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Nachrichten aus Schwarzwald

Das Fassdaubenrennen darf nicht sterben

Das Fassdaubenrennen auf dem Sommerberg hat Tradition

Klimawandel und frühlingshafte Temperaturen machen es der Skizunft in Bad Wildbad schwer. Seit 1923 Jahren wird das traditionelle „Fassdaubenrennen“ auf dem Sommerberg veranstaltet, doch schwindende Schneemassen erschweren die Durchführung der Veranstaltung

Das Organisatoren-Team vom Fassdaubenrennen auf dem Sommerberg

Trotz frühlingshafter Temperaturen ließen sich die Organisatoren der Skizunft nicht entmutigen und präparierten die Strecke, indem sie die gehorteten Schneemassen der vergangenen Woche mit Schubkarre und Schaufeln für eine schmale Pistenführung am Hang neben dem Skiheim zusammentrugen. Mit 40 Teilnehmern und einer gehörigen Portion Begeisterung wurde am Wochenende das traditionelle Fassdaubenrennen in Bad Wildbad ausgetragen. 

Improvisation ist gefragt

Unter dem Motto "Das Rennen darf nicht sterben" mobilisierte der gesamte Verein seine Kräfte, um das Event erfolgreich durchzuführen. ein Kraftakt, der viel Geduld, Präzision und körperlichen Einsatz erforderte. "Wir hatten Schnee, aber das war einfach zu kurzfristig. Zwei Tage reichen nicht für die Vorbereitung. Wir brauchen mindestens vier bis fünf Tage, um die Piste herzurichten, das Equipment bereitzustellen und die Besucher zu bewirten", erklärt Vorstand Marcus Eisele. Sein Lob gilt der unermüdlichen Arbeit von acht starken Männern, die die Schneepiste mit Schaufeln präparierten, um eine schmale, aber rennfähige Spur zu schaffen.

Wenig Schnee und dennoch viel Vergnügen hatten die Besucher und die Teilnehmer

Sabine Zoller

Michael Hammann, dessen Großvater Hermann Frank bereits in der Nachkriegszeit aktiv in der Skizunft war, erinnert sich an frühere Zeiten: „Früher hatten wir manchmal zu viel Schnee und mussten sogar Loipen ausschaufeln. Heute träumen wir davon.“ Dennoch ist das Engagement der Vereinsmitglieder ungebrochen: „Wir arbeiten mit Herzblut daran, die Tradition fortzuführen.“ Waren es einst einheimische Jugendliche, die mit einem 1.000 Meter langen Langlaufparcours ihre Ausdauer bewiesen und Rennen bis zu zwei Kilometer bestritten, so war in diesem Jahr die Gesamtstrecke auf knapp 600 Meter zusammengeschmolzen.

Für das Rennen extra zusammengetragen wurde der Schnee auf dem Sommerberg in Bad Wildbad

Sabine Zoller

Ein Rennen für alle Generationen

Von sechs bis über sechzig Jahren reichte das Teilnehmerfeld – eine beeindruckende Altersspanne, die zeigt, wie sehr das Fassdaubenrennen Generationen verbindet. Besonders bemerkenswert war die spontane Teilnahme der sechsjährigen Saryna Loy, die kurz vor dem Start von ihren Eltern Maren und André Loy angemeldet wurde – und prompt in ihrer Altersklasse den ersten Platz belegte.

Spektakuläre Bestzeit und ein Sieger mit Tradition

Sieger mit Bestzeit bekommt die Trophäe des Vereins aus den Händen von Marcus Eisele

Sabine Zoller

Der 25-jährige Max Hülsmann aus Bad Wildbad setzte sich in einem packenden Rennen mit einer spektakulären Zeit von 47,5 Sekunden durch. „Ich habe einfach Vollgas gegeben“, so der glückliche Sieger, der sich bereits 2022 beim 100-jährigen Jubiläum des Rennens mit einem zweiten Platz bewährt hatte. Seine Fassdauben haben eine besondere Geschichte: „Sie stammen noch aus einer Generation vor mir.“ Gefordert war dabei vielseitiges Talent: Aufstieg und Langlauf, eine anspruchsvolle Abfahrt – sowie als besonderes Highlight ein Schanzensprung vor dem Ziel, an dem die Fassdaubenritter ihr Können unter Beweis stellten. Von der Grätsche zum Anhocken bis hin zum Salto waren wagemutige Sprünge – und auch spektakuläre Stürze – zu sehen, die das Publikum mit Bravo-Rufen und Applaus feierte

Die Schanze bildet den Höhepunkt des Laufes

Sabine Zoller

Längst hat sich das Fassdaubenrennen zu einer unterhaltsamen Veranstaltung mit kreativen Kostümen entwickelt. Neben dem sportlichen Wettkampf gehört auch die traditionelle "Rennwurst" für alle Teilnehmer dazu. In diesem Jahr wurde das Event erstmals mit einer Après-Party im Zelt abgerundet – ein gelungenes Finale für einen unvergesslichen Renntag.

 Das Rennen hat auch in diesem Jahr eindrucksvoll gezeigt: Mit Leidenschaft, Teamgeist und einer Prise Improvisationstalent lässt sich eine traditionsreiche Veranstaltung am Leben erhalten – und sorgt dabei für jede Menge Freude bei Teilnehmern und Zuschauern.

Text und Fotos Sabine Zoller

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