Sauberkeit und Hygiene im Blick
Betriebsbesichtigung bei der Firma Meiko im Rahmen der Stadtteilspaziergänge Nordwest
Die bewegte Geschichte der 1927 gegründeten Firma Meiko konnten 30 Bürgerinnen und Bürger aus dem Sanierungsgebiet Bahnhof-Schlachthof bei einer Betriebsbesichtigung erfahren. Im Rahmen des Stadtteilspaziergangs berichtete zunächst Inga Rosenkranz von den beiden Firmengründern. Danach führten Stefanie Sharma und Ann-Kathrin Blum vom Besuchermanagement durch das Ausstellungszentrum und den Betrieb.

Inzwischen in über 100 Ländern vertreten: die Offenburger Firma Meiko
Inga Rosenkranz hatte einmal mehr im Stadtarchiv gestöbert, um mehr über die Historie von Meiko zu erfahren und war dabei auf die Bauanträge der Firmengründer Oskar Meier und Franz Konrad gestoßen. 1934 wollten sie privat ein Grundstück am Hohen Rain kaufen, um dort zwei Häuser nebeneinander zu errichten. Das Bauen war seitens der Stadt an die Bedingung geknüpft, dass mindestens 60 Prozent der Baufirmen aus Offenburg stammen mussten. Oskar und Rosel Meier sowie Franz und Magdalena Konrad erfüllten diese Bedingung und hielten sich an die vorgeschriebene Symmetrie und Anordnung der Häuser. Somit stand dem Hausbau nichts mehr im Wege.
Dennoch plante Oskar Meier bereits drei Jahre später, sich aus dem Unternehmen zum 1. Oktober 1937 zurückzuziehen, um eine Firma zur Herstellung von Kühlgeräten zu gründen. Doch es kam anders. Am 8. und 9. September 1937 gab es zwischen Franz Konrad und dem Lehrling Hans Müller einen Streit. Der Azubi, Scharführer in der Hitlerjugend, wollte zum Reichsparteitag nach Nürnberg. Sein Lehrherr verweigerte ihm dies, da er seinen Urlaub bereits aufgebraucht hatte und die Auftragslage seine Hilfe erforderte. Müller zeigte seinen Lehrherrn an und ein Sondergericht verurteilte ihn zu zwei Monaten Gefängnis. Damit war klar, dass Oskar Meier im Unternehmen verbleiben musste. Konrad machte keinen Hehl daraus, dass er kein Freund von Hitler und seinem Regime war. Er kam nur frei, als man ihn für „nicht zurechnungsfähig“ erklären ließ. Konrad kehrte Offenburg den Rücken, leitete mehrere Firmen anderswo, so auch in Polen.
Beim Betriebsrundgang erklärte Stefanie Sharma, dass Meiko beim Bombenangriff 1944 fast völlig zerstört wurde. Oskar Meier und seine Rosel verloren in den letzten Kriegstagen ihren einzigen Sohn und dachten ans Aufhören. Dank der treuen Mitarbeiter ging es weiter. Sie ermutigten den Chef, die Firma neu aufzubauen. Zunächst produzierten sie Töpfe und Haushaltswaren. Bald jedoch entstanden wieder Spülmaschinen, vor allem für die Gastronomie. Heute fertigt Meiko Spülmaschinen, Speiserestesysteme und Reinigungs- und Desinfektionsgeräte für Krankenhäuser, Pflegeheime, Feuerwehren und individuelle Spülanlagen für Flughäfen. Allein für den neuen Flughafen in Istanbul wurden 13 Spülmaschinen mit einer Länge zwischen 16 und 25 Meter ausgeliefert.
Wie Ann-Kathrin Blum berichtet, gibt es noch heute zwei „Würstle-Tage“ in der Firma. An den Geburtstagen von Oskar und Rosel Meier im Juli und Dezember ist die Frühstückspause doppelt so lang und die besagte Verpflegung wird gestiftet. Apropos stiften: Meiko gehört zu der Oskar-und-Rosel-Meier-Stiftung. Dort ist im Stiftungsvertrag verankert, das Unternehmen zeitlich unbegrenzt zu erhalten und damit die Arbeitsplätze langfristig zu sichern. Vorfertigung, Produktion, Modulmontage und Prüfstand konnten besichtigt werden und vermittelten einen Eindruck, wie individuell auf Kundenwünsche eingegangen wird.
Inga Rosenkranz berichtete über das 13,5 Hektar große Firmengelände, dass 1937 Gelände für das Heer bereitgestellt wurde, um in Offenburg Pioniere zu stationieren. Beim abschließenden Treffen im Konferenzsaal erzählten ehemalige und aktuelle Mitarbeiter, darunter Reiner Decker, zahlreiche Geschichten aus der Meiko. Reiner Decker initiierte auch den Stadtspaziergang bei Meiko.
Das Fazit der Besucher*innen war unisono begeistert. Besonders der Rundgang durch das moderne Experience-Center mit seinem 360°-Kino zeigte beeindruckend, die alte aber vor allen Dingen die neue Meiko, die in über 100 Ländern der Erde vertreten ist und wie das Bedürfnis des Menschen nach Sauberkeit und Hygiene von Meiko umgesetzt wurde.
Termin:
Der nächste Stadtteilspaziergang führt am Donnerstag, 28. November, von 18 bis 19.30 Uhr ins „Klösterle“ Sankt Fidelis. Pfarrer Eberhard Murzko lädt ein, in den Kirchenbänken der Geschichte über den besonderen Ort zu lauschen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Wer Erinnerungen an das alte und neue „Klösterle“ hat, ist willkommen, seine eigene Geschichte zu erzählen. Wer weitere Ideen für Stadtspaziergänge hat, darf sich bei Quartiermanager Simon Krummradt, Telefon 0781 822562, oder unter E-Mail:


