22. Wirtschaftstreffen: Prof. Dr. Nicola Osypka gewährt faszinierende Einblicke in die Welt der Medizintechnik
Eine echte Herzensangelegenheit
Weil am Rhein. Gut 200 Gäste waren trotz des Europa League-Finals mit dem SC Freiburg ins Rathaus gekommen, um bei der 22. Auflage des Wirtschaftstreffens mit von der Partie zu sein.

Bild Wirtschaftstreffen: Gewährt faszinierende Einblicke in die Welt der Medizintechnik: Gastreferentin Prof. Dr. Nicola Osypka (links), hier im Gespräch mit Oberbürgermeisterin Diana Stöcker beim Wirtschaftstreffen
Und die diesjährige Gastreferentin Prof. Dr. Nicola Osypka entpuppte sich, um in der Fußballsprache zu bleiben, als echter Volltreffer. Auf großes Interesse stießen auch die Ausführungen von Oberbürgermeisterin Diana Stöcker zu den Entwicklungen am Wirtschaftsstandort Weil am Rhein der vergangenen zwölf Monate.
Wieder hatte die Weil am Rhein Wirtschaft & Tourismus GmbH (WWT) alle Weiler Unternehmerinnen und Unternehmer eingeladen. Im Mittelpunkt des inspirierenden Abends stand der spannende Impulsvortag von Prof. Dr. Nicola Osypka. Die Unternehmerin, Medizintechnikerin und langjährige Vorstandsvorsitzende der Osypka AG gab Einblicke in technologische Entwicklungen, in die Innovationskraft ihres international anerkannten Unternehmens, und in das, was es bedeutet, unternehmerische Verantwortung zu tragen.
„Letzteres“, so Oberbürgermeisterin Diana Stöcker, „das wissen Sie alle, ist nicht immer leicht.“ Umso schöner sei es, wenn man von jemandem höre, der das in besonderer Weise lebe. „Sie haben mit ihrer Familie buchstäblich Leben gerettet. Sie haben ein Unternehmen aufgebaut, das weltweit Maßstäbe setzt“, meinte Stöcker in Richtung der Gastreferentin, die ihren praxisorientierten Vortrag unter den Titel „Herzen retten – Verantwortung, Innovation und Unternehmertum in der Medizintechnik“ stellte und verschiedene Geräte gleich auch mitgebracht hatte.
Die Osypka AG zählt zu den international anerkannten Spezialisten der Medizintechnik und entwickelt hochinnovative Implantate und Kathetersysteme. Unter der Prägung von Dr. Nicola Osypka hat sich das Unternehmen kontinuierlich weiterentwickelt und technologische Meilensteine gesetzt, insbesondere in der interventionellen Kardiologie und Neurostimulation.
Osypka sprach mit großem Respekt von ihrem Vater, der mehr als 200 Patente anmeldete, und über die Mitarbeitenden, die von unschätzbarem Wert seien („magic“). Das Unternehmen selbst, so Osypka, sei seit 50 Jahren nicht abhängig von Lieferketten, da sämtliche Produkte selbst hergestellt würden. Sie verwies auf die äußerst sensiblen Maschinen, die sogar durch das Wetter beeinflusst werden könnten, erzählte von präziser Handarbeit und zeigte sich stolz über die Marke „Made in Germany / EU“.
Die Referentin berichtete aber auch über die verschiedenen Herzkrankheiten und wie Menschen entsprechend vorbeugen könnten. „Ich habe große Hochachtung vor Ärzten, die für Herzen kämpfen und so Patienten retten“, machte sie deutlich und sprach mit Ehrfurcht über das Vertrauen, dass Ärzte sowie Patienten ihren Produkten entgegenbringen. „Diese Arbeit ist so faszinierend, da stehe ich gerne jeden Tag dafür auf, sieben Tage die Woche.“
Bei der Diskussionsrunde erfuhren die Gäste, dass Osypka, selbst promovierte Verhaltensbiologin, mit Wölfen gelebt und ihr Verhalten mehrere Jahre studiert habe, und dass sie so sein wollte wie Molekularforscher Konrad Lorenz.
Was könnte in Zukunft ein wichtiges Anliegen der Medizintechnik sein, wurde sie gefragt. „Dass Querschnittsgelähmte wieder laufen können“, antwortete die Gastrednerin und erklärte, dass die Osypka-Stiftung gemeinsam mit Institutionen aus der Schweiz an diesem Thema forsche. Schließlich sei das ebenso Neurostimulation.
