Den Wintersport in die kommende Zeit denken
Der Skiverband Schwarzwald stellt seinen Verbandstag unter das Motto „Flexibel in die Zukunft“
Mut zur Veränderung, Bereitschaft von anderen zu lernen, Flexibilität, Gemeinschaftswerk, Handlungswille, Netzwerke entwickeln: Schlagworte und Handlungsempfehlungen, die sich wie ein roter Faden durch den Verbandstag des Skiverbands Schwarzwald (SVS) zogen.

Ehrungen von links: Klaus Weiß (SC Villingen), Manfred Kienzler (SC Urach), SVS Präsident Manfred Kuner, Hubert Baur, Skizunft Bernau
Der viertgrößte Fachverband im Badischen Sportbund Freiburg und drittgrößter unter dem Dach des DSV hatte seine knapp 59.000 Mitglieder aus 193 Vereinen zur turnusgemäßen Mitgliederversammlung nach Gutach im Kinzigtal geladen.
Prof. Dr. Ralf Roth, Leiter des Instituts für Outdoor Sport und Umweltforschung, Sporthochschule Köln, Vorstandsvorsitzender FdS sowie Vorstand SIS / DSV-Beirat für nachhaltige Skisportentwicklung, forderte die Teilnehmer gleich zu Beginn in seinem Impulsvortrag auf, den Wintersport in die Zukunft zu denken und jetzt zu handeln. Er zeigte vor allem die aktuellen klimatischen Veränderungen und deren Auswirkungen für den Wintersport sowie damit verbundene Handlungsstrategien.
Beim anschließenden Expertentalk „Welche Zukunft haben Wintersportvereine?“ griff Hans-Peter Pohl, Vizepräsident Marketing im SVS, diese Herausforderungen auf und beleuchtete sie mit den Diskutanten aus unterschiedlichen Perspektiven.

Podiumsdiskussion von links: Gundolf Fleischer, Rita Schwarzelühr-Sutter, Franz Steinle, Ulrich Derad, Prof. Ralf Roth
Rita Schwarzelühr-Sutter, parlamentarische Staatssekretärin im BMI, Dr. Franz Steinle, Präsident des Deutschen Skiverbands (DSV), Gundolf Fleischer, BSB Präsident, Ulrich Derad, Hauptgeschäftsführer des Landessportverbands Baden-Württemberg sowie Fritz Dopfer, ehemaliger alpiner Rennläufer und Vereinsberater des DSV erläuterten, wie sie in ihrem Zuständigkeitsbereich den Wintersport im Schwarzwald unterstützen. Breiten Raum nahmen in der Talkrunde die großen finanziellen Unterstützungen von Bund, Land und Sportbünden ein, insbesondere von den Trainingsstätten im Schwarzwald, die gleichzeitig Bundesleistungszentren und Weltcup-Standorte sind. Sowohl der Präsident des südbadischen Sportbunds, Gundolf Fleischer, als auch die Politikerin Schwarzelühr-Sutter legten die umfassenden Anstrengungen dar, um die Zukunftsfähigkeit der Sportstätten wie das Nordic Center Notschrei oder das Schanzenzentrum in Hinterzarten zu sichern. Kein einheitliches Verständnis herrschte unter den Experten darüber, dass die Regierungskoalition in ihren Haushaltsplanungen 2024 und 2025 eine Kürzung des Etats für die Freiwilligendienste plane, bei der fast jede 4. Stelle in Deutschland wegfalle. Schwarzelühr-Sutter wies auf den Ukraine-Krieg und die damit verbundenen Ausgaben hin. Bei allen Ausgaben von heute müsse auch an die Lasten für die zukünftigen Generationen gedacht werden.
Gundolf Fleischer mahnte an, bei der Politik nicht nur pauschal mehr Unterstützung anzufordern, sondern das vorhandene Geld noch besser und effektiver einzusetzen. DSV Präsident Steinle informierte über die strukturierten Nachhaltigkeits-Konzepte und Umsetzungen des Spitzensportverbands, die notwendig seien, um einen dezidierten Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Der DSV habe als erster Spitzensportverband in Deutschland schon seit 1987 einen wissenschaftlichen Beirat für Umwelt und nachhaltige Entwicklung etabliert. Die Umsetzung erfolge auch bei Sportgroßveranstaltungen, beispielsweise habe die FIS Ski WM In Oberstdorf eine Nachhaltigkeitsauszeichnung erhalten. Nachhaltigkeits-Experte Roth hatte bereits in seinem Einstieg eingeordnet, dass dies zwar die Skisportvereine nicht direkt unterstütze, es aber für das Image des Skisports enorm wichtig sei.
Ulrich Derad, im Landessportverband Baden-Württemberg zuständig für die Förderung des Leistungssports, betonte, dass für die Zukunft des Wintersports Ganzjahres-Sportstätten zwingend notwendig seien, um unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten die erforderlichen Trainingsmaßnahmen weiterhin durchführen zu können. Ebenso müssten für den alpinen Wintersport Sportstätten genauso zur Verfügung gestellt werden wie im nordischen Sport. Bei den Vereinen warb er dafür, „Local Heroes“ zu fördern. Für die Entwicklung einer breiten Basis seien aktive Vereine Voraussetzung. Kindern und Jugendlichen sollten im regionalen Umfeld Wettbewerbe in Form von Vereins- oder Stadtmeisterschaften angeboten werden, in denen sie sich vergleichen und messen und den Spaß am Wettkampfsport erleben können.

