Olympiafechter Rudi Maier Namensgeber für Fechtturnier - Am Samstag, 21. März Rudi-Maier-Turnier in Waldkirch
Anfang der 70-iger Jahre focht sich der Waldkircher Rudi Maier in die Weltspitze, über 30 Nationalmannschaftseinsätze – Für Olympia nominiert
Waldkirch (hbl). Olympische Spiele 1972 in München. Auf Bahn 1 der Halle des Messegeländes kämpfen die weltbesten Fechter. Unter ihnen der Waldkircher Degenfechter Rudi Maier. Am 4. September steht der SVW-Sportler in seinem ersten Olympiagefecht dem Franzosen Jacques La Degaillerie gegenüber.

Fechtszenen vom letzten Rudi-Maier-Turnier
Nur noch wenige Sekunden trennen Rudi Maier bei einer 4:1 Führung vom olympischen Auftaktsieg gegen den späteren Silbermedaillengewinner. Doch dann geschieht das tragische Unglück. In der letzten Minute seines Gefechtes verliert Maier das Bewusstsein, bricht zusammen und ist damit ausgeschieden.
Der damals 27-Jährige stand auf dem Höhepunkt seiner Fechtkarriere. Der damalige Bundestrainer Emil Beck traute dem Waldkircher sogar Medaillenchancen zu. Dabei begann Rudi Maier erst mit 17 Jahren mit dem Fechten. Sein Trainer und Mentor Sepp Mack erkannte jedoch sein Talent, förderte ihn zielstrebig und so wurde Maier 1965 bereits Fünfter bei den Deutschen Meisterschaften (DM) der Junioren. Er eilte von Erfolg zu Erfolg. 1968 stand er bereits auf Platz zwei der deutschen Rangliste und holte sich 1969 den 3. Platz bei den DM.
Als Mitglied des Sportvereins Waldkirch wurde er 1969 gegen Österreich in die deutsche Nationalmannschaft berufen, dem über 30 Länderkämpfe im Dress des Deutschen Fechter-Bundes (DFB) folgten. 1970 startete er durch und etablierte sich sogar in der Weltspitze. Ein Auszug seiner Jahresbilanz: 1. Platz beim Internationalen Degenturnier in Budapest und in Belfort, 2. Platz beim Grand Prix in Bern und 7. Platz bei der Weltmeisterschaft (WM) in Ankara. Mit der Mannschaft verfehlte er mit dem 4. Platz nur knapp eine WM-Medaille. Der 3. Platz im Gesamtweltcup bestätigte seine hervorragende Form. Ein Jahr später dann der vorläufige Höhepunkt in Heidenheim, dem Wimbledon des Fechtsports. Der Waldkircher Degenspezialist gewann bei 292 Fechtern aus 22 Nationen den Heidenheimer Pokal. Die logische Folge, die Nominierung für die Olympischen Spiele 1972 in München, sowohl im Einzel als auch in der Mannschaft. Der legendäre Bundestrainer Emil Beck traute ihm sogar ein Platz auf dem Podium zu, dessen Hoffnungen jedoch im ersten Gefecht jäh beendet wurden.

kein Problem. Doch nach dem erneuten Zusammenbruch bei der Olympiade wurde er im Dezember zu einer Untersuchung in eine Spezialklinik in Stuttgart geschickt, um die Ursache zu finden. Doch nach der Narkose und einem Kontrastmitteleinsatz wachte Rudi Maier als gelähmter Mann auf. Er war gelähmt von Kopf bis Fuß.
Trotz schwerster Behinderung arbeitete er noch jahrelang beim Fernmeldeamt in Freiburg und versah in seiner Freizeit mehrere Hobbys. Trotz seinem Schicksalsschlag bewies er einen großen Lebensmut, So nahm er 2006 lachend und fröhlich an der 50-Jahresfeier der Fechtabteilung des SVW teil. Im Dezember 2017 starb der erfolgreichste Waldkircher Fechter und Olympiateilnehmer nur wenige Wochen vor seinem 73. Geburtstag.
Neuer Rudi-Maier-Treff – ein moderner Besprechungsraum
Mit seinem Trainer Sepp Mack hat sich Rudi Maier zum Nationalmannschaftsfechter entwickelt, in der Weltspitze mitgefochten und als einziger Sportler des SV Waldkirch an Olympischen Spielen teilgenommen. Genauso bewundernswert aber wie er seinen Schicksalsschlag der Lähmung bewältigte. Dieses Vorbild war für die Vorstandschaft Ansporn, den neu renovierten Kellerraum im Olympiahaus beim Elztalstadion dem Waldkircher Spitzenfechter zu widmen. Im vergangenen Jahr wurde mit dem Nachlass von Rudi Maier, im Olympiahaus – für Rudi Maier durchaus passend – ein moderner Besprechungsraum eingerichtet. Natürlich durften Erinnerungen an ihn nicht fehlen. Seither wird der „Rudi Maier-Treff“ nach dem SVW-Vorsitzenden Frank Moos, von den Abteilungen kräftig genutzt. Auch die Fechtabteilung hat ihn schon mehrfach genutzt wie für Schulungen oder Pressegespräche. Und dies alles im Blick von dem an der Wand verewigten Ausnahmefechters.

Rudi-Maier-Turnier seit 1982, jetzt wieder am Samstag
Vergessen wurde er vorher aber nicht. Kurz nach dem Bau der Kastelberghalle wurde ein Turnier zu seinen Ehren ausgerichtet. Seit 1982 trägt die Fechtabteilung des SV Waldkirch das Rudi-Maier-Turnier aus.
Am kommenden Samstag, 21.März ist es wieder soweit. Ab 9.30 Uhr kämpfen die Senioren (Aktive), die Altersklassen der U9, U11 und U 15 um den Rudi-Maier-Cup. Der Wettkampf ist gleichzeitig ein Qualifikationsturnier für die südbadische Rangliste. Zusätzlich wird in der Kastelberghalle die offene südbadische Degenmeisterschaft der U13 und U17 ausgetragen.
Bei freiem Eintritt kann sich jeder einen Eindruck vom Fechtsport verschaffen und das olympische Fechten einfach anzuschauen. Der Kiosk des Fördervereins hält Speisen und Getränke, Kaffee und Kuchen bereit. Ein Besuch zum Treffen alter Bekannter oder Reinschnuppern für Fechtinteressierte lohnst sich.
Info: Rudi-Maier-Turnier und offene südbadische Fechtmeisterschaften ab 9.30 Uhr in der Kastelberghalle, freier Eintritt und Kioskbetrieb.


