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David gegen Goliath: SC Sand fordert Rekordpokalsieger VfL Wolfsburg im DFB-Pokal

Am kommenden Sonntag, 27. September, kommt es um 14 Uhr in der ADAMS Arena zum Duell zwischen David und Goliath – zumindest in Fußballsprache. In der ersten Hauptrunde des DFB Pokals trifft Zweitligist SC Sand auf den Rekordpokalsieger und Erstligisten VfL Wolfsburg.

Maria Olsen.

©: Salih Semiz

Die Partie verspricht ein echtes Pokalhighlight in der Ortenau. Übertragen wird die Begegnung live auf DFB.tv – sowohl im Einzelspiel als auch in der Konferenz.

Ein Wiedersehen nach langer Zeit

Lange ist das letzte Aufeinandertreffen beider Mannschaften her. Zuletzt standen sich der SC Sand und der VfL Wolfsburg in der Saison 2021/22 gegenüber. Im selben Sommer endete für die Sanderinnen nach acht Jahren das Kapitel Bundesliga – seither geht der Weg des Vereins durch die 2. Frauen-Bundesliga. Nun, im fünften Jahr im Unterhaus, präsentiert sich der SC Sand mit einer neu formierten Mannschaft. Trainer Jürgen Hartmann steht dabei vor der Aufgabe, aus zahlreichen neuen Spielerinnen eine Einheit zu formen. Im Sommer verließen 14 Spielerinnen den Verein, 13 neue Akteurinnen kamen hinzu. Ein großer Umbruch also, der Geduld erfordert – zugleich aber auch neue Möglichkeiten eröffnet.

Neue Mannschaft, neue Handschrift

Der Saisonstart zeigte bereits die unterschiedlichen Gesichter der jungen Sander Mannschaft. Siege gegen Köln II und Borussia Mönchengladbach sowie ein überzeugendes 7:0 in den Play offs gegen den SC Freiburg-Zähringen sorgten für positive Momente. Dem gegenüber standen bittere Niederlagen gegen Andernach, Bochum und Viktoria Berlin. Gegen Hoffenheim II gab es ein Remis, am vergangenen Wochenende folgte ein torloses 0:0 beim SV Meppen. Trotz der wechselhaften Ergebnisse ist eine Entwicklung erkennbar. Die Mannschaft findet zunehmend ihren eigenen Spielstil, Abläufe werden sicherer und auch die Handschrift des neuen Teams ist immer deutlicher zu sehen. Gegen einen Gegner wie Wolfsburg wird es nun vor allem darauf ankommen, diese Entwicklung auch auf der großen Pokalbühne auf den Platz zu bringen.

Wenn der Pokal seine eigenen Gesetze schreibt

Dass im DFB-Pokal vieles möglich ist, musste der VfL Wolfsburg in Sand bereits schmerzlich erfahren. 2016 und 2017 standen sich beide Mannschaften jeweils im Pokalfinale gegenüber. Zwar gingen beide Endspiele mit 2:1 an die Wölfinnen, doch der SC Sand bot dem großen Favoriten jeweils einen packenden Kampf und sorgte mit seinen Finalteilnahmen für eine Welle der Euphorie weit über die Ortenau hinaus. Auch in den bisherigen Duellen hatte der VfL meist das bessere Ende für sich. Doch im Oktober 2015 gelang dem SC Sand eine der größten Überraschungen der Vereinsgeschichte: Mit 2:1 setzten sich die Sanderinnen ausgerechnet in Wolfsburg durch. Ein Ergebnis, das im Frauenfußball ungefähr der Größenordnung eines Heidenheimer Sieges beim FC Bayern München entspricht – und gleichzeitig zeigt, warum der Pokal seine ganz eigenen Geschichten schreibt.

Personalsituation beim SC Sand

Für die Partie am Sonntag muss der SC Sand definitiv auf Flügelspielerin Daniela Schwarz verzichten. Hinter den Einsätzen von Linda Nyman, die mit einer Knöchelverletzung zu kämpfen hat, sowie Christina Alp nach einer Außenbandverletzung stehen noch Fragezeichen. Auch der Einsatz von Lenny van Grotel ist derzeit offen. Trainer Jürgen Hartmann muss somit möglicherweise kurzfristig auf mehreren Positionen reagieren. Gerade gegen einen individuell hochkarätig besetzten Gegner wie Wolfsburg wird es auf eine kompakte Mannschaftsleistung und maximale Einsatzbereitschaft ankommen.

Der Rekordpokalsieger reist in die Ortenau

Mit dem VfL Wolfsburg gastiert ein echtes Schwergewicht des deutschen Frauenfußballs in Sand. Die Wölfinnen belegen aktuell den dritten Platz in der Google Pixel Frauen-Bundesliga und reisen als Rekordpokalsieger der Wettbewerbsgeschichte in die Ortenau. Elf Jahre in Folge holte der VfL den DFB-Pokal – bis 2024 war der Pokalsieg fest in Wolfsburger Hand. Erst seit zwei Jahren konnte der FC Bayern München die Serie der Wölfinnen durchbrechen. Auch in dieser Saison zählt Wolfsburg zu den etablierten Spitzenteams. Zum Saisonauftakt musste sich der VfL allerdings im Supercup dem FC Bayern geschlagen geben. In der Liga folgten anschließend vier Siege in Serie, zwischenzeitlich übernahmen die Wolfsburgerinnen sogar die Tabellenführung.

Englische Wochen und ein kleiner Dämpfer

International lief es für die Mannschaft von Trainer Stephan Lerch dagegen nicht nach Wunsch. In der Qualifikation zur UEFA Women's Champions League scheiterte der VfL am italienischen Vertreter Inter Mailand und verpasste damit den Einzug in den höchsten europäischen Vereinswettbewerb. Auch in der Liga musste Wolfsburg zuletzt einen überraschenden Rückschlag hinnehmen. Gegen die bis dahin punktlose TSG Hoffenheim unterlagen die Wölfinnen in der vergangenen Woche. Viel Zeit zum Durchatmen blieb jedoch nicht. Der VfL befindet sich mitten in englischen Wochen und trat am Mittwoch in der Qualifikation zum Europa Cup gegen Sturm Graz an. Die Partie endete deutlich mit 6:1 für Wolfsburg.

Pokalstimmung in der Ortenau

Nun wartet am Sonntag der SC Sand. Die Neuauflage der großen Pokalduelle von 2016 und 2017 verspricht Spannung, Emotionen und eine besondere Atmosphäre in der Adams Arena. Auf dem Papier sind die Rollen klar verteilt: Hier der Zweitligist im Umbruch, dort der Rekordpokalsieger aus der Bundesliga. Doch gerade der DFB-Pokal hat immer wieder gezeigt, dass Papierformen nicht zwangsläufig über 90 Minuten Bestand haben. Für den SC Sand geht es deshalb nicht nur um das Weiterkommen. Es geht auch darum, die eigene Entwicklung auf großer Bühne zu zeigen – und vielleicht erneut für eine dieser Geschichten zu sorgen, die den Pokal so besonders machen.

Stimmen zum Spiel

„Wir freuen uns riesig auf dieses Spiel. Natürlich wissen wir, dass uns mit einem Top-Team aus der Bundesliga eine enorme Aufgabe erwartet. Aber wir haben nichts zu verlieren – wir wollen mutig sein, dagegenhalten, unsere Qualitäten auf den Platz bringen und uns so teuer wie möglich verkaufen. Im Pokal ist alles möglich.“ (Sophia Gerber, Spielerin SC Sand)

Bild: Salih Semiz

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