Die Oberbürgermeisterin sprach ihrerseits über den Wirtschaftsstandort Weil am Rhein und ließ dabei das vergangene Jahr Revue passieren. Sie ging nochmals auf die beschlossene Vorkaufssatzung ein. Diese gebe der Stadt die Möglichkeit, strategisch wichtige Immobilien gezielt zu erwerben, um Einfluss auf die Entwicklung der Innenstadt zu nehmen. „Ziel ist eine vielfältige Branchenstruktur zu erhalten und zu gestalten und einer Häufung gleichartiger Nutzungen entgegenzuwirken.“ Die Vorkaufssatzung sei ein wirksames Steuerungsinstrument bei aktuellen Eigentümerwechseln in dieser 1a-Lage.
Stöcker berichtete, dass die Stadt zum 31. Dezember 2025 die Immobilie Modehaus Ermuth mit rund 1.000 Quadratmetern Handelsfläche erworben habe. „Leider haben wir bisher - trotz zahlreicher Interessenten - noch keinen passenden Mieter für die Gewerbefläche gefunden.“ Anfragen, so Stöcker, für weitere Gastronomie habe es einige gegeben. „Aber wir suchen passende Nutzungen im Bereich Einzelhandel oder Dienstleistung und nehmen uns lieber die Zeit, das Richtige für diesen wichtigen Standort zu finden.“
Interessant seien die ersten Ergebnisse des fortgeschriebenen Märkte- und Zentrenkonzepts: „Die Flächengröße des Weiler Einzelhandels und die Markenvielfalt entspricht einer Stadt mit 100.000 Einwohnern. Und der Leerstand liegt weit unter dem Durchschnitt vergleichbarer Kommunen“, machte Stöcker deutlich. „Das Märkte- und Zentrenkonzept wird das Einzelhandelsangebot qualitativ und quantitativ bewerten, Entwicklungspotentiale aufzeigen und Handlungsansätze ableiten – als Grundlage für unsere weitere kommunale Planung, für Investoren und als rechtssicheres Steuerungsinstrument.“
Der Einzelhandel stehe unter erheblichem Druck durch den Online-Handel, sagte Stöcker. Wenn Kunden persönlich in die Geschäfte kämen, zähle das Einkaufserlebnis.
Daher haben man gemeinsam mit den Einzelhändlern und Centern ein neues Familien-Shopping-Event ins Leben gerufen: Hallowiil. „Händler und Kunden hatten Spaß an der Innenstadt-Veranstaltung, begrüßen diese Stadtmarketingaktion und wollen beim nächsten Mal wieder mitmachen.“
Ein weiterer Baustein der Innenstadtentwicklung sei auch die bauliche Gestaltung, sagte Stöcker. Zentral für die Hauptstraße sei dabei die Frage der Tram 8-Verlängerung. „Wir sind dazu weiterhin in intensiven Gesprächen mit den Verantwortlichen in Basel und der Saint Louis Agglomeration über mögliche Finanzierungsoptionen“, so die Oberbürgermeisterin.
Daneben sei eine sehr gute Lösung für den Fußweg zwischen Dreiländergalerie und Rathausplatz gefunden und im Gemeinderat die Umgestaltung des Rathausplatzes unter dem Stichwort Klimaanpassung beschlossen worden. „Neue Fahrradständer wurden in der Innenstadt gestellt und weitere Parkplätze für Menschen mit Behinderung ausgewiesen“, ließ Stöcker wissen. Auch die Ordnung der Außengastronomie habe man im Blick. „Ein Thema, das für Aufenthaltsqualität, Verkehrssicherheit und ein stimmiges Stadtbild gleichermaßen wichtig ist.“
Mit Neuigkeiten wartete die Oberbürgermeisterin auch in Sachen Lofo-Gewerbepark auf. Sie freute sich darüber, dass im September des vergangenen Jahres der Spatenstich des Neubaus der Lo-Cat Systems GmbH erfolgte. Im Oktober 2026 soll dort die erste Maschine in Produktion gehen.
Im Eingangsbereich des Gewerbeparks sei ein weiteres Gewerbegrundstück mit rund 5.000 Quadratmetern an die Firma Würzburger verkauft worden. Hier werde der Firma Ultralen mit 1.000 Quadratmetern die Erweiterung seiner Produktion ermöglicht. Auf den verbleibenden 4.000 Quadratmetern entstehe, so Stöcker, ein Gewerbehof mit vier attraktiven Gewerbeeinheiten von 300 bis 500 Quadratmetern mit Werkstatt, Büro und Sozialräumen. „Hier werden sich ortsansässige Weiler Unternehmen ansiedeln, die zum Teil seit Jahren auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten zur Pacht sind.“ Und auch für die noch verbleibenden Grundstücke im Lofo-Gewerbepark würden sich aktuell sehr interessante Perspektiven auftun, über die man zu gegebener Zeit informieren wolle, meinte Stöcker, ehe sie auf das Thema Infrastruktur einging.
