning“ sei, bei dem man sich ständig hinterfragen müsse.

Externe Erfahrungen als Wegbereiter

Ein wichtiger Aspekt war auch die Rolle externer Erfahrungen vor dem Einstieg ins Familienunternehmen. Alice Biehrer, die zuvor in einem Konzern gearbeitet hatte, sah den Wert darin, bewusstere Entscheidungen zu treffen und eine klare Vorstellung davon zu entwickeln, welche Führungspersönlichkeit sie sein möchte. Gleichzeitig warnte sie vor der anfänglichen Skepsis externer Geschäftspartner gegenüber neuen Ideen.

Daniel Weckesser, der nach seinem Studium bewusst einen Umweg über die Wirtschaftsprüfung nahm, fand es wertvoll, „weil ich dort gemerkt habe, ich kann etwas und ich kann mich auch irgendwo anders durchsetzen, wenn ich das will. Und bin nicht unbedingt darauf angewiesen bei Kramer zu arbeiten.“.Anton Biehrer hob den Wert einer fundierten Handwerksausbildung hervor und sah die Übernahme eines bestehenden Betriebs als „viel schwieriger“ an, als selbst ein Unternehmen von Grund auf aufzubauen.

Menschen bewegen, nicht nur Zahlen

Der Netzwerkabend „Herz, Kopf und Vertrag" machte deutlich: Unternehmensnachfolge ist weit mehr als ein rechtlicher oder wirtschaftlicher Prozess. Es ist eine emotionale Reise, die Menschen bewegt und eine sensible Balance zwischen Tradition und Innovation, zwischen rationaler Strategie und tiefen Gefühlen erfordert. Ein Spagat, der mit Kommunikation, Vertrauen und vor allem Geduld gemeistert werden kann.

Text: Gerd Lache

Auch interessant:

Anzeige

Anzeige