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Nachrichten aus Schwarzwald

Sankt Märgen und Erdeven leben den europäischen Friedensgedanken

Bürgermeister aus dem Hochschwarzwald spricht in Frankreich bei Zeremonie zum 80. Jahrestag des Kriegsendes

Gemeinsam mit seinem Amtskollegen Dominique Riguidel aus Erdeven nahm Bürgermeister Manfred Kreutz (Dritter von rechts mit Schärpe) als Redner an der Zeremonie zum 80. Jahrestag des Kriegsendes teil. Außerdem feierten die Gastgeber aus der Bretagne die Einweihung des Julien-Dréano-Platzes und erinnerten mit dem restaurierten Kriegerdenkmal (links in der Bildcombo) an die Gefallenen der Weltkriege.

Simon Kerzerho/Jean Pierre Roncé

Es ist ein sonniger Tag an diesem 8. Mai 2025 an der bretonischen Küste. Auf dem Julien-Dréano-Platz in Erdeven, der an den gleichnamigen Widerstandskämpfer erinnert, versammeln sich um das 100 Jahre alte Kriegerdenkmal Menschen jeden Alters. Männer in historischen Militäruniformen lassen Geschichte aufleben. Die Bürgerinnen und Bürger von Frankreich feiern die Befreiung von der Nazi-Herrschaft. Unter ihnen ein Gast aus Deutschland: Manfred Kreutz, Bürgermeister von Sankt Märgen.

Der Bürgermeister aus dem Hochschwarzwald ist auf Einladung seines Amtskollegen Dominique Riguidel in die Partnergemeinde Erdeven gereist – als offizieller Vertreter zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung vom Nationalsozialismus. Gemeinsam nehmen die beiden Bürgermeister an drei zentralen Ereignissen teil: dem Gedenken zum 8. Mai 1945, der Einweihung des Julien-Dréano-Platzes und der Zeremonie zum hundertjährigen Bestehen des Denkmals für die Gefallenen der Weltkriege.

Zahlreiche Gäste sind gekommen, darunter lokale Behördenvertreter, Veteranen, Schulkinder sowie Mitglieder des Jugendgemeinderats. Letztere tragen in der Gedenkzeremonie dazu bei, die Geschichte des Denkmals für die Gefallenen zu würdigen, das 1925 errichtet und 2015 restauriert wurde. Es wurde an einen neuen Platz verlegt, um es sichtbarer und zugänglicher zu machen.

Vor dem Denkmal sprechen Vertreter der Gemeinde, darunter General Le Vaillant als Zeremonienleiter, sowie Vertreter von Veteranenverbänden. Dann tritt auch Manfred Kreutz ans Rednerpult. Er spricht über die Bedeutung des 8. Mai vor acht Jahrzehnten. „Das Ende des Krieges wurde zunächst als Niederlage empfunden – nach einem langen und schmerzhaften Krieg“, sagt Kreutz. „Aber seither kam die Erkenntnis, dass dieser Tag des Sieges über den Nationalsozialismus auch für uns Deutsche ein Sieg war.“

Mit der feierlichen Einweihung des Julien-Dréano-Platzes, der auch der Sankt Märgener Bürgermeister Manfred Kreutz beiwohnte, wurde eine Gedenktafel für den Widerstandskämpfer in französischer, bretonischer und englischer Sprache angebracht.

Gerd Lache

Am selben Tag wird der Julien-Dréano-Platz feierlich eingeweiht. Angehörige des jungen Widerstandskämpfers aus Erdeven, der 1944 im Kampf gegen die deutschen Truppen bei Lorient schwer verwundet wurde und noch am selben Tag verstarb, sind ebenfalls anwesend. Seine Geschichte wird in mehreren Ansprachen erwähnt – als Beispiel für den Mut der Résistance.

Auch Manfred Kreutz nimmt den Namen in seine Rede auf. Er würdigt die Rolle des französischen Widerstands und erinnert daran, dass es in Deutschland ebenfalls Menschen gegeben habe, die dem System Adolf Hitlers widerstanden hätten. Er nennt die Gruppe um Graf Staufenberg und die Weiße Rose mit den Geschwistern Scholl. Kreutz beschwört den grenzüberschreitenden Gedanken: „Unser gemeinsames Ziel muss es sein, den Frieden in Europa zu bewahren und überall dort, wo es nötig ist, durch Vertrauen, Zuhören, Austausch und Solidarität dazu beizutragen.“

Der mehrtägige Aufenthalt von Kreutz in der Bretagne beschränkt sich nicht auf Erdeven: Auch an Gedenkveranstaltungen in Étel, Locoal-Mendon und Lorient nimmt er teil. Die Städtepartnerschaft zwischen Erdeven und Sankt Märgen, die seit vielen Jahren gepflegt wird, erhält einmal mehr eine lebendige Dimension – gerade in einer Zeit, in der es laut Kreutz auch um das heutige Europa gehe.

Die Geschichte sei nicht abgeschlossen, sie begleite mahnend die Gegenwart. Ausdruck dieser Haltung sei auch die langjährige Partnerschaft zwischen Erdeven und Sankt Märgen, die 1997 begründet wurde und seither durch zahlreiche Begegnungen gelebt werde. Sie soll künftig noch sichtbarer werden – auch im Ortsbild von Sankt Märgen. Bereits seit zwei Jahrzehnten gibt es in Erdeven einen „Place d’ Sankt Märgen“.

Nun plant auch die Schwarzwald-Gemeinde ein dauerhaftes Zeichen der Verbundenheit zu setzen. Der Platz nördlich vom Rathaus soll in „Erdeven-Platz“ (Place d’ Erdeven) umbenannt und dort eine Steinskulptur aufgestellt werden. Der Sankt Märgener Steinmetz Thomas Simon wird einen Monolith in Form eines sogenannten Hinkelsteins gestalten. Inspiriert wurde er von den in Europa einzigartigen, berühmten Menhiren, für die Erdeven und die gesamte Region Morbihan in der Bretagne bekannt sind. Thomas Simon als aktives Mitglied im Partnerschaftsverein sieht diese besondere Steinmetzarbeit als ein nachhaltiges „Symbol der Freundschaft.“

Text/Foto: Gerd Lache

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