Zu einem starken Wirtschaftsstandort gehörten, so Stöcker, Wohnungen für Arbeitnehmende. Allein in Friedlingen seien rund 700 Wohnungen neue teilweise bereits im Entstehen oder werden konkret geplant. Im Innenstadtbereich kommen mindestens 200 weitere Wohnungen dazu. Auch das Investorenprojekt „Mitten im Leben“ nehme Formen an. Es sollen Mehrfamilienhäuser mit rund 150 Wohnungen sowie ein Ärztezentrum entstehen. Dazu stehe sie in engem Austausch mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten und dem Kreisklinikum.
Ein wichtiger Meilenstein für die künftige Stromversorgung der Stadt sei der Abschluss des Stromkonzessionsvertrages im November nach einem langwierigen, komplexen Vergabe- und Bewerbungsverfahren gewesen. Die Stromnetzgesellschaft Weil am Rhein GmbH & Co. KG. übernimmt künftig Betrieb, Entwicklung und Ausbau des Netzes. Danke der Kooperation der drei Partner – die bisherigen Gesellschafter Stadtwerke Weil am Rhein und badenovaNetze GmbH – mit dem aktuellen Stromnetzeigentümer und -betreiber naturenergie netze GmbH können die Kräfte aller drei Partner gebündelt werden.
Stöcker: „Nicht verschweigen möchte ich, dass unsere kommunalen Finanzen weiter unter enormen Druck stehen. Trotz intensivem Konsolidierungskurs müssen wir auch dieses Jahr erneut über die Bücher - sowohl im Ergebnishaushalt wie auch in der langfristigen Finanzplanung. Die Spielräume sind jedoch kaum mehr vorhanden.“
Bund und Land würden Städten und Kommunen laufend neue Aufgaben übertragen – die Mittel dafür blieben jedoch meistens aus. „Das zwingt zu harten Abwägungen. Wir brauchen eine neue Struktur zur Finanzierung der Kommunen. Sie tragen mehr als ein Viertel aller öffentlichen Ausgaben, erhalten aber nur ein Siebtel der Steuereinnahmen – und diese Schieflage verstärkt sich jedes Jahr“, stellte Stöcker fest.
Auch in den vergangenen zwölf Monaten habe sie die regelmäßigen Betriebsbesuche, sowohl im Gewerbe als auch im Einzelhandel, fortgesetzt. Für dieses Jahr seien bereits einige Termine vereinbart. „Der Austausch hilft uns - mir und dem Team der WWT - ein vertrauensvolles Miteinander mit unseren Betrieben aufzubauen und zu unterstützen, wo es möglich ist.“ Stöcker: „Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass Weil am Rhein auch in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten ein attraktiver Standort bleibt – für Unternehmen, für Beschäftigte, für junge Menschen und für Familien.“
Peter Krause, Geschäftsführer der WWT, gab derweil einen aktuellen Überblick über die Aktivitäten der Wirtschaftsförderung. Er freute sich über die Steigerung der Verkaufszahlen des Einkaufsgutscheins, wies auf die Veranstaltung „Weinweg in Flammen“ hin, die am 8. August stattfindet, erwähnte die Neugestaltung der WWT-Homepage und ging ausführlich auf die Maßnahmen im Kesselhaus aus.
Allen voran hatte er dabei das Green Office Space im Blick. Diese Büros seien mit zum Teil aufbereiteten Möbeln und ressourcenschonenden Materialien ausgestattet und böten eine inspirierende Atmosphäre für Kommunikation und Zusammenarbeit. Bestens geeignet seien sie für Start-ups, Kreative oder Unternehmen mit Sinn für zukunftsorientiertes Arbeiten. Die Büros gibt es in verschiedenen Größen zu mieten.
Ebenso wichtig war für die Unternehmerinnen und Unternehmer der anschließende Stehempfang mit einem Catering und vielen interessanten Gesprächen im Rathaus-Foyer. Dieser bot einmal mehr die Gelegenheit, sich in lockerer Atmosphäre zu vernetzen, Kontakte zu knüpfen und aktuelle Themen zu besprechen.