Mit Fritz Dopfer steht den Skiclubs im Deutschen Skiverband ein Experte und Botschafter zur Verfügung, der die Vereine individuell zu ihrer Zukunft berät. Er berichtete von den erfolgreichen Beratungen, in denen es u.a. gelungen sei, die Vereine miteinander zu vernetzen. Den Austausch unter den Vereinen zu fördern, um gegenseitig voneinander lernen zu können, sei eines der Ziele der Vereinsberatung. Dies möchte der Skiverband Schwarzwald nun gerne auch für seine Vereine fortsetzen. Die Einladung an Fritz Dopfer erfolgte noch direkt am Verbandstag. Dopfers Statement „Vereine, die leben, verändern sich!“ war die passende Überleitung zu den Tagesordnungspunkten der Mitgliederversammlung des SVS.
Nach drei Zukunftswerkstätten mit den Vereinen und Verbandsfunktionären innerhalb der letzten zwei Jahre präsentierte das Präsidium eine Satzungsneufassung, die eine Verschlankung der Verbandsstrukturen vorsieht. Die bisherigen 7 Bezirksvorstands-Gremien sollen aufgelöst und durch flexible „Vereinscoaches“ ersetzt werden. Ziele seien laut Präsidium zum einen eine Entlastung des Ehrenamts durch Entbürokratisierung sowie die Erhöhung der Flexibilität und Handlungsfähigkeit. Zum anderen sollen die Vereine durch die Unterstützung der Vereinscoaches stärker miteinander vernetzt werden. Nach einer Aussprache wurde der Satzungsneufassung bei ganz wenigen Gegenstimmen mit großer Mehrheit zugestimmt. Zustimmung der Mitglieder gab es auch für die vom Präsidium vorgeschlagene Beitragsanpassung ab 2025: Um die Vereine bei der Mitgliedergewinnung bei den Jüngsten zu unterstützen, werden Kinder bis 10 Jahre künftig vom Beitrag freigestellt, der Beitrag für Jugendliche bleibt unverändert und der Beitrag für Erwachsene erhöht sich um 1,45 EUR auf 10,95 EUR.

Dass der Skiverband Schwarzwald nach wie vor sehr erfolgreich ist, zeigten die Berichte der Vizepräsidenten Martin Schlegel und Hubert Baur. In der vergangenen Saison konnten wieder zahlreiche (Nachwuchs-)Sportlerinnen und Sportler sowohl national als auch international Spitzenplatzierungen erreichen (s. separate Aufführung). In der Weltspitze sind aus dem Schwarzwald vertreten: Benedikt Doll, Roman Rees, Janina Hettich-Walz (Biathlon), Fabian Rießle, Manuel Faißt, Natalie Armbruster (Nordische Kombination), Janosch Brugger (Skilanglauf), Daniela Maier (Skicross), Paul Berg und Jana Fischer (Snowboard-Cross). Auch im Breitensport ist die Basis gut aufgestellt: Unverändert gut ist die Anzahl der Übungsleitenden, die sich im Skiverband aus- und fortbilden lassen. Dies sei eine wichtige Basis für die Qualität der Angebote in den Vereinen sowie die Entwicklung der Sportlerinnen und Sportler.
Um derartige Erfolge zu ermöglichen, ist eine engagierte ehrenamtliche Arbeit in den Vereinen und dem Verband unabdingbare Voraussetzung. Geehrt für Ihr langjähriges außerordentliches Engagement wurden beim SVS-Verbandstag Klaus Weiß, Manfred Kienzler und Hubert Baur (s. separate Info)
Bei den Neuwahlen des Präsidiums folgt Rolf Hartmann (TuS Gutach) dem scheidenden Hubert Baur (SZ Bernau), der sich nach 11 Jahren vom Amt des Vizepräsidenten Alpin und Snowboard verabschiedete. Manfred Kuner sowie die weiteren Vizepräsidenten wurden einstimmig wiedergewählt. Neu im geschäftsführenden Präsidium ist Simon Greim (SC Engen) auf der frisch geschaffenen Position des Vizepräsidenten Bildung (bisher Verbandslehrwart).


