Bodenseefähre wurde zur schwimmenden Fechtarena zum 100-jähigen IBF-Jubiläum
Waldkircher SVW-Fechter in der Organisation und auf den schwimmenden Fechtbahnen – Karoly Karlovich vom SVW siegte im Duo bei der U17
Waffengeklirre und Fechtduelle auf dem Bodensee, Auf einer Fähre als schwimmende Fechtarena lieferten sich rund 200 Fechter aus Österreich, der Schweiz und Deutschland in einer einmaligen Kulisse rund 800 Gefechte.

Einzigartige Kulisse vor dem Blau des Bodensee. Philine Kaltenbach und Abiud Daluwaththage vom SV Waldkirch fechten sich trotz brütende Hitze warm und posieren für außergewöhnliches Foto.
Die Internationale Bodenseefechterschaft (IBF) feierte mit dem außergewöhnlichen Turnier im Hafen von Konstanz ihr 100-jähriges Bestehen. Sogar der Präsident des Deutschen Fechter-Bund (DFB) war gekommen, nahm die Siegerehrung vor, sogar ein Waldkircher stand ganz oben auf der Siegertreppe.
Fast wäre es ins Wasser gefallen. Damit 1.500 Arbeitsstunden eines mehrköpfigen Organisationsteams aus mehreren der 25 IBF-Mitgliedsvereinen, zu denen auch der SV Waldkirch zählt. Die eigens reservierte „Kreuzlingen“ musste Anfang der Woche wegen zwei ausfallender Fähren in Konstanz ad hoc im normalen Fährbetrieb eingesetzt werden und stand nicht zur Verfügung. So bekamen der IBF-Präsident Martin Harzenmoser (Schaffhausen) und Waldkirchs Fechtabteilungsleiter Andreas Kaltenbach zusätzliche Schweißperlen. Denn ohne Fähre kein Jubiläumsturnier auf dem See. Doch die Stadtwerke Konstanz hatten die rettende Idee und stellten die „Richmond“ zur Verfügung, die allerdings den Hafen nicht verlassen durfte. Das moderne Schiff hatte dann sogar den Vorteil größer zu sein, was den Aktiven zu Gute kam. Außerdem konnten die Gäste und Zuschauer bei den tropischen Temperaturen auch mal an Land gehen, einen Schattenplatz unter den Bäumen suchen.
Auf und mit Blick auf den Bodensee
Ein tolles Blau auf dem See, ein zartes Lüftchen, die Mainau im Blick und in der Ferne die majestätischen Alpen. Solch eine außergewöhnliche Kulisse hatte ihre Anziehungskraft. An die 200 Fechterinnen und Fechter aus der Schweiz, Österreich, Deutschland und hier aus Südbaden ließen sich das besondere Jubiläumsturnier der Internationalen Bodenseefechterschaft nicht entgehen.

Eine besondere und beeindruckende Atmosphäre auf der schwimmenden Fechtarena und der auf der Bodenseefähre aufgebauten Fechtbahnen. Eine große logistische Meisterleistung des Organisationsteams, dem auch Waldkirchs Abteilungsleiter Andreas Kaltenbach angehörte.
Außergewöhnlicher Modus
Dazu der außergewöhnliche Modus. Es wurden 2er-Teams ausgelost. Gefechte auf nur zwei Treffer waren angesagt, also ein Wach sein von der ersten Sekunde. Zugelost wurden alle drei Nationen, so dass einmal ein Deutscher und Schweizer in einer Mannschaft standen, genauso wie ein Österreicher oder Österreicherin mit einem Schweizer oder Deutschen. Der Brückenschlag zwischen den drei Ländern war damit gelegt genauso zwischen den Generationen und Geschlechtern, denn es konnte Mann und Frau. Jung und Alt miteinander als Team fechten.
Grenzüberschreitende Begegnungen
Das Experiment auf der Fähre gelang, auch mit der Anzahl der Aktiven. Sage und schreibe 784 Gefechte an einem Stück wurden auf der „Richmond“ ausgetragen, wie Turnierleiter Klaus Löschel (Schwenningen) voller Stolz verkünden konnte. Ein inoffizieller Weltrekord, ergänzte IBF-Präsident Harzenmoser und zeigte sich mehr als zufrieden. Florett- und Degenfechter knüpften über die Ländergrenzen hinweg freundschaftliche Banden, führten nette Gespräche und Begegnungen gemäß dem Leitgedanken der vor 100 Jahren gegründeten internationalen Bodenseefechterschaft. Ein kleines Schmankerl passte dazu, als in einer Pause auf dem eigentlichen Parkdeck die Sportler einen zuhause einstudierten Fechttanz, einen Flashmop, gemeinsam aufführten. Ein grandioses Bild.
Ergebnisse gerieten zur Nebensache
Die Ergebnisse waren da fast Nebensache. Bei der U17 Degen siegten Caroline Schreck (Überlingen) zusammen mit Karoly Karlovich (Waldkirch). Bei den Senioren behielt das Duo Marco Birkenmaier (Friedrichshafen) und Lucia Raimundo (Schwenningen) die Oberhand. Im Florett setzte sich bei den Senioren Bogdan Mezei (Villingen) und Alexander Neumeister (Tettnang) durch. Bei der U17 landeten Julia Neumeister (Tettnang) und Laurin Scherrer aus der Schweiz auf Platz eins. Ein weiteres Spitzenergebnis holte sich die Waldkircherin Helena Drayer mit Godano Romain vom schweizerischen WFC Winterthur, die als Team im U17 Degen den 3. Platz holten.
Großes Interesse bei finanziellem Kraftakt
Die Resonanz, Teilnahme und Stimmung war überwältigend, bilanzierte IBF-Präsident Martin Harzenmoser für seine 25 Mitgliedsvereine, die sonst eigene Turniere und eigene Ranglist ausrichten. Es kamen sogar weitere Vereine angereist und genossen die sagenhafte Kulisse und leichte Brise auf dem Bodensee. Sie alle erhielten als Dankeschön und Erinnerung ein ausdrucksstarkes Jubiläums-T-Shirt mit dem Bodensee.
Neben dem sportlichen Erfolg hoffen die Verantwortlichen auf eine schwarze Null, denn die Unkosten waren nicht gerade klein, wenngleich die Stadt und die Stadtwerke Konstanz der IBF entgegengekommen sind. So haben auch die Sponsoren nach Andreas Kaltenbach ihren Beitrag zum wahrscheinlichen finanziellen Ausgleich geleistet, so auch ein Hauptsponsor, der sonst Waldkirch unterstützt.
Deutsche Fechter-Bund machte seine Aufwartung
Überwältigt von der Idee und seiner Umsetzung zeigten sich auch vom Deutschen Fechter-Bund Präsident Benjamin Denzer und sein Vizepräsident Sport Dieter Lammer. Sie lobten und gratulierten bei einem Empfang auf der Fähre dieses grenzüberschreitende Turnier auf dem Bodensee. Präsident Denzer bedankte sich zudem für das ehrenamtliche Engagement, ohne das solch eine Veranstaltung nicht möglich wäre. Das sei ein wegweisendes Beispiel den olympischen Fechtsport in einer anderen Form der Öffentlichkeit zu präsentieren. So blieb er und Lammer bis zur Siegerehrung, um die prickelnde Stimmung auf der schwimmenden Fechtarena genießen zu können. Das gezeigte Medieninteresse zeige die doch außergewöhnliche Form mit der schwimmenden Fechtarena.


