Frostjahr schmälert den Umsatz
Oberkircher Winzer eG befindet sich in der Gründung eines Exportunternehmen mit Heilbronn und Lauffen / Erster Auftritt in Paris war ein Erfolg
Mit einem Umsatz von 18,1 Millionen Euro hat die Oberkircher Winzer eG am Donnerstag in der Klingelberghalle in Tiergarten das Geschäftsjahr 2024/25 bilanziert. Begründet ist der geringere Umsatz mit dem Frostjahr 2024 und damit deutlich weniger Mengen als im Rekordjahr davor.

Schultze-Delitzsch-Medaille für den scheidenden Aufsichtsratsvorsitzenden Herbert Vollmer. Unser Foto zeigt v.l. Die Badische Weinprinzessin Hannah Spraul, Sebastian Hill, Karsten Eisele, Ursel und Herbert Vollmer, Erster stellvertretender Vorstandsvorsitzender Klemens Schnurr, Franz Männle und die Oberkircher Weinprinzessin Tina Müller.
Nahezu konstant geblieben ist das Flaschengeschäft, das heißt der Absatz bei Lebensmitteleinzelhandel, Gastronomie und Fachhandel sowie der Abverkauf in der Vinothek und private Bestellungen online. „Der kleine Jahrgang 2024 war wesentlich verantwortlich für den deutlichen Umsatzrückgang,“ sagte Geschäftsführender Vorstand Sebastian Hill vor der Versammlung. Betroffen davon waren alle Winzerbetriebe in der Ortenau. Auch der Jahrgang 2025 könne das nicht kompensieren, da er ebenfalls geringer als erwartet ausgefallen ist. Trotzdem habe sich die Oberkircher Winzer eG zusammen mit dem Winzerkeller Hex vom Dasenstein Kappelrodeck besser geschlagen wie der Markt allgemein.
Um den Export zu intensivieren gründet die Oberkircher Winzer eG zusammen mit den Winzergenossenschaften Heilbronn und Lauffen am Neckar das Exportunternehmen Associated Wines Germany (AWG). Zusammen vertreten die Genossenschaften Weinerzeugnisse von knapp 3000 Hektar Rebfläche in Baden und Württemberg. „Da können wir mit einer ganz anderen Power reingehen“. Besonders Riesling und Spätburgunder aus Deutschland seien im Ausland gefragt. Der erste gemeinschaftliche Auftritt der AWG fand vom 9. bis 11. Februar bei der Wine Paris 2026 in Paris statt. Interesse an deutschen Weinen sieht man auch in China, Südkorea, Japan, Skandinavien und Osteuropa.
In einer packenden Rede stimmte Hill die Winzerschaft auf die Zukunft ein. Den Vertrieb stärken, die Strukturen anpassen auch in den Winzerbetrieben sowie die Vorteile der Genossenschaft nutzen. Denn jedes der 670 Mitglieder sei auch ein Markenbotschafter, Vertriebler, Kommunikator. Jeder könne in seinem Umfeld die Verbraucher positiv für die Oberkircher Weine gewinnen.
Mit neuen Produkten will die Kooperative jüngere und ältere Verbraucher abholen. So wird es in der Collection O einen O-Tonic Spritz geben, auch alkoholfrei. Badnermaidli und Badnerbueb werden um das Badnerherz erweitert, eine Cuvée aus Spätburgunder Rotwein und der PIWI-Sorte Levitage. Hill und sein Team sehen vor allem in alkoholfreien Produkten Potenzial für Umsatzsteigerung. Prämierungserfolge wie sie die Oberkircher bislang eingefahren haben, machen Sinn. „Das puscht sofort unsere Verkaufszahlen.“ Neue Märkte erschließen will Hill auch mit der Präsenz bei Großveranstaltungen wie „Das Fest“ in Karlsruhe. Regional wird es am 20. Juni auf Schloss Rodeck in Kappelrodeck ein Sektfestival des Winzerkellers Hex vom Dasenstein geben. Hierzu wird auch ein Betrieb aus der Pfalz und einer aus Südtirol eingeladen. Man wolle dem Gast ein breites Spektrum anbieten. „Mehr Emotion geht nicht!“
Vorstandsvorsitzender Franz Männle hatte zuvor den tiefgreifenden Strukturwandel im deutschen Weinbau angesprochen. Die klimatischen Entwicklungen mit ungewöhnlichen Wetterereignissen, steigende Produktionskosten durch höhere Energiekosten, Lohnkosten und Aufwendungen für Bewässerung oder Schädlingsbekämpfung trüben den Erfolg der Winzer. Gleichzeitig lege der Verbraucher aber mehr Wert auf Regionalität und Authentizität. „Der deutsche Wein genießt einen guten Ruf.“ Der genossenschaftliche Zusammenhalt sei für jeden einzelnen Winzer ein Gewinn. Der Markt sei anspruchsvoll, aber wer effizient wirtschaftet und die Qualität in den Mittelpunkt stellt, hat auch künftig gute Perspektiven.
