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Nachrichten aus Sport aus der Region - Region im Blick

Andrea Anastasi und die Bundesliga: „Hier wird auf hohem Niveau Volleyball gespielt“

Andrea Anastasi ist in der Volleyballwelt viel herumgekommen. Italien, Spanien, Polen, Belgien, als Nationaltrainer und Clubcoach hat der 65-Jährige die großen Volleyballmärkte Europas kennengelernt. In der kommenden Saison führt ihn sein Weg nach Deutschland.

Andrea Anastasi hat sich trotz anderer Angebote bewusst für ein Engagement bei den BR Volleys entschieden

Andreas Gora

Anastasi will „etwas machen, das mich emotional berührt“

Dass Anastasi nach Berlin gekommen ist, hat auch viel mit der besonderen Stellung der BR Volleys zu tun. Denn die genießen international einen hervorragenden Ruf. „Die BR Volleys sind in Europa ein sehr wichtiger Klub“, sagte Anastasi bei seiner Vorstellung vor wenigen Wochen. Er selbst stand mit Sir Safety Perugia 2023 im Viertelfinale der Champions League in der Max-Schmeling-Halle an der Seitenlinie. Perugia gewann damals 3:1 vor mehr als 8.000 Zuschauern. Mit Piacenza (2023/24) und mit Danzig (2018/19) hatte er in der Gruppenphase Berliner Luft geschnuppert. Die Berliner Heimstätte hat bei ihm einen bleibenden Eindruck hinterlassen. „Ich wollte etwas machen, das mich emotional berührt“, sagt er. Das Gefühl in der Max-Schmeling-Halle sei dabei ein wichtiger Punkt gewesen. An anderen Angeboten habe es nicht gemangelt.

Sein eigenes Ziel formuliert Anastasi trotzdem ziemlich deutlich. Berlin ist für ihn nicht irgendein Arbeitsplatz, sondern ein Klub, der in Europa etwas bewegen kann. „Berlin ist in der Champions League immer ernst zu nehmen. Und ich möchte das Team noch besser machen.“ Dabei will er nicht den großen Umbruch ausrufen. Nach einer unruhigen vergangenen Saison mit zwei Trainerwechseln wurde der Kader bereits deutlich verändert. Anastasi soll nun für Stabilität sorgen. Die Clubführung gibt ihm dabei volle Rückendeckung. „Ich bin jetzt nicht hier, um alles zu ändern. Viele Dinge laufen hier sehr gut“, sagt Anastasi. Er wolle seine Erfahrungen aus unterschiedlichen Ländern und Mannschaften einbringen.

Der italienische Chefcoach will bei den BR Volleys die etablierten Strukturen weiterentwickeln und das Team näher an die europäische Spitze führen

Andreas Gora

Aufstiege des polnischen und italienischen Volleyballs erlebt

Berlin hat nicht nur einen erfolgreichen Trainer geholt, sondern jemanden, der verschiedene Entwicklungsmodelle des europäischen Volleyballs aus nächster Nähe kennengelernt hat. Bei allem Respekt für Volleyball-Deutschland benennt Anastasi den entscheidenden Unterschied zu den Topligen Europas ziemlich nüchtern: „Man muss sagen, dass die besten Spieler Deutschlands nicht in Deutschland spielen. Wenn du die guten Spieler in deiner Liga haben willst, brauchst du das entsprechende Budget.“

Seine Beispiele kennt er aus eigener Erfahrung. Als er vor rund 15 Jahren Nationaltrainer in Polen wurde, sei die dortige Liga noch nicht auf dem heutigen Niveau gewesen. Dann kamen Sponsoren, mehr Geld und eine stärkere Unterstützung des Volleyballs durch das Land. „Und wenn man Geld hat, dann kann man handeln.“ Polen ist für Anastasi deshalb ein Lehrstück. Aus einer Liga, die er einst selbst als Nationaltrainer erlebte, wurde in den vergangenen Jahren eine der stärksten Europas.

Auch Italien hat einen ähnlichen Weg genommen. In den 1990er-Jahren gewann die italienische Nationalmannschaft große Titel. Der Erfolg sorgte für Aufmerksamkeit und Interesse. „Dann war plötzlich Geld da und die italienischen Spieler gingen nicht mehr ins Ausland. Und jetzt spielen die besten Spieler der Welt bei uns.“
 

Anastasi trifft in Berlin auf einen alten Bekannten

Seine Erfahrungen mit deutschen Spielern sind dabei durchweg positiv. Mit dem 280-maligen Nationalspieler Björn Andrae arbeitete Anastasi in seiner Zeit als Trainer bei Bre Banca Lannutti Cuneo zusammen. Bei Trefl Gdansk traf er auf den ehemaligen National-Außenangreifer Sebastian Schwarz und später auf den heutigen Berliner Team-Kapitän Ruben Schott, mit dem er nun erneut zusammenarbeitet.

„Ich hatte immer gern deutsche Spieler im Kader. Sie spielen oft auf eine ähnliche Art und Weise und sind dabei sehr mannschaftsdienlich“, sagt Anastasi. „Alle Spieler, mit denen ich zusammengearbeitet habe, waren sehr fokussiert. Sie hatten eine besondere Ausstrahlung auf dem Feld. Sie brachten Emotionen mit und waren immer bereit, hart an sich zu arbeiten. Dazu waren sie physisch immer sehr weit vorn.“ Auch das sei für die Entwicklung der Bundesliga nicht unwichtig. Denn insgesamt gehe es nicht ausschließlich um höhere Gehälter. Ein entscheidender Faktor ist für Anastasi auch die Sichtbarkeit, insbesondere außerhalb Deutschlands.
 

Mehr als nur ein Trainer sein

Anastasi ist bereit, seine Expertise auch über die BR Volleys hinaus einzubringen. „Richtig kennengelernt haben werde ich die Liga sicherlich erst in ein paar Monaten und dann werde ich meine Erfahrungen gern teilen“, bietet der Italiener der Liga an. Denn Anastasis Perspektive ist nicht die eines Trainers, der Deutschland als exotische Zwischenstation betrachtet. Er sieht hier Spieler, Clubs und eine Liga, die grundsätzlich über die Qualität verfügen, sich weiterzuentwickeln.

Dass das nicht von heute auf morgen funktioniert, weiß Anastasi. Nach einer ersten Beobachtungsphase hat der Lombarde inzwischen mit den ersten BR Volleys-Spielern das Training begonnen. Die Berliner starteten am 20. August mit sechs Akteuren in die Vorbereitung auf die Saison 2026/27. Der Bundesliga-Heimauftakt ist für den 21. Oktober gegen die FT 1844 Freiburg angesetzt. Und dann beginnt die Mission, bei der die Bundesliga dem Großmeister eine Chance bietet. Denn eine nationale Meisterschaft fehlt Anastasi noch in seiner Titel-Sammlung. Es könnte also der Beginn einer Win-Win-Geschichte für Trainer, Liga und Verein sein.

Quelle: Volleyball Bundesliga / Foto: Andreas Gora

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