700 Jahre Stadtrechte Oberkirch
Festakt verbindet Geschichte, Musik und Gemeinschaft zu eindrucksvollem Jubiläum
Rund 500 Gäste haben am Sonntag in der vollbesetzten Erwin-Braun-Halle den Festakt zum 700-jährigen Jubiläum der Stadtrechte Oberkirch gefeiert. Mit der Uraufführung der Heimatsinfonie „Am Fuße des Schwarzwalds“ und der Präsentation des neuen Bildbands „Oberkirch – Geschichte erzählt in vergleichenden Ansichten“ wurde die Geschichte der Stadt auf emotionale, eindrucksvolle und verbindende Weise erlebbar gemacht.

Würdigung der Beteiligten: Oberbürgermeister Gregor Bühler (rechts) mit Stadtarchivarin Dr. Irmgard Schwanke, Komponist Guido Rennert, Gabriele Schindler und Stadtmusikdirektor Zeno Peters (v.l.).
Oberbürgermeister Gregor Bühler stellte in seiner Ansprache die historische Bedeutung des Jubiläums heraus und ordnete es zugleich in die Gegenwart ein: „Was damals vielleicht wie ein politischer Akt unter vielen erschien, war in Wahrheit ein Meilenstein für unsere Stadt. Ein Startschuss. Ein Aufbruch.“ Mit der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1326 seien die Bürgerinnen und Bürger zu freien Menschen geworden, die Stadt habe das Recht zur Selbstverwaltung erhalten. „Kurz gesagt: Oberkirch hatte die Möglichkeit, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen“, so Bühler. Zugleich machte er deutlich: „700 Jahre Stadtrechte Oberkirch: das ist nicht nur ein Blick zurück. Es ist auch ein Auftrag für die Zukunft.“
Musik lässt Stadtgeschichte lebendig werden
Ein besonderer Höhepunkt des Festakts war die Uraufführung der Heimatsinfonie durch die Stadtkapelle Oberkirch unter der Leitung von Stadtmusikdirektor Zeno Peters. Das eigens für das Jubiläum komponierte Werk von Guido Rennert führte das Publikum in einer eindrucksvollen Verbindung aus Musik und Bild durch zentrale Epochen der Stadtgeschichte. Begleitet von großformatigen Projektionen spannte die Sinfonie den Bogen von Landschaft und Herkunft über historische Einschnitte bis hin zu gelebter Gemeinschaft und Festkultur. Ereignisse wie der Dreißigjährige Krieg oder der Stadtbrand von 1689 fanden ebenso ihren Ausdruck wie kulturelle Identität und Lebensfreude.
Im Gespräch mit Heimattage-Geschäftsstellenleiterin Gabriele Schindler wurde deutlich, wie intensiv sich Rennert bei einem Besuch mit Oberkirch auseinandergesetzt hatte. Er habe die Stadt förmlich „aufgesogen“, so Schindler – ein Eindruck, der sich in der musikalischen Umsetzung widerspiegelte. Der Komponist selbst machte deutlich, dass die Sinfonie aus diesen Eindrücken und der Stadtgeschichte heraus entstanden ist und Oberkirch „in Musik übersetzt“ wurde.

Die Stadtkapelle Oberkirch führte unter der Leitung von Stadtmusikdirektor Zeno Peters die Heimatsinfonie „Am Fuße des Schwarzwalds“ erstmals auf.
Die Wirkung im Saal war entsprechend groß: Minutenlanger Applaus und stehende Ovationen würdigten die Leistung der knapp 90 Musikerinnen und Musiker. Zuletzt übernahm Guido Rennert selbst den Taktstock und dirigierte am Ende des Abends die Zugabe der Stadtkapelle.
Würdigung für musikalische Spitzenleistung
Im Rahmen des Festakts wurde auch das langjährige Wirken von Stadtmusikdirektor Zeno Peters gewürdigt. Seit 25 Jahren prägt er die Stadtkapelle und hat sie zu einem „herausragenden Team mit grandiosem musikalischem Können und hervorragender Jugendarbeit“ entwickelt, betonte Oberbürgermeister Bühler. Die Qualität der Uraufführung sei ein eindrucksvoller Beleg dafür. Oberkirch könne stolz auf seine Stadtkapelle sein, so Bühler, deren Klasse weit über die Stadt hinaus Anerkennung finde. Die Sinfonie sei ein Werk auf höchstem Niveau, das üblicherweise im professionellen Bereich angesiedelt sei.
Buch eröffnet neue Perspektiven auf die Stadtgeschichte
Neben der Musik setzte die Stadt mit der Präsentation des neuen Bildbands einen zweiten inhaltlichen Schwerpunkt. Stadtarchivarin Dr. Irmgard Schwanke stellte das Werk vor, das historische Aufnahmen aktuellen Fotografien gegenüberstellt und so Kontinuitäten und Veränderungen im Stadtbild sichtbar macht. Das Buch sei bewusst kein klassisches Geschichtswerk, sondern lade dazu ein, die Stadt neu zu entdecken und genauer hinzuschauen. Es erzähle Geschichte ausgehend von Gebäuden, Straßen und Orten und mache so Entwicklungen unmittelbar nachvollziehbar. Oberbürgermeister Bühler würdigte die Neuerscheinung als „beeindruckendes Buch, das von nun an in keinem Oberkircher Haushalt fehlen sollte“.
Dieses ist ab sofort im Buchhandel, im Heimat- und Grimmelshausenmuseum sowie in der Geschäftsstelle der Heimattage erhältlich. Der Verkaufspreis beträgt 24,80 Euro.

Oberbürgermeister Gregor Bühler (links) mit Oberbürgermeister a.D. Matthias Braun (2.v.r.) und dem ehemaligen Bürgermeister Willi Stächele MdL (Mitte) sowie den Wein-, Erdbeer- und Waldhoheiten (v.l.n.r.) beim Festakt zum 700-jährigen Jubiläum der Stadtrechte in der Erwin-Braun-Halle.
Gemeinschaft als verbindendes Element
Der Festakt machte deutlich, was Oberkirch seit 700 Jahren prägt: eine starke Gemeinschaft. Bühler hob hervor, dass die Entwicklung der Stadt immer auch von Engagement und Zusammenhalt getragen wurde – in Vereinen, im Ehrenamt und im täglichen Miteinander. „Oberkirch ist vor allem eines: eine lebendige Stadt“, so der Oberbürgermeister. Eine Stadt, in der Menschen nicht nur leben, sondern aktiv gestalten – ganz im Sinne des Leitgedankens „Wo Gutes entsteht“.
Wertschätzung und gemeinsamer Ausklang
Zum Abschluss des Festakts dankte die Stadt den maßgeblich Beteiligten des Abends. Oberbürgermeister Bühler würdigte insbesondere die Arbeit von Dr. Irmgard Schwanke sowie die Komposition von Guido Rennert, dem es gelungen sei, „die Geschichte Oberkirchs hörbar zu machen – durch friedliche, kriegerische und fröhliche Zeiten hindurch“.
Im Anschluss an den offiziellen Teil nutzten viele Gäste den Stehempfang, um den Vormittag in Gesprächen ausklingen zu lassen. Bei Oberkircher Wein wurde deutlich, was diesen Festakt auszeichnete: ein gemeinsames Erlebnis, das Geschichte, Kultur und Gemeinschaft miteinander verbunden hat.