Neuer Qualitätsmanager
Seit 1. September 2025 ist Pasquinel Van Hoorickx neuer Qualitäts- und Nachhaltigkeitsmanager. Der junge Belgier hat Agrarwissenschaften, Biowissenschaften und Ingenieurwissenschaften studiert und die jeweiligen Abschlüsse absolviert. Im Augenblick ergänzt er sein Wissen durch eine Winzerausbildung. Der 26-Jährige beerbt Frank Männle, der sich nach 24 Jahren bei der Oberkircher Winzer eG für eine Tätigkeit in der öffentlichen Verwaltung entschieden hat. Männle wurde im Rahmen der Versammlung mit Standing Ovation von der Winzerschaft verabschiedet.
Bürgermeister Christoph Lipps unterstrich erneut die Bedeutung von Oberkirch als Genussstadt. Das verdanke man dem Qualitätsstreben der Winzer. Zudem sei der Weinbau ein zentraler Wirtschaftsfaktor, sichere Arbeitsplätze und sei „Motor unserer Touristik“. Der Erfolg der Genossenschaft als bester deutscher Weinerzeuger „strahlt auf unseren Standort aus.“ Im Wein- und Obstbauforum bleibe man weiter im Gespräch. Die Stadt hat ein Steillagen-Mähgerät gekauft, welches sie den Betrieben zur Verfügung stellt
Schultze-Delitzsch-Medaille für Herbert Vollmer
36 Jahre als Aufsichtsratsvorsitzender die Geschicke der Oberkircher Winzer eG mitgestaltet/Aus Leidenschaft und Berufung für den Berufsstand eingesetzt
Über 30 Jahre hat er die Geschicke bei der Oberkircher Winzer eG als Aufsichtsratsvorsitzender mitgestaltet. Nun wurde Herbert Vollmer in den Ruhestand verabschiedet und mit der Schultze-Delitzsch-Medaille durch den Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband (BWGV) für seine Verdienste im Ehrenamt gewürdigt.
Im Jahr 1990 wurde Vollmer als Mitglied in den Aufsichtsrat der Oberkircher Winzer eG gewählt. Ab 1994 übernahm er dessen Vorsitz. Karsten Eisele vom Verband skizzierte mit launigen Worten, dass es in der Amtszeit von Herbert Vollmer fünf Bundeskanzler, acht Bundestrainer gegeben hat sowie eine Reihe von Ereignissen und Bauprojekten bei der Kooperative zu entscheiden waren. So habe Vollmer die Fusion der Oberkircher Winzer eG mit dem Winzerkeller Hex vom Dasenstein begleitet, immer besonnen gehandelt und den Blick nach vorne gerichtet. Vollmer stand für Beständigkeit und habe stets zum Erfolg der Genossenschaft beigetragen. Das Amt sei für ihn Lebensaufgabe gewesen. Sicher sei es auch nicht immer leicht gewesen, die vielfältigen Aufgaben zu meistern. Für diese „beeindruckenden 36 Jahre“ gab es die sehr selten vergebene Schultze-Delitzsch-Medaille.
Kaum einer wie Vollmer habe die Geschicke der Winzergenossenschaft so mitgestaltet, mit großer Verantwortung und Herzblut. Er stand für Kontinuität, Verlässlichkeit und Stabilität, schilderte der Vorstandsvorsitzende der Oberkircher Winzer eG, Franz Männle. Wichtige Investitionen und bauliche Vorhaben habe Vollmer aktiv mitgestaltet, immer zum Wohl der Winzerfamilien. Als Winzermeister habe er die Anforderungen in Weinberg und Keller gut gekannt. Auch war Herbert Vollmer Funktionsträger beim Badischen Weinbauverband, hatte in Ortschaftsrat und Gemeinderat politische Verantwortung übernommen. Gleichzeitig war er ein Gesellschaftsmensch, der als aktiver Musiker auch Kameradschaft zu pflegen wusste. „Herbert Vollmer hat Spuren hinterlassen, in der Genossenschaft, in unserem Berufsstand und in unserer Stadt“, sagte Franz Männle.
Der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende wünschte der Oberkircher Winzer EG eine gute Weiterentwicklung. „Winzer ist einer der schönsten Berufe, denn sie erhalten unsere Jahrhundertealte Kulturlandschaft.“ Einen besonderen Dank richtete Vollmer an seine Frau Ursel, die ihm in den 36 Jahren seines Wirkens immer die nötigen Freiräume gegeben habe. Ihm sei es eine Ehre gewesen, für den Berufsstand tätig zu sein und immer eine Lösung für die Winzer gefunden zu haben.
Ein Nachfolger für Vollmer wird in der nächsten konstituierenden Sitzung des Aufsichtsrats vom Gremium gewählt. Wiedergewählt wurde Patric Spraul in den Aufsichtsrat. Erneut zum Vorstandsvorsitzenden gewählt wurde Franz Männle. Er hatte keinen Gegenkandidaten.


