HSG Konstanz stürzt Tabellenführer und stellt Kontakt zur Spitzengruppe her
Die HSG Konstanz stürzt den bislang ungeschlagenen Tabellenführer VfL Pfullingen. Mit dem 32:31 (17:11)-Heimsieg rückt sie an den entthronten Spitzenreiter bis auf einen Minuspunkt heran und hat nun selbst – bei zwei ausstehenden Nachholspielen – endgültig den Abschluss nach ganz oben hergestellt.

HSG Konstanz Jubel Sieg Pfullingen
Heimstarke HSG
Die HSG Konstanz ist dabei, sich ihre alte Heimstärke wieder zurück zu erarbeiten. Mit dem dritten Heimsieg im dritten Aufritt vor der erneut mit über 1000 Fans besuchten Schänzle-Hölle konnte sie weiter Boden gutmachen und nun auch das dritte Derby in Serie für sich entscheiden. Nach dem Erfolg in Albstadt und daheim gegen Balingen wurden auch die zwei Punkte gegen Pfullingen erkämpft. Dass es dabei spannend bis zur letzten Sekunde war, hätte aus Konstanzer Sicht nach einer 20:11-Führung kurz nach der Halbzeit zwar nicht sein müssen, war aber auch irgendwie fast logisch nach den heißen Duellen mit Last-Minute-Entscheidungen in den letzten Jahren zwischen den beiden Teams.
Lukas Dietrich sieht Rot
Und auch dieses Mal boten beide Mannschaften vor einer sehr stimmungsvollen Kulisse alles, was das Handball-Herz höherschlagen lässt. In einem höchst intensiven Duell waren es von Beginn an die Konstanzer, die den Ton auf dem Spielfeld und den Rängen angaben. Lukas Dietrich war es, der gegen seinen Ex-Club nach zehn Minuten zum 5:1 traf. Wie schon in den Wochen zuvor stellte die HSG mit ihrer sehr offensiven Deckung den Gegner vor große Probleme und hatte in Adam Studentkowski erneut einen glänzend aufgelegten Schlussmann zwischen den Pfosten. Nach 16 Minuten mussten die Gelb-Blauen wenige Sekunden nach seinem dritten Treffer auf Dietrich verzichten. Nach einem Kontakt mit dem einlaufenden Außenspieler sah er die Rote Karte. Im Anschluss kam Pfullingen besser in die Partie und zehn Minuten später auf 11:8 heran.

HSG Konstanz Adam Studentkowski Pfullingen
Jan Stotten markiert zehn Treffer
Nach der schwierigen Phase, in denen die Gäste ihre hohe Qualität unter Beweis stellten, drehte Konstanz vor dem Gang in die Kabine noch einmal auf. Mit einem starken Tempospiel nutzten sie die mit der aggressiven Verteidigungsarbeit provozierten Fehler des bis dato Tabellenersten zum 17:11-Pausenstand, den Luca Schwormstede vom Kreis mit der Sirene besorgte. Diesen Schwung nahm die HSG auch mit in Durchgang zwei und erhöhte nach einem Doppelschlag von Jan Stotten und einem Tor von Lars Michelberger auf 20:11. „Jan macht heute ein Riesen-Spiel“, lobe Trainer Ralf Bader auch angesichts der Tatsache, dass er auf seiner Position mangels spielfähiger Alternativen fast durchspielen musste. Der gebürtige Konstanzer nutzte dies zu zehn Treffern und vielen wichtigen Aktionen, in denen der junge Linkshänder Verantwortung übernahm. Bader: „Es gibt viele, auf die ich stolz bin. Der Weg ist der richtige, so machen wir weiter.“ Zunächst jedoch lief es für seine Mannschaft nicht mehr wie zuvor. Pfullingen blieb ruhig und trat im Stile eines abgezockten Spitzenteams auf, das bei jedem Fehler der Konstanzer sofort zur Stelle war und mit vielen Emotionen und viel Kampf zunächst auf 23:20 stellte.
Paul Prinz sieht nach grobem Foulspiel die Rote Karte
Mit Anbruch der letzten Viertelstunde wurde es wie so oft in den Duellen beider Clubs hitzig. Paul Prinz folg nach einem groben Foulspiel an Stotten mit Roter Karte vom Platz – seine Mannschaft ließ sich davon jedoch nicht beirren. Stattdessen nahm sie die steigende Fehlerquote der Gastgeber für das Tor zum 29:28 an (56.). In den letzten Spielminuten schlug dann die Stunde des eingewechselten HSG-Keepers Konstantin Pauli. Das HSG-Eigengewächs zog dem VfL bei ganz wichtigen Aktionen den Zahn, parierte einen Siebenmeter und freie Würfe. „Konsti“, verteilte sein Trainer ein Sonderlob, „holt jetzt zum dritten Mal einen Sieg für uns nach Hause.“ Danach gab es Sonderapplaus von den Rängen. Noch größer war der Jubel, als wieder Stotten sich mit voller Konsequenz zum 31:28 durchtankte. Zweieinhalb Minuten vor Schluss war dies aber immer noch nicht die Vorentscheidung. Stotten zum zehnten markierte bei noch 78 Sekunden Restspielzeit schließlich auch den letzten Treffer der HSG zum 32:29. Am Ende blieb es trotz des letzten Angriffs der Gäste beim knappen, aber verdienten Heimsieg.

HSG Konstanz Jan Stotten Pfullingen
„Wir haben klar verdient die zwei Punkte geholt“
Daran ließ Bader keine Zweifel aufkommen: „Die Sichtweisen sind ab und zu mal unterschiedlich. Wir haben klar verdient die zwei Punkte geholt.“ Dafür gab es donnernden Applaus von der Tribüne. „Aber“, fügte er an, „ich sehe eben die Fakten. Wir sind 20:11 vorne. Und dann passiert etwas, für das ich Pfullingen Respekt zollen muss.“ Gemeint war die Ruhe, unaufhörliche Bereitschaft weiterzumachen und die mit der offensiven Deckung gestellten Aufgaben. „Wir machen hier leichte Fehler, ein Freiwurf wird uns weggepfiffen, wir laufen in die offensive Abwehr ohne Idee rein. So wird es nochmal eng zum Schluss.“ Doch Aron Czako hielt Pfullingen mit einem Stoppfoul weg vom Tor, Sven Iberl warf sich mit einem Hechtsprung zum freien Ball. Dann war Schluss und die sich bereits vor Minuten erhobenen Zuschauer konnten den Derbysieg bejubeln.
Nächstes Top-Heimspiel in zwei Wochen
Nach dem Auswärtsspiel am Sonntag bei den Rhein-Neckar Löwen II gastiert am 7. November mit den Wölfen Würzburg direkt das nächste ambitionierte Topteam in der Schänzle-Hölle.
HSG Konstanz: Konstantin Pauli, Adam Studentkowsk (beide Tor); Michel Stotz (1), Aron Czako (1), Sven Iberl (3), Lars Michelberger (2), Philipp Hlawatsch (3), Luca Schwormstede (2), Jo Knipp, Tim Enninghorst, Maxim Pliuto (3/2), Jan Stotten (10), Nikita Pliuto (2), Lukas Dietrich (3), Janne Pietrusky (2).
Zuschauer: 1000.
Kompletter Spielplan und Termine zur Übernahme in den Kalender.

