Zum Hauptinhalt springen
Nachrichten aus Oberrhein

Leinen los nach langer Zeit

Piratenschiff auf dem Spielplatz Teichweg in Märkt übergeben / Kinder beteiligen sich und äußern ihre Wünsche

Weil am Rhein.  Ahoi! Endlich können die Kinder das riesige Piratenschiff entern. Das nigelnagelneue Großspielgerät am Spielplatz Teichweg in Märkt wurde am Mittwoch offiziell dem erwartungsfrohen Nachwuchs übergeben.

Piratenschiff für Märkt: Die Freude bei den Kindern und bei allen Beteiligten ist riesig.

Bildquellen: Stadtverwaltung Weil am Rhein / Bähr

Ab sofort können die Mädchen und Jungen im einstigen Fischerdorf in See stechen. Es war ein langer Prozess, den das Corona-Virus immer wieder ausbremsen wollte, aber nicht stoppen konnte. Der Lohn: ein schmuckes, ganz den Wünschen der Kinder entsprechendes Spielzeug im Großformat.

Ahoi! Das neue Großspielgerät auf dem Märkter Spielplatz im Teichweg.

Bildquellen: Stadtverwaltung Weil am Rhein / Bähr

Voll des Lobes war Bürgermeister Martin Gruner, der im Beisein der aufgeregten Schülerinnen und Schüler, des Ortsvorstehers Stefan Hofmann, Rektorin Anna Kruse, der Lehrerinnen, Dagmar Griese vom Stadtbauamt und der Mitarbeiter des Betriebshofs mit einer Schere das Flatterband durchschnitt und das 1235 x 470 x 400 Zentimeter große Spielgerät denen überließ, die sich dafür stark machten – den Kindern.

„Für Euch geht heute eine sehr lange Zeit des Wartens zu Ende - und das finde ich großartig. Ihr habt Euch trotz Corona-Lockdown eingebracht, habt eure Wünsche mitgeteilt, gebastelt, gemalt und vor allem sehr, sehr viel Geduld bewiesen. Ihr habt euch für dieses neue Spielgerät eingesetzt und hautnah miterleben können, dass ihr nicht nur das Recht habt, euch zu beteiligen, sondern von Erwachsenen auch ernst genommen und gehört werdet“, erklärte Gruner. 

Haben nach der Eröffnung des neuen Großspielgeräts allen Grund zu strahlen: (v.l.) Rektorin Anna Kruse, Dagmar Griese vom Stadtbauamt, Märkts Ortvorsteher Stefan Hofmann, Bürgermeister Martin Gruner und die Kinder- und Jugendbeauftragte der Stadt, Michaela Rimkus.

Bildquellen: Stadtverwaltung Weil am Rhein / Bähr

Er erinnerte daran, dass Weil am Rhein schon seit 2012 das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“ trägt und sich damals als erste deutsche Stadt zur Teilnahme an diesem Vorhaben bekannte. Dass Kinder und Jugendliche in Weil am Rhein angehört und deren Sorgen und Wünsche ernst genommen werden, zeigt dieses Vorhaben in unnachahmlicher Art und Weise. „Uns ist es ein großes Anliegen, Kinder angemessen zu beteiligen“, so Gruner und verwies dabei auch auf Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention und § 41a der Gemeindeverordnung von Baden-Württemberg.

Ende 2019 startete das Projekt Großspielgerät für den Spielplatz Teichweg mit einem Unterrichtsbesuch der Kinder- und Jugendbeauftragten der Stadt, Michaela Rimkus. In der Hermann-Daur-Schule in Märkt sprach sie mit den Kids unter anderem über Kinderrechte.

Nach einem Brief der Schülerinnen und Schüler an die Stadtverwaltung und der Bitte, sich einem neuen Spielgerät auf dem an Schulgelände angrenzenden Spielplatz anzunehmen, wurde bei einem weiteren Unterrichtsbesuch nicht nur die Problematik besprochen, warum das alte Gerät zurückgebaut werden musste, sondern auch vereinbart, wie die Kinder der ersten und zweiten sowie der dritten und vierten Klassen ihre Wünsche äußern können: diese sollten gesammelt und als selbst gebastelte Modelle dargestellt werden. 

Dann kam das Corona-Virus und im Mai 2020 der Lockdown. Die Möglichkeit, das Unterfangen klassenübergreifend weiter voranzutreiben, war nicht gegeben. Im Herbst sollte das Projekt dann aber wieder Fahrt aufnehmen. Das Thema Beteiligung wurde vertieft und die Modelle sollten Anfang 2021 im Rathaus vorgestellt werden. Dann machte der erneute Lockdown und die lange Zeit des Homeschoolings erneut einen Strich durch die Rechnung.

Die Modelle waren während des Lockdowns zusammengefallen. Doch ein Arbeitsblatt, dass das Malen des persönlichen Lieblingsspielgeräts und das Beschreiben der wichtigsten Aktivität der jungen Menschen zum Inhalt hatte, sorgte dafür, dass ab März 2021 die entsprechende Auswertung der Wünsche im Rathaus beginnen konnte. Bei einem weiteren Treffen in der Schule und einer Präsentation der Werke konnte Dagmar Griese vom Stadtbauamt nicht nur tolle Ideen mitnehmen, sondern auch mit der Planung beginnen.

Während das alte Gerät nach einem Rückbau aus sicherheitstechnischen Gründen derweil ganz abgebaut werden musste, wurden die Schülerinnen und Schüler in kindgerechter Sprache über den aktuellen Sachstand am Laufen gehalten. Jetzt also die Übergabe des rund 26 000 Euro teuren Schiffs, auf dessen Deck der Nachwuchs mit dem Fernrohr nun nach immer neuen Abenteuern Ausschau halten kann.

„Die Kinder und auch die Verantwortlichen im Rathaus haben sich in der langen Zeit nicht entmutigen lassen. Das ist toll. Und das Ergebnis kann sich nun wirklich sehen lassen“, freute sich Michaela Rimkus, die sich bei Rektorin Anna Kruse sowie den beteiligten Lehrerinnen Susanne Bernhard, Dorothee Kraska und Denise Scheller für ihren langen Atem bedankte. „Es wird gut, wenn Beteiligung von Kindern und Jugendlichen gelebt wird“, stellte sie zufrieden fest.

Kurz vor der Übergabe hatte der Betriebshof den Bauzaun entfernt und Ortsvorsteher Hofmann auf dem Schiff eine Schatzkiste entdeckt. Deren Inhalt, leckere Brezeln nämlich, wurden ratzeputz verspeist. Klettern, balancieren und hüpfen macht kleine und große Piraten schließlich hungrig.


Hintergrund:

Die Stadt Weil am Rhein führt offiziell das Siegel „Kinderfreundliche Kommunen“. Weil am Rhein hat sich die nachhaltige Verankerung der Interessen von Kindern und Jugendlichen zum Ziel gesetzt und war im Jahr 2012 die erste Stadt in Deutschland, die sich zur Teilnahme an diesem Vorhaben bekannte. 2019 wurde das Siegel schon zum zweiten Mal verliehen.


 

Text/Bilder: Stadtverwaltung Weil am Rhein

Auch interessant:

Anzeige

Anzeige